E-Bikes

Test: Lemmo One - Hitverdächtig

13. Februar 2024, 15:04 Uhr
Mario Hommen/SP-X 13
13Test: Lemmo One - Hitverdächtig
Seit 2023 bietet Lemmo das smarte E-Bike One an Foto: SP-X/Mario Hommen
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E- und Bio-Bikes trennen mittlerweile oft Welten. Nicht so beim Lemmo One. Ein kleiner Handgriff macht das Pedelec zum klassischen Drahtesel.

Spartanisch, smart und zudem alltagstauglich - so ist das als E- und Bio-Bike nutzbare One der jungen Zweiradmarke Lemmo 2023 in Deutschland angetreten. Wir haben die elektrisch unterstützte und mit 2.000 Euro recht günstig bepreiste Version im Alltag getestet.

Wie viele andere für den urbanen Einsatz konzipierte Pedelecs hat auch das One sein E-Bike-Wesen einigermaßen kaschiert. Der von Schweißnähten freie Alu-Rahmen mit innenverlegten Leitungen ist schlank, der Motor steckt zudem unscheinbar im Hinterrad. Enganliegende Schutzbleche, ein schmaler Gepäckträger und Mini-Leuchten sorgen ebenfalls für eine spartanische Optik. Außerdem bietet das One einen aufgeräumten Lenker, der auf prominente Anzeige- und Bedienelemente für den E-Antrieb verzichtet.

Vorhanden sind diese dennoch. Lemmo setzt auf unscheinbare, minimalistische Komponenten, die dennoch funktional sind. So befinden sich direkt neben den Lenkergriffen kleine Druckknöpfe für die Daumen. Mit dem linken wird zum Beispiel die dezent warnende E-Klingel aktiviert, während der rechte primär zur Wahl der drei Unterstützungsstufen dient. Werden beide Knöpfe einige Sekunden gleichzeitig gedrückt, schaltet sich das E-Antriebssystem ein bzw. aus. Parallel werden dabei eine physische Wegfahrsperre sowie ein Alarmsystem aktiviert oder eben abgeschaltet. Wird das Bike gestartet, kann man zunächst ein Servosurren vernehmen, welches das Herausziehen der Freilaufsperre aus dem Hinterrad signalisiert. Gleichzeitig erwacht im Oberrohr ein kleines und gut ablesbares Display zum Leben, welches im Fahrbetrieb über Akkustand, Unterstützungsstufe und Geschwindigkeit informiert.

Unterm Display steckt der eigentliche Clou, der das One zu etwas Besonderem macht: das Smartpac. Im Kern handelt es sich dabei um die Traktionsbatterie, die den E-Antrieb mit Strom versorgt. Der trapezförmige und an den Seiten mit Textilhaut eingekleidete Stromkasten soll dank 540 Wh bis zu 100 Kilometer Reichweite erlauben. Praktisch waren es bei vorwiegend höchster Unterstützung und winterlichen Temperaturen allerdings um 70 Kilometer. Das Smartpac lässt sich einfach und formschlüssig in das Delta von Ober-, Unter- und Steuerrohr hineinschieben und dort solide verankern. Per Knopfdruck lässt es sich wieder aus der Verankerung lösen. Eine vertrauenerweckende Plastikschlaufe erleichtert die Mitnahme des Stromspeichers. Anders als bei vielen anderen schlanken Urban Bikes mit im Rahmen integrierter Batterie kann das One im Keller oder Fahrradständer bleiben, während in der Wohnung geladen wird.

Neben den Akkuzellen beherbergt das Smartpac außerdem Antriebssteuerung und einen IoT-Chip, der die Anbindung ans Internet und damit auch GPS-Tracking per App erlaubt. Per QR-Code lassen sich Bike und Smartphone/Lemmo-App paaren. Die App bietet viele Funktionen. Über einen Slider lässt sich zum Beispiel der Diebstahlalarm aktivieren. Außerdem kann das Smartphone fortan als digitaler Schlüssel dienen. Die Koppelung von Smartphone und E-Bike funktioniert beim One auch in Hinblick auf die Stromversorgung gut. Das Smartpac kann dank integrierter USB-A- und -C-Anschlüsse bei Bedarf als Powerbank für externe Geräte wie Smartphones oder Notebooks dienen. Unser Handy nuckelte jedenfalls freudig und mit flotten 65 Watt Stromlinge aus dem Smartpac.

