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Test: Urtopia Fusion - Tiefeinsteiger mit Schick

25. Juni 2024, 11:07 Uhr
Mario Hommen/SP-X 10
10Test: Urtopia Fusion - Tiefeinsteiger mit Schick
Mit dem Tiefeinsteiger-Pedelec Fusion bietet Urtopia sein mittlerweile drittes E-Bike-Modell in Deutschland an Foto: SPX_Mario Hommen
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Ein stylisches Hollandrad ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Der chinesische Hersteller Urtopia kommt mit seinem dritten Modell dieser Idee recht nahe. Allerdings bleibt noch Luft nach oben.

Nach Carbon und Chord hat Pedelec-Hersteller Urtopia mit dem Fusion sein drittes Modell auf den Markt gebracht. Es handelt sich um ein smartes und komfortables Alltagsbike mit Tiefeinsteigerrahmen und einigen erfreulich hochwertigen Komponenten. Mit rund 4.000 Euro ist es deshalb auch das mit Abstand teuerste Bike der Chinesen, das, wie die anderen Urtopia-Modelle, optisch ein wenig aus dem Rahmen fällt.

Da Urtopia seine Räder vor allem online vertreibt, wurde auch unser Test-Fusion teilmontiert im großen Karton angeliefert. Pedale, Vorderrad, Schutzbleche müssen also vom Kunden selbst montiert werden. Wer den Zusammenbau allein macht, wird ein Stündchen investieren. Zu zweit geht es etwas einfacher und schneller mit der Montage. Die ist zudem fast selbsterklärend. Ein kleiner Blick in die verständliche Anleitung schadet aber nicht. Schon beim Aufbau waren wir über die Qualität positiv überrascht. Alles passte perfekt ineinander, die Verarbeitungsqualität hinterließ einen rundum guten Eindruck. Zu den Highlights gehören die in Härte verstellbare Suntour-Luftfedergabel mit 10 Zentimeter Federweg, voluminöse Big-Apple-Reifen von Schwalbe und die hydraulischen Tektro-Bremsen HD-M280. Bei der Qualität von Pedale, Lenkergriffen und Sattel - also den Kontaktstellen - könnte Urtopia noch ein Schippchen drauflegen.

Wie eingangs angedeutet, fällt das Fusion auf. Im Zentrum steht hier der Rahmen aus Carbon. Den gibt es nur im Tiefeinsteigerformat, das seinen Fahrer zumindest gefühlt um 20 Jahre altern lässt. Zumindest dies dürfte ein Grund sein, warum jüngere Männer diesen eigentlich praktischen Fahrradtyp meiden. Doch dank streng geometrischer Flächen und greller Dreifarblackierung in Schwarz, Gelb und Orange wirkt das Fusion erfreulich modisch. Nach Einspur-Stromer für Silver Surfer sieht das nicht unbedingt aus.

Optisch recht unscheinbar integriert ist ein schlanker Bafang-Mittelmotor, der vom Namen her nach Billigalternative zum beliebten Boschsystem klingen mag, sich aber nicht wie billiger Abklatsch anfühlt. Der Mittelmotor schmiegt sich, ebenso wie der 530-Wh-Akku, schlank in den Rahmen. Der in unserem Testbike steckende Bafang M510 beeindruckte darüber hinaus mit der Spritzigkeit von stolzen 95 Newtonmeter Drehmoment. Zumal die Cues-Kettenschaltung mit zehn Gängen für jede Situation die richtige Übersetzung parat hält. Selbst in einer hügeligen Stadt wie Stuttgart dürfte man mit diesem Gipfelstürmer gut zurechtkommen.

