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Ein Benz für alle Fälle

22. Oktober 2017, 10:01 Uhr
Mirko Stepan 5
5Ein Benz für alle Fälle
mid Santiago - Die neue Mercedes X-Klasse soll sowohl als Nutzfahrzeug als auch als Lifestyle-Pick-Up Kunden gewinnen. Andreas Lindlahr/Daimler
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Autos sollen heute nicht nur praktisch sein, sondern cool. Mercedes treibt das mit der neuen X-Klasse auf die Spitze. Denn der allererste Pick-Up mit Stern soll gleichermaßen Lastesel und Lifestyle-Laster sein. Gelingt dieser Mix?

Autos sollen heute nicht nur praktisch sein, sondern cool. Mercedes treibt das mit der neuen X-Klasse auf die Spitze. Denn der allererste Pick-Up mit Stern soll gleichermaßen Lastesel und Lifestyle-Laster sein. Gelingt dieser Mix?

Wer seine Kindheit in den 1980ern verbracht hat, kann sich an zig Filme und TV-Serien erinnern, in denen Autos mindestens eine Nebenrolle gespielt haben. K.I.T.T., der sprechende Pontiac Firebird, Doc Browns DeLorean, Magnums Ferrari - allesamt schnittige Schlitten, die in Kinderköpfen Bilder erzeugten, wie coole Autos auszusehen haben. Und dann war doch noch ein Auto, das brachial in die Welt der vierrädrigen Stars rauschte: Der GMC Sierra, mit dem Stuntman und Privatdetektiv Colt Seavers auf Verbrecherjagd war. Ein richtig lässiges Teil, dieser Pick-Up.

Drei Jahrzehnte später hat also auch Mercedes ein Auto dieses Typs im Programm. 5,34 Meter lang, 1,92 Meter breit, 1,82 hoch, 2,2 Tonnen schwer. Die 1,59 Meter lange und 1,56 Meter breite Ladefläche und die Zuladung von etwas mehr als einer Tonne zeigen: Der Schwabe mit japanischen Wurzeln - unter der Hülle steckt die Plattform des Nissan Navara - ist ein echter Schaffer. Gut ein Viertel der Fahrzeuge wird deshalb in Deutschland schätzungsweise auch in der Basisversion "Pure" bestellt werden, um das Nutzfahrzeug als solches einzusetzen, so die Prognose von Mercedes.

Den Rest der Kunden dürfte neben den praktischen Aspekten vor allem der Coolness-Faktor magisch anziehen. Darauf ist die X-Klasse ausgerichtet, die beiden Ausstattungslinien "Progressive" und "Power" sind auf schick getrimmt. Und man habe viel Geld und Zeit investiert, um aus der sehr guten Nissan-Basis einen noch besseren Mercedes zu machen. Nicht nur das Fahrwerk haben die Daimler-Ingenieure dazu überarbeitet. Vor allem das Design zeigt: hier kommt ein echter Mercedes.

Auf den ersten Blick erinnert der Pickup an das SUV GLE. Das liegt vor allem am Kühlergrill mit den beiden markanten Querstreben, die alle SUV mit Stern kennzeichnen. Bei genauerer Betrachtung fällt allerdings auf, dass ein typisches Stilelement fehlt: die Kante unterhalb der Türgriffe. Darauf habe man verzichtet, um eine monolithische Anmutung zu erhalten, erklärt Kai Sieber, Chefdesigner der Van-Sparte, der auch die X-Klasse verantwortet hat.

Die klare Designsprache setzt sich im Innenraum fort, der zwar nicht so edel ist, wie man es bei Mercedes kennt, aber einen guten Kompromiss zwischen robust und schick aufweist. Blickfang sind das eloxierte Metallteil in der Mittelkonsole und die Fläche neben dem Lenkrad vor dem Beifahrersitz, für die Mercedes Zierelemente in Alu- oder auch Holzoptik anbietet und so dem Innenraum ein markentypisches Aussehen verleiht.

