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Der neue Golf GTI im Fahrtest - das schnellste Karo der Welt

10. August 2020, 14:40 Uhr
Rudolf Bögel 8
8Der neue Golf GTI im Fahrtest - das schnellste Karo der Welt
mid Wolfsburg - Fein gezeichnete Augenpartie, mächtiger Kühlergrill: mid-Autor Rudolf Bögel findet den neuen Golf optisch gelungen. Motor-Informations-Dienst (mid)
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Jetzt wird die Familienkutsche scharf. Mit dem Golf GTI bringt Volkswagen das meist verkaufte alltagstaugliche Sportauto der Welt neu auf den Markt. Generation 8 sieht frech wie nie aus und überzeugt vor allem beim Fahrwerk. Als Erinnerung an den Ur-GTI kehren sogar die karierten Sitzbezüge zurück.


Jetzt wird die Familienkutsche scharf. Mit dem Golf GTI bringt Volkswagen das meist verkaufte alltagstaugliche Sportauto der Welt neu auf den Markt. Generation 8 sieht frech wie nie aus und überzeugt vor allem beim Fahrwerk. Als Erinnerung an den Ur-GTI kehren sogar die karierten Sitzbezüge zurück.

Die Erfolgsgeschichte des Golf GTI fing mit einer groben Fehleinschätzung an. Auf rund 5.000 Exemplare taxierten die Volkswagen-Manager den geplanten Absatz, als sie das Modell anno 1975 auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main vorstellten. Beim Produktionsende der ersten GTI-Generation war das fast 100-fache vom Band gelaufen. Knapp 462.000 GTI - damit avancierte der Golf vom Start weg zum erfolgreichsten Kompaktsportler der Automobilgeschichte.

45 Jahre danach und 2,3 Millionen verkaufte Fahrzeuge später - steht sie nun da. Die nächste Generation. So auffällig wie nie. Mit der über die ganze Wagenbreite gehenden mächtigen Frontschürze reißt dieser GTI so richtig das Maul auf. So als ob er die Straße wegsaugen möchte.

Rechts und links flankiert wird der starke Auftritt durch die X-förmigen im Wabengitter integrierten LED- Nebelleuchten. Und zum ersten Mal in der GTI-Geschichte überhaupt gibt es eine beleuchtete Kühlergrillspange als Fahrlicht. Getreu dem neuen VW-Design-Motto: Licht ist das neue Chrom. Nicht fehlen darf natürlich der kultige rote Farbakzent im Kühler. Ehedem umrahmte die rote Leiste den Lufteinlass komplett, beim GTI 8 läuft sie parallel zum Lichtband und verbindet damit die beiden Scheinwerfer.

Von hinten erkennt man das Kult-Auto aus Wolfsburg an den runden Auspuff-Endrohren und am Dachspoiler. Der ist in Wagenfarbe lackiert und verlängert den Golf auch optisch ein großes Stück. Flacher und gestreckter wirkt Generation 8, auch weil an der Karosserie aerodynamisch gefeilt wurde. Mit einem cw-Wert von 0,275 schmiegt sich der Gran Turismo Injection (GTI) geradezu in den Wind.

Den Begriff "GTI" für Autos, deren Motor über eine Benzineinspritzung verfügen, gibt es schon seit Anfang der 1960er Jahre. Populär wurde das Kürzel jedoch erst mit dem Golf GTI. Apropos Injection. So wurde intern die Entwicklertruppe getauft, die schärfsten Golf bastelte. Halb im Geheimen, denn die Ölkrise mit Sonntagsfahrverboten hallte noch in der Gesellschaft nach.

Ein Einspritzer ist auch der aktuelle Golf GTI. Allerdings ein guter Bekannter. Der bereits im Vorgänger werkelnde 2,0 Turbo-Direkteinspritzer wurde zwar auf der Emissionsseite überarbeitet, bietet aber mit 245 PS und einem Drehmoment von 370 Newtonmetern die gleiche Leistung. Damit erreicht man Tempo 100 in 6,3 Sekunden. Kernig untermalt vom Sound-Generator, der sich an die jeweilige Fahrstufe von Komfort bis Sport anpasst.

