Historie

Die mid-Zeitreise: Massen-Kultur - die Honda Gold Wing GL 1500

26. April 2019, 17:35 Uhr
Motor-Informations- Dienst (mid)
Die mid-Zeitreise: Massen-Kultur - die Honda Gold Wing GL 1500
mid Groß-Gerau - Die Honda Gold Wing GL 1500 ist ein Auto auf zwei Rädern. Wie auch immer man sie nennen mag, die Gold Wing erweckt sofort Emotionen, die entweder in Richtung "überschwer-unbrauchbar" oder in Richtung "Reiselust-Superkomfort" gehen. Honda
Am 6. März 1989 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 44. Jahrgang über die Honda Gold Wing GL 1500 im Praxistest.

Am 6. März 1989 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 44. Jahrgang über die Honda Gold Wing GL 1500 im Praxistest.

Oh Mann - da steht sie: Die Honda Gold Wing GL 1500. Ein Auto auf zwei Rädern. Ein Super- oder Übertourer. Wie auch immer man sie nennen mag, die Gold Wing erweckt sofort Emotionen, die entweder in Richtung "überschwer-unbrauchbar" oder in Richtung "Reiselust-Superkomfort" gehen. Allein diese Optik! Kunststoff, wohin man auch sieht, von der ausladenden Vollverkleidung über die abgedeckte Vorderradbremse oder die integrierten Packtaschen bis hin zum Topcase. Die dicken Reifen, die auf das üppigste gepolsterte Sitzbank und der breite Lenker bilden dazu nur einen schwachen Kontrast.

Auch vom Antrieb ist, abgesehen von den Ventildeckeln und den langgezogenen Auspuffrohren, nicht viel zu sehen. Das 74 kW/100 PS-Kraftwerk arbeitet so im Verborgenen. Gleich sechs nach dem Boxer-Prinzip angeordnete Zylinder sorgen für den gewaltigen Hubraum von 1.520 ccm. Der E-Starter erweckt sie spontan zum Leben. Und sofort fällt auf, wie ruhig und vibrationsfrei das wassergekühlte und in Gummiblöcke gelagerte Aggregat läuft. Während der kurzen Warmlaufphase kann es passieren, dass man nach einem Ampelstopp losfahren will und die transistorgezündete Maschine ist unbemerkt ausgegangen. Konkurrenzlose 150 Nm bei nur 4.000 U/min wuchtet der Zweiventiler als maximales Drehmoment auf die Kurbelwelle. Zwischen erhöhter Leerlaufdrehzahl und rotem Bereich - also zwischen 2.000 und 6.000 Kurbelwellenumdrehungen - ist alles da: bärenstarker Durchzug, Elastizität, saubere Gasannahme. Und das Ganze bei sehr dezentem Auspuffsound und weitestgehender Vibrationsfreiheit, so dass stets der Eindruck einer hochkultivierten Souveränität besteht.

Es fällt daher schwer, nicht ruhig und entspannt unterwegs zu sein. Knapp sieben Liter fließen dennoch als durchschnittlicher Benzinverbrauch (normal bleifrei) durch die beiden Vergaser, eine Folge des hohen Gewichts und der großen Windfläche. Der 23 Liter-Tank ist somit für rund 300 Kilometer Reichweite gut, wobei die Tankuhr durchaus brauchbare Informationen abgibt. Die Kraftübertragung übernimmt ein per hydraulischer Kupplung zu schaltendes Fünfgang-Getriebe, das sich durch kurze Schaltwege und gelungener Gang-Abstufung auszeichnet. Als technischen Clou, aber auch als lobenswerte Hilfe bei Rangiermanövern, weist die Maschine einen Anlasser-unterstützten Rückwärtsgang auf. Einen großen Hebel hinter der Verkleidung umgelegt und die Honda bewegt sich auf E-Starter-Druck rückwärts mit einer maximalen Geschwindigkeit von 1,6 km/h. Abgerundet wird die Motorseite von der Wartungsarmut (hydraulische Ventileinstellung) und dem pflegeleichten Kardanantrieb.

Lob verdient auch das Fahrwerk der neuen Gold Wing. Anders als frühere Gold Wing-Modelle vermag sie nicht nur reine Tourenbelange zufriedenzustellen. Sicherer Geradeauslauf bis zur Höchstgeschwindigkeit von rund 190 km/h. Die Seitenwindempfindlichkeit hält sich in relativ engen Grenzen. Die Handlichkeit des 385 Kilogramm-Kolosses überrascht, nur muss er erst einmal rollen. Supertourer-gerecht verwöhnen die Federelemente - 41 mm Telegabel und zwei Federbeine hinten - die Besatzung mit viel Komfort. Mittels Luftdruck-Kompressor (mit Fremdanschluss für Reifen und Luftmatratze) lässt sich die Federung jeweils der Beladung und den Straßenverhältnissen anpassen. Bodenwellen auf Landstraßen niederer Ordnung stellen so kaum Probleme für die Kardanmaschine dar, die zudem über hinreichende Schräglagen-Reserven in Kurven verfügt. Nach einiger Gewöhnung verliert man auch die Scheu vor Passfahrten.

Die Sitzpositionen sind überaus bequem, wenngleich die bundesdeutsche Ausführung gegenüber der US-Version mit der hohen Verkleidungsscheibe und dem gepolsterten Riesen-Topcase Einbußen hinnehmen muss. Die Sozia, weil sie ihren Rücken nicht am flachen Topcase anlehnen kann und der Fahrer, weil er hinter der unsinnig gekappten (aber TÜV-gerechten) Scheibe bei höheren Tempi unangenehmen Turbulenzen ausgesetzt ist. Unangenehm ist - natürlich nur bei sommerlichen Temperaturen - auch die Hitzeentwicklung hinter der Vollverkleidung, die auch von diversen Belüftungsöffnungen kaum gemildert werden kann. Ansonsten kann die Ausstattung begeistern. Ein hochwertiges HiFi- Deck, Warnblinkanlage, ein bordeigener Luftdruckkompressor und eine Digitaluhr im übersichtlichen Instrumenten-Cockpit sind nur einige "Highlights". Die großen Packtaschen verfügen über Innentaschen. In das Topcase passen leider nur flache Gegenstände. Ein Tempomat hält zwischen 50 und 130 km/h auf Wunsch solange die eingestellte Geschwindigkeit, bis der Fahrer bremst, kuppelt oder Gas wegnimmt. Apropos Bremsen: Hier verrichtet ein Integral-Bremssystem (der Fußbremshebel aktiviert die hintere und die linke vordere Scheibe der Dreischeiben-Anlage) seinen Dienst. Und zwar zur vollen Zufriedenheit. 22.800 DM sind der Preis für den fahrsicheren Honda Super-Tourer GL 1500 Gold Wing.

Der Artikel "Die mid-Zeitreise: Massen-Kultur - die Honda Gold Wing GL 1500" wurde am 26.04.2019 in der Kategorie Specials von Motor-Informations- Dienst (mid) mit den Stichwörtern Motorrad, Historie, Fahrbericht, Praxistest, Event, Messe, veröffentlicht.

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