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Unfall: Auch die Seele kann Schaden nehmen

26. Mai 2021, 12:51 Uhr
Andreas Reiners
Unfall: Auch die Seele kann Schaden nehmen
mid Groß-Gerau - Die Folgen eines Unfalls können weitreichend sein, auch für die Seele. Goslar Institut
Ein Verkehrsunfall kann weitreichende Folgen haben. Auf der einen Seite materielle, auf der anderen möglicherweise sogar Personenschäden. Als Reaktion auf einen Verkehrsunfall treten später nicht selten auch psychische Beeinträchtigungen auf - wie Angststörungen bis hin zu Depressionen.


Ein Verkehrsunfall kann weitreichende Folgen haben. Auf der einen Seite materielle, auf der anderen möglicherweise sogar Personenschäden. Als Reaktion auf einen Verkehrsunfall treten später nicht selten auch psychische Beeinträchtigungen auf - wie Angststörungen bis hin zu Depressionen. Wenn diese ausgeprägter sind und/oder länger anhalten, sollten Betroffene eine entsprechende Hilfsorganisation oder einen Facharzt um Rat fragen, so Experten.

Bei schweren Verkehrsunfällen kann auch die Seele leiden und Schaden nehmen. So lösen speziell Ereignisse, bei denen es um Leben und Tod geht, meist heftige emotionale Reaktionen aus. Halten diese länger an als einen oder zwei Monate und sind sie mit bestimmten Symptomen wie eben Angst und Depressionen verbunden, sprechen Fachleute von der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Spätestens dann ist der Zeitpunkt gekommen, da man diese Beschwerden ernst nehmen und einen geschulten Therapeuten hinzuziehen sollte. Denn sonst läuft der Betroffene Gefahr, dass ihn die psychischen Reaktionen noch auf Jahre hinaus quälen.

Dabei muss man gar nicht einmal selbst an dem Unfall beteiligt sein. Schon das Erleben eines belastenden Geschehens, wie eines schweren Verkehrsunfalls, kann für Zuschauer zu einem einschneidenden Ereignis werden. So kam eine wissenschaftliche repräsentative Erhebung im Rahmen der Kampagne "Runter vom Gas" des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) zu dem Ergebnis, dass vom Tod eines Menschen im Straßenverkehr durchschnittlich 113 Personen unmittelbar betroffen sind: Angehörige, Freunde und Bekannte sowie die Einsatzkräfte am Unfallort. Konkret berichtet der DVR, dass im Mittel elf Familienangehörige, vier enge Freunde, 56 Freunde und Bekannte nachhaltig betroffen sowie 42 Einsatzkräfte wie Rettungssanitäter, Feuerwehrkräfte oder Polizisten mit dem schweren Schicksal konfrontiert seien, wenn ein Mensch bei einem Verkehrsunfall stirbt. Doch ebenfalls Unfälle mit weniger gravierenden Folgen können dauerhafte seelische Belastungen nach sich ziehen

So stellten Wissenschaftler in einer Untersuchung fest, die auch sogenannte prätraumatische Faktoren mit einbezog - also Umstände, die beeinflussen, ob es zu einer PTBS kommt und wie heftig diese verläuft -, dass ein Großteil von Unfallopfern und -beteiligten gute Voraussetzungen mitbringt, um das belastende Erlebnis psychisch gut zu bewältigen. Nur ein jeweils kleinerer Teil ist demnach als Risikogruppe einzustufen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, infolge des Unfalls psychisch zu erkranken.

Wie der DVR zudem von den Ergebnissen zweier internationaler Meta-Analysen und weiterer Studien berichtet, müssen nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand die Personen als besonders gefährdet in Bezug auf posttraumatische Unfallfolgen gelten, die sich der Unfallsituation hilflos ausgesetzt fühlten, die psychisch vorbelastet sind sowie Kinder und Jugendliche. Denn sie verfügen noch nicht in gleichem Maß über Ressourcen zur Bewältigung solcher Ereignisse wie Erwachsene.

Den genannten wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge machen sich Langzeitfolgen noch 1,5 Jahre nach einem Unfallereignis bei rund einem Drittel aller Intensivpatienten bemerkbar, die bei einem Verkehrsunfall gleichzeitig an mehreren Körperregionen oder Organsystemen verletzt wurden (sogenannte Polytraumata). Bei diesen Langzeitfolgen stehen demnach PTBS, Depressionen und Schmerzen im Vordergrund.

Angesichts der ernst zu nehmenden möglichen psychischen Reaktionen auf Verkehrsunfälle fordert der DVR in Übereinstimmung mit anderen Fachleuten insbesondere umfassende Aufklärung über die Folgen schwerer psychischer Traumatisierung infolge von Straßenverkehrsunfällen sowie über entsprechende Betreuungs- und Interventionsmöglichkeiten. Außerdem plädieren die Experten für eine Verbesserung der allgemeinen Versorgung psychischer Erkrankungen aufgrund von Straßenverkehrsunfällen.

Der Artikel "Unfall: Auch die Seele kann Schaden nehmen" wurde am 26.05.2021 in der Kategorie News von Andreas Reiners mit den Stichwörtern Unfall, Verkehrssicherheit, Gesundheit, News, veröffentlicht.

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