Fahrbericht

Maserati Levante SQ4: Blickfang und Ohrenschmaus

18. Juni 2019, 11:22 Uhr
Ralf Schütze 9
9Maserati Levante SQ4: Blickfang und Ohrenschmaus
mid München - Ein Gesicht in der Menge der hochbeinigen Allrounder ist der 430 PS starke Maserati Levante SQ4. Maserati
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Startknopf drücken, lauschen, staunen: Schon beim Anlassen verzückt der Klang des V6-Motors im Maserati Levante SQ4. Der italienische Sport-Crossover Maserati Levante SQ4 verkörpert mit seinem 430 PS starken Antrieb und elegantem Design das SUV-Fahren in seiner emotionalsten Form.


Startknopf drücken, lauschen, staunen: Schon beim Anlassen verzückt der Klang des V6-Motors im Maserati Levante SQ4. Der italienische Sport-Crossover Maserati Levante SQ4 verkörpert mit seinem 430 PS starken Antrieb und elegantem Design das SUV-Fahren in seiner emotionalsten Form. Im Vergleich zu ihm wirken die meisten Rivalen nicht mehr als brav und bieder. Doch ist diese emotionale Art der Vielseitigkeit mindestens 93.000 Euro wert?

Der Maserati Levante SQ4 legt überall einen starken Auftritt hin, ist stets ein Blickfang und ein Ohrenschmaus. Denn um die klangvolle Power des V6-Benziners unter der langen Haube herum herrscht Eleganz und Sportlichkeit. Extravaganter kann ein SUV kaum sein.

Und auf angenehme Art ist der vielseitige Italiener sogar für echte Überraschungen gut. Denn er hat durchaus seine praktischen Vorzüge: Immerhin 2,7 Tonnen Anhängelast machen den vermeintlich reinen Schönling zum praktischen Zugfahrzeug. Sehr geräumig ist er darüber hinaus, und zwar vorne wie hinten. Und das trotz der coupéhaft und elegant nach hinten abfallenden Dachlinie.

Die muskulös geschwungenen vorderen Kotflügel mit den Maserati-typischen drei Lufteinlässen ändern daran ohnehin nichts. Auch der Kofferraum ist mit 580 bis maximal 1.625 Liter Volumen groß genug. Nur ein Detail stört hier: Die Taste fürs elektrische Schließen der Klappe ist im Kofferraum links angebracht, statt an der Klappe selbst. Da heißt es, schnell zurückzutreten, wenn sich der Laderaum schließt.

Wie es sich für einen Italiener gehört, hat sich auch der Levante im Modelljahr 2019 frisch herausgeputzt. Zu den Innovationen gehören neue Alufelgen, Detail-Veränderungen im Interieur sowie neue Frontschürzen. Schnell ist klar: Dynamische Eleganz soll der Levante auch als 430 PS starkes Topmodell SQ4 ausstrahlen, muskelprotzende Sportlichkeit soll nicht sein Ding sein. Zum optischen Flair der bella macchina passt die kultivierte Achtgang-Automatik von ZF. Sie wechselt derart gekonnt und geschmeidig die Gangstufen, dass ein Griff zu den feststehenden Schaltpaddeln am Lenkrad zwar möglich, aber nie nötig erscheint.

Stattdessen konzentrieren sich alle Sinne auf die Fahrdynamik und ganz besonders auf den betörenden Sound, den der V6-Biturbo-Benziner erzeugt. 5,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h sind sehr sportlich, 264 km/h Spitze absolut ausreichend. Doch am meisten beeindruckt das Italo-SUV akustisch, denn spätestens mit gedrückter Sport-Taste wirkt sein Motorgeräusch unwiderstehlich.

Sowohl beim Hochdrehen, als auch im umgekehrten Modus klingt der V6 wie ein grummelndes bis grölendes Raubtier. Dabei kann der Levante auch sehr leise sein: Segelt man auf der Autobahn konstant schnell dahin, dann fühlen sich 200 km/h in etwa an wie 120 km/h. Der Blick auf den Tacho oder das Headup-Display ist deshalb sehr wichtig in diesem auf Wunsch leisen und sanften Geschoss.

Manche Kleinigkeiten stören am Maserati Levante, oder zumindest sorgen sie für etwas Verwirrung. Dazu gehört, dass das Scrollen durchs zentrale Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser nicht ausgereift erscheint: Anzeigen sind etwas zu kurz sichtbar. Ebenso ein überladener linker Lenkradhebel. Oder man wundert sich, warum einerseits enorm viel Platz im Interieur des Sport-SUV herrscht, andererseits Innenspiegel und Fahrersitz nicht auf sehr große Menschen einstellbar sind. Dabei könnten zwei Sitzriesen bequem hintereinander im Levante Langstrecke fahren.

Der angegebene Normverbrauch von 11,8 Liter Benzin je 100 Kilometer klingt exorbitant, lässt sich bei betont gelassener Fahrweise aber auf bis zu 5,8 l/100 km drücken. Dann ist allerdings nur entspanntes Dahingleiten angesagt. Wer auf typische Weise die 430 PS nutzt, wird in der Praxis ungefähr beim Normverbrauch landen. So gesehen ist diese Herstellerangabe im Falle des Levante zwar recht hoch, aber wenigstens ehrlich und realistisch.

Versöhnt wird man für all die kleinen Ausrutscher des Maserati-SUV durch sein einmaliges Flair. Beispiel: Die elegante, analoge Uhr mitten auf dem Armaturenbrett. Sie steht symbolisch für Tradition und Eleganz, die man mit der Marke Maserati seit jeher verbindet, und die man zusammen mit der unaufdringlichen, aber jederzeit abrufbaren Dynamik sehr zu schätzen lernt - auch, wenn dies durchaus seinen stolzen Preis hat.

Ralf Schütze / mid

Technische Daten Maserati Levante SQ4 (Modelljahr 2019):
Fünftüriges, fünfsitziges SUV, Länge/Breite(m. Spiegel)/Höhe/Radstand in mm: 5.005/2.158/1.693/2.525, Leergewicht: 2.109 kg, zul. Gesamtgewicht: 2.780 kg, max. Zuladung: 671 kg, max. Anhängelast gebremst 2.700 kg, ungebremst 750 kg, Kofferraumvolumen: 580-1.625 l, Tankinhalt: 80 l, Preis: ab 93.000 Euro.

Motor: V6-Biturbo-Benziner, Hubraum: 2.979 ccm, Leistung: 316 kW/430 PS bei 5.000 U/min, max. Drehmoment: 580 Nm bei 2.000-4750 U/min, Achtgang-Automatik, 0 - 100 km/h: 5,2 s, Höchstgeschwindigkeit: 264 km/h, Vorderradantrieb, Normverbrauch: 11,8 l pro 100 km, CO2-emission: 273 g/km, Schadstoffklasse: Euro 6d-Temp.

Der Artikel "Maserati Levante SQ4: Blickfang und Ohrenschmaus" wurde am 18.06.2019 in der Kategorie Fahrbericht von Ralf Schütze mit den Stichwörtern SUV, Fahrbericht, Luxus, Lifestyle, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

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