Eura Mobil Profilia RS 695 HB

Praxistest Eura Mobil Profilia RS 695: Reisemobil mit Himmelbett

9. März 2019, 10:20 Uhr
Michael Kirchberger, cen/ampnet 12
12Praxistest Eura Mobil Profilia RS 695: Reisemobil mit Himmelbett
Eura Mobil Profilia RS 695 HB. Foto: Auto-Medienportal.Net / Michael Kirchberger
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Reisemobile mit Alkoven haben den Rückwärtsgang eingelegt.

Reisemobile mit Alkoven haben den Rückwärtsgang eingelegt. Die meist klobige Form gefällt nicht jedem Camper, zumal der Luftwiderstand den Verbrauch nach oben treibt. Teilintegrierte Mobile haben ihnen mit ihren schlankeren Formen längst den Rang abgelaufen. Familientauglich waren sie früher jedoch nicht, bis findige Köpfe das Hubbett neu erfanden, das die beiden verlorengegangenen Schlafplätze über dem Fahrerhaus ersetzt. Eura Mobil hat in der Profilia-Baureihe diese Grundrisse mit dem Kürzel RS gekennzeichnet, die Version 695 HB (HB steht für Heckbett) kostet auf Basis des 148 PS (109 kW) starken Fiat Ducato 62 980 Euro.

Tagsüber und während der Fahrt ist die 193 mal 140 Zentimeter große Doppelliege unter dem Dach des sachlich, aber nicht kühl gestalten Wohnraums arretiert. Ein solides Gurtschloss sichert sie über der Sitzgruppe in der Mitte des 2,32 Meter breiten Eura. Zum Schlafen wird sie heruntergezogen, wobei einige Kraftanstrengung nötig ist, weil der Federmechanismus eher stramm gehalten ist. Ein großes Fenster im Cappuccino, der Haube über dem Fahrerhaus, sorgt für gute Lichtverhältnisse im Oberstübchen, kostet aber satte 1190 Euro Aufpreis. Dafür ist es - wie alle anderen Fenster - ausstellbar und kann mit einem Kassettenrollo verdunkelt werden.

Glatte Flächen und das helle Holzdekor Lassen das Raumangebot optisch größer erscheinen als es ist. Die Durchgänge sind großzügig gestaltet, zwei Bewohner kommen ohne anzuecken aneinander vorbei. An die L-förmige Mittelsitzgruppe mit einer zusätzlichen Sitzbank gegenüber und dem auch hier nicht klapperfreien Tisch schließt die Küche an. Sie ist nach gängigem Standard ausgerüstet, ein dreiflammiger Gaskocher, Edelstahlspüle und rollengelagerte Auszügen gehören dazu. Zusammen mit den Oberschränken gibt es hier reichlich Platz für die Kochutensilien, Geschirr und Vorräte. Auch an ein Fach für Öl- und Essigflasche, die besser stehend transportiert werden, ist gedacht. Auf der gegenüberliegenden Seite findet sich der stolze 190 Liter Volumen bietende Kühlschrank, zehn Liter passen ins Drei-Sterne-Gefrierfach.

Clever ist die Kooperation von Kleiderschrank- und Waschraumtür. Zusammen dienen sie als Raumteiler und verdunkeln das Schlafzimmer, machen den Platz dazwischen zum Ankleidestübchen. Die Nasszelle selber gewinnt mit einem Schwenkwaschbecken an Raum. Das steigert den Duschkomfort und erleichtert die Nutzung der Kassetten-Toilette. Hilfreich sind auch die doppelten Abflüsse des Kunststoffbodens, auch wenn das Eura-Mobil nicht völlig in der Waage steht, fließt das Wasser ab.