Doch als Kunde wird man sich mit weniger zufrieden geben müssen. Zumindest laut Urtopia-Webseite gibt es nur 80 Nm und also demnach wohl den schwächeren Bafang M410. Unser Testrad war hingegen mit dem bulligeren Schwestermodell bestückt, den Urtopia in eine kleine Flotte von Testrädern eingebaut hat. Das klingt nach Mogelpackung, weshalb wir bei Urtopia nachgefragt und folgende Antwort erhalten haben: ,,Der Grund für die Änderung ist, dass unser Fahrrad tatsächlich von der unteren Logik gesteuert wird. Der Controller wird von unserem Team entwickelt. Egal, ob es sich um einen Bafang-Motor oder einen Motor einer anderen Marke handelt, man kann sagen, dass es sich bei den Urtopia-Fahrrädern nur um eine Motorhülle handelt, in die wir die Seele stecken. Nach Tests ist das Modell 410 die beste Wahl aus der Perspektive der Technologie, der Produktlieferkette, der Kosten und anderer globaler Überlegungen."

Zu den unzweifelhaften Stärken des Fusion gehört das angenehme Fahrgefühl. Ein breiter Lenker und der lange Radstand vermitteln das Gefühl, ein modernes Mountainbike zu fahren. Doch zugleich thront man hier statt in Kampfhaltung nach vorne gebeugt ein wenig laid-back fast wie auf einem Hollandrad. Die feinfühlig ansprechende Federgabel bügelt einige der harten Kanten weg. Zugleich hat man eine gute Kontrolle.

Selbst fürs ambitionierte Kurvenräubern bietet das mit 23 Kilogramm für ein Intube-Mittelmotor-Pedelec fast schon leichte Bike ein fast spielerisches Handling. Die hydraulischen Tektro-Bremsen mit Drei-Finger-Hebel packen auf Wunsch ordentlich zu, ohne zu verkeilen. Auch die Reifen vermitteln guten Grip, zudem helfen sie mit ihrem Volumen, Unebenheiten auszugleichen. In der Längsachse gerät der Rahmen allerdings zeitweilig auch in etwas störende Schwingungen. Etwas steifer wäre schöner. Freihändiges Fahren geht, doch es kommt dabei immer auch etwas Unruhe in die Lenkung. Das ist nicht untypisch für Tiefeinsteiger, wie Urtopia einräumt, die für die Zukunft Besserung in Aussicht stellen.

Zu den Besonderheiten von Urtopia-E-Bikes gehört ein Kontrollcenter in der Lenkermitte, das neben dem Frontscheinwerfer ein grob auflösendes Matrixdisplay und einen Lautsprecher integriert. Der Technik-Hub verbindet das Fahrrad mit dem Internet, was wiederum im Zusammenspiel mit der Urtopia-App die Lokalisierung erlaubt. Während das Smartphone in der Tasche steckt, zeigt das Display die Richtungshinweise der in der App integrierten Navigation an. Außerdem gibt es einen Lautsprecher mit Sprachausgabefunktion. Das Fusion versteht auch Sprache, etwa, wenn man das Licht mit dem Befehl ,,Light on" aktivieren will. Dumm nur, dass dabei allein der Scheinwerfer angeht, während das Rücklicht - ein schlichtes per Gummiriemen an der Sattelstange befestigtes Batterielicht - manuell zugeschaltet werden will. Urtopia bietet im Zubehör ein ins Bordsystem integrierbares Rücklicht mit Blinkerfunktion an, allerdings für 129 Euro Aufpreis.

Perfekt ist das Fusion nicht. Die 4.000 Euro wären dennoch durchaus angemessen, wenn denn, wie in unserem Testexemplar, der starke M510-Motor im Paket wäre. Nicht nur wegen des Motors zögern wir, eine Kaufempfehlung auszusprechen. Bei Urtopia könnte es sich möglicherweise lohnen, noch ein Weilchen zu warten, denn bereits bei den anderen beiden Modellen haben die Chinesen einige Monate nach Marktstart die Preise gesenkt. Mit einem solchen Preisnachlass wäre das Fusion selbst mit 80 Nm ein durchaus starkes Angebot.

Der Artikel "Test: Urtopia Fusion - Tiefeinsteiger mit Schick" wurde am 25.06.2024 in der Kategorie E-Bikes von Mario Hommen/SP-X mit den Stichwörtern Test: Urtopia Fusion, E-Bikes, veröffentlicht.

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