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Sicherheit geht vor!

12. Januar 2021
Redaktion
Sicherheit geht vor!
@ PublicDomainPictures (CC0-Lizenz)/ pixabay.com
Die Sicherheit im Fahrzeug steht bei der Konstruktion neuer Modelle immer mehr im Fokus. Die modernen Fahrzeuge verfügen über zahlreiche Features, die das Risiko eines Unfalls minimieren. Dazu gehören Airbags ebenfalls wie das inzwischen standardmäßig vorhandene Antiblockiersystem.

Die Entwickler innovativer Sicherheitssysteme legen aber nicht nur Wert auf die Unfallverhütung, sondern machen sich auch Gedanken um das, was nach einem Unglück passiert. Das betrifft vor allem die fein auf das jeweilige Fahrzeug abgestimmten Rettungsmaßnahmen.

Revolution des Rettungssystems

Auf dem Sicherheitssektor hat sich vieles getan. So tragen heutzutage zum Beispiel vernetzte Assistenzsysteme in modernen Autos zur Fahrsicherheit bei. Immer neue Technologien erfordern aber auch eine Anpassung der Rettungsmechanismen im Falle eines Falles. Das ist gar nicht so einfach, denn rettungstechnisch bestehen zwischen einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor und einem E-Modell signifikante Unterschiede. Verletzte aus einem Elektrobus zu bergen, ist nicht so simpel, wie man sich das vielleicht vorstellt. Schließlich besteht bei unsachgemäßem Vorgehen die Gefahr eines lebensgefährlichen Stromschlags. Deshalb ist eine sorgfältige Schulung der Rettungsleute sehr wichtig. Gerade moderne Elektrobusse erfordern fundierte Fachkenntnisse bei der Bergung verletzter Personen und des Fahrzeugs selbst.

Praktische Erfahrungen können Leben retten

Wie umfassend sich die Mobilitätsbranche auf etwaige Unfälle vorbereitet, zeigen diverse Übungen. In einem spektakulären Schneidversuch trainierten Feuerwehrleute an einem MAN Elektrobus und erstellten dabei einen Rettungsleitfaden. Es ging in erster Linie darum, die Sicherheit der Fahrgäste und Rettungskräfte im Falle einer Havarie zu optimieren. Sollte ein Unfall passieren, dann brauchen die Feuerwehrleute eine detaillierte Anleitung, um sich nicht selbst und das Leben der Passagiere zu gefährden.

Zu diesem Zweck traf man sich in einer 30 Meter großen Maschinenhalle in München-Freimann. Das Versuchsobjekt: ein 18 Meter langer weißer Gelenkbus von MAN. Die Firma MAN war es auch, die diesen so wichtigen Versuch in Auftrag gab. Die Feuerwehrleute machten sich mithilfe der Rettungsschere und weiteren Werkzeugen an dem riesigen Bus zu schaffen. Sie durchschnitten dickes Stahlrohr und lieferten der Firma 2W Technische Informations GmbH & Co. KG wertvolle Informationen. Das Unternehmen arbeitete im Auftrag der Firma MAN. Ziel war das Erstellen einer Instruktionsvorlage für Feuerwehrleute auf der gesamten Welt. Die mithilfe des Versuchs erstellten Leitfäden sind bei der Zulassung von Neufahrzeugen, aber auch bei Ausschreibungen zwecks eines Nutzfahrzeugkaufs durch die Gemeinde unbedingt erforderlich.

Mit der Kamera hielt der Redakteur jeden einzelnen Schritt fest, während die Feuerwehrleute unbeirrt den großen Bus auseinandernahmen. Mit dem Rettungsspreizer pressten sie die Türen auseinander. Mit einer Druckkraft von 105 Tonnen zwickte die große Rettungsschere das Scharnier ab und machte somit den Weg ins Innere des Fahrzeugs frei. Mit ihrem Versuch wollten die Feuerwehrleute feststellen, wie man in einer Unfall- und Gefahrensituation unbeschadet und sicher in einen E-Bus reinkommt, denn das ist nicht ganz risikofrei.

Ein kompliziertes und auch gefährliches Leitungssystem

Das Problem bei einem Elektrobus ist das komplexe Leitungssystem im Innern des Fahrzeugs. Damit verbunden sind hohe Risiken. Deshalb ist es vorerst wichtig, dass die Rettungsleute den Antrieb deaktivieren. Dadurch wird sichergestellt, dass in dem Bus kein Strom mehr fließt. Die Zündung ist aus, die Feststellbremse eingestellt. Eine Messstelle im Heck sorgt für zusätzliche Sicherheit im und am Bus. Die Feuerwehr machte sich mit dem modernsten Gerät an dem Bus zu schaffen.

Neben dem Spreizer und der Rettungsschere gehörten ein Rettungszylinder, eine Glas- und Säbelsäge, ein Sicherheits-Federkörner und das Halligan Tool zur technischen Ausstattung der Feuerwehr. Beim Halligan Tool handelt es sich um so etwas ähnliches wie einen Eispickel mit Brecheisen. Trotz dieser exzellenten Ausrüstung ist Vorsicht angesagt. Die Hochvoltleitungen sind extrem gefährlich. Zu jedem Bus gehört eine Rettungskarte. Auf dieser sind grellorangene Linien zu sehen, die vorgeben, wo sich die gefährlichen Leitungen befinden. Hier dürfen die Feuerwehrleute auf gar keinen Fall schneiden.

Die betreffenden Leitungen befinden sich am Dach. Dort sind bei den Bussen verschiedene Komponenten, unter anderem auch die Hochvoltbatterien, installiert. Vorsicht geboten ist auch im Antriebsbereich unter dem Boden und in den Holmen. Zudem gibt es zur Heizung gehörende Heißwasserleitungen, die das Risiko einer Verbrühung bergen. Zu schonen sind auf jeden Fall die Luftleitungen der Bremsen, denn diese sind wichtig, um den Bus überhaupt noch bewegen zu können. Die Luftleitungen schneiden die Feuerwehrleute nur im Notfall, zum Beispiel, wenn es ein Menschenleben zu retten gibt. Ein hohes Risiko bergen die Stromspeicher, die unter Umständen explodieren. Die am Dach des Elektrobusses befindlichen Akkus hatte man vor dem Verbringen in die Halle bereits entfernt.

Im Ernstfall stehen Elektrospezialisten den Feuerwehrleuten zur Seite. Diese beraten die Rettungskräfte direkt am Unfallort. Bei Brandgefahr arbeiten alle zusammen, die Feuerwehr ebenso wie die Elektriker und das Bergungsunternehmen. Die Batterie wird zu einer Quarantänefläche gebracht. MAN kümmert sich anschließend um die fachgerechte Entsorgung des heiklen Teils.

Der Artikel "Sicherheit geht vor!" wurde am 12.01.2021 in der Kategorie Ratgeber von Redaktion mit den Stichwörtern Sicherheit geht vor!, Tipp & Infos, veröffentlicht.

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