Die Platzverhältnisse an Bord verbessert der Verzicht auf Einzelbetten im Heck. Die werden aufgrund des höheren Einstiegskomfort gerade von nicht mehr ganz jungen Campern bevorzugt, Eura hat den Zugang zum 190 mal 150 Zentimeter großen Querbett jedoch komfortabel für alle Altersgruppen gestaltet. Dank einer rechts positionierten Treppe und einem schmalen Gang an der Wand lässt sich auch die hintere Schlafstätte belegen, ohne dass der vorne Schlafende gestört würde. Die angenehm straffe Matratze garantiert Schlafkomfort.

Die übliche Heckgarage findet sich unter dem Bett. Ihre 80 mal 115 Zentimeter große Tür reicht zum Verladen großer Fahrräder nur knapp, Lenker und Sattel müssen in die niedrigste Position verstellt oder demontiert werden. Andere Ausrüstungsgegenstände, Grill, Campingmöbel oder Schlauchboot, finden jedoch mühelos Platz und lassen sich mit Zurrösen angemessen sichern.

2970 Kilogramm wiegt der Profilia RS 695 HB mit Serienausstattung. Es locken jedoch viele Extras wie Markise, Satellitenschüssel, Teppichboden und vieles mehr. Das von uns gefahrene und bewohnte Reisemobil kam auf ein Leergewicht von 3157 Kilogramm. Da ist es mit der Zuladung bei 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht nicht mehr weit her, die Auflastung auf 4,4 Tonnen kostet 1690 Euro. Dann kann der Frischwassertank durchaus mal mit der Maximalmenge von 140 Liter gefüllt sein, der Abwassertank fasst 100 Liter. Die Truma-Kombiheizung wärmt den Innenraum und temperiert das Duschwasser, sie bezieht ihre Energie ebenso wie Gasherd und Kühlschrank aus zwei Elf-Kilogramm-Gasflaschen.

Der ProRS 695 HB taugt als Familienmobil oder für zwei Camper, denen Übernachtungsgäste willkommen sind. Das Platzangebot ist üppig, Stauraum ist dank Heckgarage und Doppelboden ebenso im Überfluss vorhanden. Der Fiat-Diesel mit 148 PS reicht zum beschwingten Vorankommen, der Basismotor mit nur 130 PS könnte aufgrund des niedrigeren Drehmoments gelegentlich überfordert sein. 12,8 Liter Diesel verlangte die Maschine im Durchschnitt, das ist dem Gewicht und nicht zuletzt der stattlichen Höhe von knapp 2,9 Meter geschuldet, beides treibt den Verbrauch nach oben.

Die Verarbeitung ist ordentlich, hier hat Eura Mobil in den letzten Jahren erheblich nachgelegt. Dennoch klappern auch in diesem Mobil die Klappen und Schranktüren während der Fahrt, was fast als branchenüblich gelten muss. Es ist völlig unverständlich, warum Hersteller selbst bei manchem Premiumfahrzeug dieses Problem nicht zu beheben verstehen. Dies und die mehr als umfangreiche Sonderausstattungsliste, die den Basispreis selbst bei sehr zurückhaltender Auswahl kräftig nach oben treibt, trübt das sonst durchaus positive Gesamtbild des Profilia RS mit vorzüglichen Matratzen, großem Sanitär- und Ankleidebereich, bequemem Betteinstieg hinten, viel Stauraum und durchdachter Kücheneinteilung. Minus: Hoher Verbrauch, teure Extras, klappernde Klappen und Türen. (ampnet/mk)

Technische Daten Eura Mobil Profilia RS 695 HB

Basisfahrzeug: Fiat Ducato 2,3 Mjet 150
Motor: 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel
Leistung: 109 kW (148 PS)
Verbrauch: 12,8 Liter Diesel/100 km
Länge: 6,99 Meter
Breite: 2,32 Meter
Höhe: 2,89 Meter
Radstand: 4,04 Meter
Leergewicht: 3152 kg
Gesamtmasse: 4400 kg
Zuladung: 1248 kg
Schlaf-/Sitzplätze: 4/4
Frisch-/Abwasser: 140/100 Liter
Preis: 62 980 Euro (Testwagen 77 670)

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