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Kult mit Kabel: Praxistest Fiat 500 elektrisch

29. April 2021, 14:33 Uhr
Solveig Grewe 5
5Kult mit Kabel: Praxistest Fiat 500 elektrisch
mid Groß-Gerau - Für den elektrischen Fiat 500 stehen zwei Elektromotoren mit 95 oder mit 118 PS zur Wahl. FCA
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Jetzt endlich und genau zum richtigen Zeitpunkt surrt der Fiat 500 als erstes vollelektrisches Modell der Turiner durch die Stadt und über Land. Bis zu 320 Kilometer Reichweite (WLTP) verheißen Alltagstauglichkeit auch für längere Strecken. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat den elektrischen Enkel des kultigen Cinquecento in dritter Generation ausgiebig getestet.


Besser spät als gar nicht. Bei der Elektrifizierung seiner Modellpalette hat Fiat-Chrysler (FCA) lange gekleckert anstatt zu klotzen. Der frühere Chef Sergio Marchionne investierte wegen knapper Kassen so wenig wie möglich in neue Modelle und nur das absolute Minimum in neue Antriebskonzepte. Jetzt endlich und genau zum richtigen Zeitpunkt surrt der Fiat 500 als erstes vollelektrisches Modell der Turiner durch die Stadt und über Land. Bis zu 320 Kilometer Reichweite (WLTP) verheißen Alltagstauglichkeit auch für längere Strecken. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat den elektrischen Enkel des kultigen Cinquecento in dritter Generation ausgiebig getestet.

Für den ersten italienischen Moment im komplett neuen und auf einer eigenen Plattform aufbauenden elektrischen Fiat 500 sorgen melodiöse Akkorde aus Federico Fellinis Film "Amarcord". Mit mehr Dolce Vita, als es das Summen eines Cyborgs je an die Herzen bringen könnte, bewahren die Töne Passanten vor dem Erschrecken vor der eigentlich lautlosen Mobilitätstechnik.

Wer sich nach der Tonquelle umschaut, erkennt den knuffigen Kleinstwagen in bekanntem und längst zum Kult gewordenem Outfit. Gegenüber dem mittlerweile 13 Jahre alten benzingetriebenen Namensvetter sind seine Dimensionen leicht gewachsenen. Weitere Unterschiede birgt das Detail: Die Scheinwerfer vorne sind geteilt, die Tagfahrlichter ziehen sich wie Augenbrauen hinauf in die Motorhaube.

Vorne im modernen und gut aufgeräumten Cockpit haben zwei Erwachsene auf konturierten Sitzen komfortabel Platz. Für das gute grüne Gewissen sorgen Bezüge, die aus Recycling-Materialien und zum Teil aus Kunststoff bestehen, der aus dem Meer gefischt wurde. Im Vergleich zur Variante mit Verbrennungsmotor, die zunächst weiter im Programm bleibt, sitzt man niedriger. Die Lenksäule ist zudem jetzt höhen- und längsverstellbar. Krimskrams findet reichlich Platz in gut sortierten Ablagen, für das Handy gibt es eine - aufpreispflichtige - Schale zum induktiven Laden.

Der Kofferraum ist mit 185 Litern recht klein, aber für Single- oder Pärchenbedürfnisse durchaus ausreichend. Wer mehr will, legt die Rücksitze um. Das schafft 550 Liter gut nutzbaren Stauraum.

Nach dem Druck auf den Startknopf kommt es zum nächsten italienischen Moment. Der Stromer macht einen auf rasanten Südländer. Wie es sich für ein Elektroauto gehört, tritt er aus dem Stand mit der vollen Kraft von 220 Newtonmeter Drehmoment an. Genug, um die immerhin 1.365 Kilo schwere Limousine binnen neun Sekunden auf Landstraßentempo zu beschleunigen.

Fährt man im Range-Modus weiter und dirigiert den Elektro-Floh nahezu ausschließlich über ein Pedal, steigt der Grad der Energierückgewinnung. Im Sherpa-Modus wird die Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h begrenzt. Zusammen mit dem Verzicht auf alle unnötig Energie fressende Verbraucher ist dieses Programm genau das Richtige für Sparfüchse im tagtäglichen Stadtverkehr.

Freunde des Gokart-Feelings bleiben im Normalmodus und jagen den kleinen Italiener mit niedrigem Schwerpunkt und guter Federung, aber etwas schwammiger Lenkung über die Landstraßen. Laut Datenblatt beträgt der Normverbrauch für den Testwagen 14,0 bis 14,3 kWh je 100 Kilometer. Das ist allerdings außerhalb des reinen Stadtbetriebes kaum machbar. Selbst bei zurückhaltender Fahrweise über Land und auf der Autobahn pendelt sich der Verbrauch bei um die 17 kWh ein, die Reichweite reduziert sich dann auf etwa 280 Kilometer. Doch keine Frage, auch damit lässt es sich anfreunden.

Wäre da nicht der Preis. Für den elektrischen Fiat 500 Icon werden mindestens 29.560 Euro aufgerufen. Gönnt man sich zusätzliche italienische Momente wie den Blick durch eine Rückfahrkamera, diverse Assistenten und beheizbare Sitze, können daraus locker über 34.000 Euro werden. Mit dem Griff zum Cabrio werden mindestens 32.560 fällig. Der Dreitürer mit seiner schmalen zusätzlichen Tür kostet mindestens 31.560 Euro. Auch der Abzug von mehr als 9.000 Euro Verkaufsprämie tröstet herzlich wenig über den ambitionierten Preis für den knuffigen Elektro-Floh aus Turin hinweg.

Solveig Grewe / mid

Technische Daten Fiat 500 Icon elektrisch:

- Länge / Breite / Höhe: 3,62 / 1,68 / 1,52 Meter

- Antrieb: Elektromotor, 87 kW/118 PS, 220 Nm max. Drehmoment

- Batteriekapazität / Reichweite nach WLTP: 42 kWH / 312 - 321 km

- Ladeleistung DC: bis 85 kW

- Getriebe: Automatisches Untersetzungsgetriebe

- Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 9,0 sek

- Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h

- Stromverbrauch kombiniert: 14,0 - 14,3 kW/100 km

- Preis: ab 29.560 Euro

- Testwagen-Preis: 34.060 Euro

Der Artikel "Kult mit Kabel: Praxistest Fiat 500 elektrisch" wurde am 29.04.2021 in der Kategorie New Mobility von Solveig Grewe mit den Stichwörtern Auto, Elektroauto, Praxistest, Kleinstwagen, Test, New Mobility, veröffentlicht.

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