Fein ist die Kraftentwicklung des Motors, intern EA888 evo 4 genannt. Zwischen 1.600 bis 4.300 Umdrehungen pro Minute (U/min) bleibt das Drehmoment im Spitzenbereich. Und damit länger als beim Vorgänger. Das bedeutet souveräne und entspannte Kraftentwicklung, die normalerweise von einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe auf die Straße gebracht wird. Auf der mid-Testfahrt stand der Sechs-Gang-Handschalter zur Verfügung. Ein Glücksfall für Puristen, denn damit lässt sich die Beschleunigung flexibel und ganz nach dem eigenen Gusto regeln.

Am meisten hat sich beim Fahrwerk getan. Zum einen wurden die Federraten vorne und hinten durch neue Dämpfer-Hydrauliken deutlich verbessert. Die Vorderachse verfügt jetzt über eine elektronisch geregelte Quersperre und auch die Progressivlenkung wurde weiterentwickelt. Auf kurvenreichen Strecken reagiert sie noch direkter. Beim neuen GTI braucht man nur noch 2,1 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag.

Der Clou beim neuen Fahrwerk ist jedoch der neue Fahrdynamik-Manager. Er koordiniert Differenzialsperre und die adaptiven Dämpfer. 200 Mal in der Sekunde ruft der Computer die entsprechenden Daten ab und greift je nach Fahrsituation individuell bei allen vier Rädern ein. Das heißt: Mehr Komfort für Langstreckenfahrten, mehr Dynamik auf der Landstraße. Das für Fronttriebler typische Untersteuern in sehr schnell gefahrenen Kurven haben die Ingenieure damit auch gleich weggebügelt. Der Golf GTI fährt sich dadurch neutraler und präziser.

Auch die Spreizung zwischen den beiden Fahrmodi Komfort und Sport wurde deutlich erweitert. Über einen digitalen Schieberegler lässt sie sich noch feiner dosieren als bislang. Jenseits von Komfort wird die Entkoppelung der Karosserie maximal erhöht. Das bedeutet Reisen so bequem wie in einer Sänfte. Oberhalb von Sport wird es sehr direkt. Wenig Karosseriebewegung bedeutet hier: Maximales GTI-Feeling.

Um seinen Kult-Status zu bewahren, braucht ein echter GTI neben den typisch scharfen Fahreigenschaften natürlich noch das eine oder andere Gimmick. Der rote Streifen im Kühlergrill gehört selbstverständlich dazu, der mittlerweile etwas feiner gezeichnete GTI-Schriftzug sowieso. Neu dazugekommen ist das virtuelle GTI- Cockpit. Rundinstrumente mit Drehzahlmesser in der Mitte, dazu Ladedruck oder Motortemperatur, frei wählbar. Alles in Rot.

Hohen Kultfaktor könnte der Start-Stopp-Knopf des Motors erreichen. Nach dem Öffnen der Tür pulsiert er ebenfalls rot, bis der Fahrer das Triebwerk startet. Endlich! Wie einfach waren die Spielereien da im ersten Golf. Ein Golfball auf dem Schaltknauf und Karomuster auf den Sitzpolstern. Letzteres haben die Marketing-Strategen beim neuen GTI wiederbelebt. Nur heißen die grau-schwarzen Bezüge jetzt anders. "Scalepaper" ist das neue Karo.

Rudolf Bögel / mid

Technische Daten Golf GTI

- Länge / Breite / Höhe: 4,28 / 1,79 / 1,44 Meter
- Motor: 2,0 Liter-Benziner
- Hubraum: 1.984 ccm
- max.Leistung: 180 kW/245 PS bei 5.000 - 6.500 U/min
- max.Drehmoment: 370 Nm bei 1.600 - 4300 U/min
- Getriebe: Sechsgang-Handschalter oder Siebengang-DSG, Frontantrieb
- Beschleunigung: 0-100 km/h in 6,3 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
- Normverbrauch: Noch keine Angaben
- Testverbrauch: 7,5 l / 100 km
- CO2-Emission: Noch keine Angaben
- Abgasnorm: Euro 6d
- Preis: ab etwa 35.000 Euro (Handschalter), 37.000 Euro (Automatik)

Der Artikel "Der neue Golf GTI im Fahrtest - das schnellste Karo der Welt" wurde am 10.08.2020 in der Kategorie Fahrbericht von Rudolf Bögel mit den Stichwörtern Kompakter, Fahrbericht, Fahrbericht, Neuheit, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

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