Spektakulärer ist es jedoch, wie der Strom dem Heckmotor Beine macht. In der höchsten Antriebsstufe zeigt der kompakte Nabenmotor sogar Temperament. Auf den Pedalbefehl reagiert er zunächst noch mit entschuldbarer Latenz, doch nach nicht einmal einer halben Kurbelumdrehung schiebt er lautlos mit immerhin 40 Newtonmeter Drehmoment beherzt voran. Statt auf einen spontan reagierenden Tretkraft- setzt Lemmo beim One auf eine Kombination aus Kadenz- und Geschwindigkeitssensor. Sieht man von leicht verzögerten Reaktionen ab, vermittelt diese Lösung ein insgesamt harmonisches Unterstützungs- und Fahrgefühl. Ist die Batterie frisch geladen, geht es auf ebener Strecke 2 bis 3 km/h schneller als die obligatorischen 25 km/h. Auch bergauf ist der Schub ordentlich. Zumal eine Shimano-Kettenschaltung zehn Übersetzungsalternativen bereithält.

Das One lässt sich alternativ auch wie ein Bio-Bike fahren. Mit einem kurzen Handgriff wird der Motor entkoppelt. Wurde zuvor noch der drei Kilogramm schwere Akku entfernt, reduziert sich das Fahrgewicht auf angenehm leichte 15 Kilogramm. Gegen viele Pfunde und einem Widerstand vom E-Antrieb muss man also nicht ankämpfen. Insgesamt gleitet das Bike erfreulich widerstandsarm dahin. Nicht ganz überzeugt hat uns bei rein muskelgetriebener Nutzung allerdings die Ergonomie.

Nichtsdestotrotz sitzt es sich gut auf dem One. Als Fahrer nimmt man eine entspannte, nach vorn gebeugte Haltung ein, während die Hände auf ergonomisch wie haptisch angenehmen Griffen des breiten Lenkers ruhen. Auch auf längeren Strecken erlebt man diese Position trotz eines sportlich-verbindlichen Sattels als angenehm. Die 27,5-Zoll-Speichenräder sind von voluminösen Reifen umhüllt, die einige Unebenheiten egalisieren. Allerdings gibt der steife Alurahmen auch viele Härten der Straße direkt weiter.

Federelemente? Fehlanzeige. Dafür klappert oder wackelt nichts. Auch bergab mit über 40 km/h fährt sich das One sicher und stabil. Als flotter Stadtflitzer weiß das E-Bike zu gefallen. Zumal die hydraulischen Scheibenbremsen gut dosierbar sind und souverän verzögern. Ebenfalls überzeugen kann das integrierte Licht. Die Frontleuchte wirkt zwar klein, der Lichtkegel ist dennoch groß und lichtstark. Der Scheinwerfer lässt sich übrigens mit einem Spezialschlüssel leicht abnehmen und dank integriertem Stromspeicher sogar als Taschenlampe nutzen.

Angesichts vieler Qualitäten - abstoßend billig wirkende Komponenten haben wir auch nicht entdeckt - und vieler durchdachter Lösungen erstaunt der Preis von 2.000 Euro für die empfehlenswerte Version mit Kettenschaltung. Alternativ gibt es für 200 Euro Aufpreis auch einen Riemenantrieb, bei dem allerdings eine Schaltung entfällt. Im Kaufpreis des One sind eine 5-Jahres-Garantie sowie die Lieferung im XL-Karton enthalten. In diesem findet sich auch Montagewerkzeug und eine Standluftpumpe. Für den Zusammenbau eines One sollten selbst Ungeübte nicht mehr als 30 Minuten benötigen. Die Lieferung soll höchstens eine Woche dauern. Der Hersteller des One sitzt übrigens in Berlin, wo es auch einen Showroom und Möglichkeiten für Testfahrten gibt.

Der Artikel "Test: Lemmo One - Hitverdächtig" wurde am 13.02.2024 in der Kategorie E-Bikes von Mario Hommen/SP-X mit den Stichwörtern Test: Lemmo One, E-Bikes, veröffentlicht.

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