Dass das Design der X-Klasse stimmt, und diese Erkenntnis kein rein subjektiver Eindruck ist, zeigt sich bei den Testfahrten in Santiago de Chile und Umgebung. In Südamerika sind Pick-Ups traditionell weit verbreitet und sehr beliebt, gefühlt hat in Chile jedes vierte Auto eine Pritsche. Keine Besonderheit also, so ein Pick Up. Und nichts, was im Straßenbild auffällt. Doch wenn die X-Klasse vorbeifährt, drehen sich die Köpfe, Passanten zücken ihre Smartphones für einen Schnappschuss, Straßenarbeiter, die eine marode Bergstraße in Schuss bringen, recken die Daumen. Die X-Klasse gefällt, und zwar alters-, geschlechts- und berufsübergreifend.

Aber was nützt ein schickes Äußeres, wenn die inneren Werte nicht passen? Bei der Mercedes X-Klasse passen sie. Das Auto überzeugt durch ein extrem auf Komfort ausgelegtes Fahrwerk. Mit Schlaglöchern übersäte chilenische Landstraßen sind daher genauso wenig ein Problem wie etwas zu schnell überquerte Geschwindigkeits-Begrenzer. Der Pick-Up schluckt alles weg, was unter die Räder kommt. Und auch im Gelände erweist sich Mercedes' neuer Stern als vielseitiger Allrounder. Dank zuschaltbarem Allrad mit Low-Range-Untersetzung und optionaler Differenzial-Sperre an der Hinterachse kommt der Koloss problemlos über Stock und Stein. Dass in Chile irgendwann die asphaltierte Straße zu Ende ist und die Strecke über eine Schotterpiste weiterführt, ist in der X-Klasse keine Herausforderung. Auch Ausweichmanöver bei 60 km/h meistert der Pick-Up, ohne aus der Spur zu geraten und zu schlingern. Das ist richtig gut. Ein Lob gibt's auch für die Verarbeitung. Egal, wie hart oder uneben der Untergrund ist: im Innenraum knarzt und klappert nichts, das ist auf SUV-Niveau.

Und auch der Vierzylinder 250 d mit 190 PS und 450 Newtonmeter Drehmoment ist allen Situationen gewachsen, lediglich bei der Beschleunigung aus dem Stand gönnt er sich eine kurze Atempause, bevor der per 7-Gang-Automatik geschaltete Pick-Up in Tritt kommt. Dennoch ist das Auto agil genug, um im chaotischen chilenischen Verkehr mitzuschwimmen. Als Einstiegsmodell bietet Mercedes den 220 d ab 37.294 Euro an, mit 120 kW/163 PS. Und ein Schmankerl kommt Mitte 2018: ein V6-Diesel mit 190 kW/258 PS, der - wie eine erste Mitfahrt gezeigt hat - richtig viel Dampf hat und den Pick-Up zur Rennsemmel aufwertet. So wird der Spaß-Faktor noch einmal beträchtlich erhöht.

Denn die ab November erhältliche X-Klasse ist viel mehr als ein Nutzfahrzeug: Sie - zumindest in den beiden gehobenen Ausstattungen - ist ein Lifestyle-Pick-Up, der so manchen SUV ablösen könnte. Der Coolness-Faktor ist nicht zu unterschätzen. Das wusste schon Colt Seavers.

Mirko Stepan/mid

Technische Daten Mercedes-Benz X-Klasse 250 d 4Matic:

Viertüriger, fünfsitziger Pick-up, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 5,34/1,92/1,82/3,15, Leergewicht: 2.234 kg, Zuladung: 1.016 kg, Ladeflächenlänge: 1,58 m, Ladeflächenbreite: 1,56 m, Tankinhalt: 73 l, max. Anhängelast: 3.500 kg.

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum: 2.298 ccm, Leistung: 140 kW/190 PS bei 3.750 U/min, max. Drehmoment: 450 Nm bei 1.500 bis 2.500 U/min, Allradantrieb, Beschleunigung 0 - 100 km/h: 11,8 s, Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h, Normverbrauch: 7,9 Liter Diesel je 100 km, CO2-Emissionen: 207 g/km

Der Artikel "Ein Benz für alle Fälle" wurde am 22.10.2017 in der Kategorie Fahrbericht von Mirko Stepan mit den Stichwörtern Auto, Pick-up, Nutzfahrzeuge, SUV, Premiumfahrzeug, Neuheit, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

Auto, Pick-up, Nutzfahrzeuge, SUV, Premiumfahrzeug, Neuheit

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