Automobilindustrie

mid-Interview: So kommt Renault durch die Krise

27. Juli 2020, 08:54 Uhr
Rudolf Huber
Das erste Halbjahr 2020 wird wohl kein deutscher Manager jemals vergessen. Zu drastisch waren die Folgen der Corona-Krise, zu massiv die Einbrüche durch den wochenlangen Lockdown. Gerade in der Autoindustrie waren Wochen voller Unsicherheit zu überstehen. Wie war das in der Rückschau, gab es auch positive Erkenntnisse - und wie geht es weiter mit der Branche? Der Motor-Informations-Dienst (mid) sprach mit Uwe Hochgeschurtz, dem Vorstands-Vorsitzenden der Renault Deutschland AG.


Das erste Halbjahr 2020 wird wohl kein deutscher Manager jemals vergessen. Zu drastisch waren die Folgen der Corona-Krise, zu massiv die Einbrüche durch den wochenlangen Lockdown. Gerade in der Autoindustrie waren Wochen voller Unsicherheit zu überstehen. Wie war das in der Rückschau, gab es auch positive Erkenntnisse - und wie geht es weiter mit der Branche? Der Motor-Informations-Dienst (mid) sprach mit Uwe Hochgeschurtz, dem Vorstands-Vorsitzenden der Renault Deutschland AG.

mid: Herr Hochgeschurtz, was hat Ihnen an Ihrer Arbeit im ersten Halbjahr 2020 die meiste Freude bereitet?

Uwe Hochgeschurtz: Das erste Halbjahr war natürlich zunächst einmal stark durch die Covid-19-Pandemie und die daraus resultierenden riesigen Herausforderungen geprägt. Dennoch gab es auch in dieser schwierigen Zeit positive Dinge. Besonders gefreut hat mich, dass unsere Elektroautos kräftig zugelegt haben. Während der Automobilmarkt in Deutschland stark zurückgegangen ist, konnten wir mit dem Zoe um 27 Prozent wachsen und so viele Zoe verkaufen wie noch nie in einem ersten Halbjahr. Darüber hinaus fand ich beeindruckend, wie problemlos und schnell wir unsere Arbeit digitaler gestalten konnten. Wir haben die meisten Aufgaben von jetzt auf gleich ohne technische Probleme auf Homeoffice umgestellt. Unsere Mannschaft hat in schwierigen Zeiten einen tollen Job gemacht.

mid: Die Zeiten sind hart für die Automobilindustrie. Wie haben sich die Marken Renault und Dacia in Deutschland Ihrer Einschätzung nach bisher in der aktuellen Krise geschlagen?

Uwe Hochgeschurtz: Wir haben natürlich auch unter dem Einbruch des Marktes gelitten und im ersten Halbjahr weniger Autos verkauft als im Vorjahreszeitraum. Dabei haben wir unsere gute Position mit etwa sechs Prozent Marktanteil behaupten können. Seit einigen Wochen gibt es eine deutliche Belebung der Nachfrage. Die Autohäuser werden wieder voller, die Auftragseingänge ziehen deutlich an. Wir haben beispielsweise beim elektrischen Zoe im Juni mit fast 2.000 Bestellungen so viele Kaufanträge erhalten wie noch nie. Und im Juli laufen wir auf einen neuen Rekord hinaus.

mid: Welche Entwicklungen der letzten Monate schätzen Sie als besonders positiv ein?

Uwe Hochgeschurtz: Ganz klar die Entwicklung bei den Elektroautos. Der Markt ist kräftig gewachsen. Dazu trägt natürlich auch die erhöhte Förderprämie bei. Bei Renault gibt es sogar einen Elektrobonus von insgesamt 10.000 Euro.

mid: Wie sieht Ihr Szenario für Renault und Dacia fürs zweite Halbjahr 2020 aus?

Uwe Hochgeschurtz: Ich bin sicher, dass beide Marken im zweiten Halbjahr kräftig wachsen werden, auch wenn wir voraussichtlich das erste Halbjahr nicht kompensieren können. Natürlich vorausgesetzt, dass die Corona-Situation in Deutschland weiter so stabil bleibt und es keinen neuen Lockdown gibt. Bei Renault gehen die neuen E-TECH Modelle, also der Clio Hybrid, der Captur Plug-in-Hybrid und der Megane Plug-in-Hybrid, an den Start. Ende des Jahres führen wir den rein elektrischen Twingo Z.E. ein. Und bei Dacia haben wir eine nach wie vor attraktive Modellpalette und zudem einige Neuheiten in der Pipeline wie zum Beispiel im nächsten Jahr den ersten rein elektrischen Dacia. Der Erfolg der letzten Jahre wie auch die aktuelle Situation des Unternehmens bilden eine sehr gute Basis für eine weiterhin positive Entwicklung.

mid: Im Bereich Elektromobilität ist Renault seit Jahren Vorreiter. Wie geht es in den nächsten Jahren weiter?

Uwe Hochgeschurtz: Wir werden hier weiter Tempo machen. Bis 2022 werden wir die Palette auf acht rein elektrische Modelle und zwölf elektrifizierte Modelle erweitern.

mid: Und wie sieht es angesichts eines deutlich erkennbaren Nachfragezuwachses mit der Verfügbarkeit der Renault-Stromer aus?

Uwe Hochgeschurtz: Wir sind gut vorbereitet und werden liefern können. Bei unserem Zoe sind wir bestens mit Ware bestückt. Und die ersten hybridisierten Modelle sind schon im Handel.

mid: Die Verbrenner haben ja noch längst nicht ausgedient. Wie sieht es in diesem Bereich bei Renault aus?

Uwe Hochgeschurtz: Die Renault Motoren sind heute so sauber wie noch nie, wir haben in den letzten Jahren Verbräuche und Emissionen deutlich reduziert. Nach den aktuellen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes verzeichnet Renault im ersten Halbjahr mit 116,6 Gramm pro Kilometer sogar den niedrigsten CO2-Ausstoß aller Hersteller. Das lag auch daran, dass mehr als jeder siebte neu zugelassene Renault ein Elektroauto war.

Der Artikel "mid-Interview: So kommt Renault durch die Krise" wurde am 27.07.2020 in der Kategorie New Mobility von Rudolf Huber mit den Stichwörtern Automobilindustrie, Autohandel, Interview, Corona-Krise, Elektromobilität, New Mobility, veröffentlicht.

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