Auto

Porsche Targa 4S: Immer schneller, immer weiter

26. August 2020, 09:21 Uhr
Rudolf Bögel
Vor genau 55 Jahren stellten die Stuttgarter Sportwagen-Bauer ihren ersten Bügel-Porsche vor. Den Targa. Benannt nach dem legendären sizilianischen Bergrennen Targa Florio. Jetzt gibt es den neuen Targa. Mit noch mehr PS und noch mehr Komfort. Der Motor-Informations-Dienst (mid) testete das neue 911er-Mitglied im Alltag.


Vor genau 55 Jahren stellten die Stuttgarter Sportwagen-Bauer ihren ersten Bügel-Porsche vor. Den Targa. Benannt nach dem legendären sizilianischen Bergrennen Targa Florio. Jetzt gibt es den neuen Targa. Mit noch mehr PS und noch mehr Komfort. Der Motor-Informations-Dienst (mid) testete das neue 911er-Mitglied im Alltag.

Aus der Not geboren - zum Kult-Auto geworden, als Klassiker gereift. So lässt sich die Geschichte des Porsche Targa erzählen. Anfang der 1960er Jahre kochten in den USA Diskussionen hoch, ob Cabriolets bei einem Überschlag nicht zu gefährlich seien. Für den Fall des Falles und um nicht den wichtigsten Freiluft-Markt zu verlieren, entwickelten die Stuttgarter vorsorglich ein Cabriolet mit einem fest installierten Überrollbügel aus Edelstahl. Das was 1965 - die Geburtsstunde eines Sportwagens, der für viele Porsche-Fans als der schönste 911er gilt.

55 Jahre danach hat der neue Targa nichts an Klasse verloren. Die Dachelemente müssen natürlich nicht mehr von Hand herausgenommen werden. Geblieben aber sind die breite silberne Spange und die mächtige Glaskuppel im Heck. Exakt 19 Sekunden dauert es, bis aus dem 911er der Baureihe 992 ein halbes Cabrio geworden ist. Erst das durchsichtige Heckteil in die Höhe gelupft, dann fährt das Stoffdach nach hinten und versenkt sich selbst. Glas-Deckel wieder drauf - der Targa ist startklar.

Leider funktionieren Öffnen und Schließen nur im absoluten Stillstand und nicht wie beim reinrassigen Cabrio bis Tempo 50. Von daher empfiehlt es sich, das Manöver nicht an einer roten Ampel durchzuführen. Sieht ziemlich peinlich aus, wenn es plötzlich grün wird. Und man mit dem halb offenen Targa im Schnecken-Tempo die nächste Parklücke ansteuern muss, um zu vollenden, was begonnen wurde. Die Aufmerksamkeit der Passanten jedenfalls hat man so oder so. Und manch einer zückt das Handy, weil der Faltvorgang wirklich ziemlich spektakulär aussieht.

"Offen fahren wie im Cabrio - geborgen wie im Coupe" - so empfindet Ex-Rallye-Weltmeister Walter Röhrl den Targa. Das stimmt leider nur bedingt, denn trotz manuell ausfahrbarer Spoilerlippe auf der Frontscheibe strömt die Luft in den Innenraum und fängt sich unter der Glaskuppel, die zur Donnerkuppel wird, weil sich hier alles staut. Ab Tempo 60 wummert es unangenehm vor sich hin.

Abhilfe versprechen zwei Methoden. Die eine setzt warmes Wetter voraus. Einfach die Seitenscheiben ein wenig herunterfahren. Die andere ist mehr Porsche-like, aber nichts für geschlossene Ortschaften. Aufs Gas drücken - ab Tempo 80 verschwindet der Luft-Stau von ganz allein.

Für Deutschlands Dienst ältesten Panik-Rocker Udo Lindenberg ist der 911er Targa "purer Rock 'n' Roll". Wenn er damit die unbändige, ungezügelte Kraft des Sportwagens meint, dann ist das eine leichte Untertreibung. Was der an allen vier Rädern angetriebene Targa 4S auf die Straße legt - das ist Speed Metal. Mindestens. 450 Pferdestärken aus dem Sechszylinder Biturbo-Motor katapultieren den 911er in 3,6 Sekunden von 0 auf 100 und in 13,1 Sekunden von 0 auf 200 Stundenkilometer. Und zwar ohne Verzögerung, ohne Turboloch. Immer schneller, immer weiter.

Im Vergleich zum Basis-Targa leistet er 65 PS mehr (dank der größeren Lader). Gegnüber dem Vorgänger stieg die Leistung des neuen 4S um 30 PS. Das Drehmoment liegt bei 530 Newtonmeter (Nm) und deckt einen weiten Bereich von 2.300 bis 5.000 U/min ab. Das heißt: Schon bei entspannter Fahrweise kann man die ganze Kraft des Boxermotors spüren und muss es sich und seiner Umgebung nicht immer mit einem kräftigen Druck auf das Gaspedal beweisen.

Das ist souverän und passt zum Fahrwerk des 911ers, das eine ehrgeizige Aufgabe zu erfüllen hat. Nämlich das eines alltagstauglichen Sportwagens. Dafür hat der Targa serienmäßig das elektronisch geregelte Dämpfersystem PASM an Bord. Auf der Stufe "Normal" bügelt es (fast) sämtliche Unebenheiten der Straße weg. Aber Gott sei Dank nicht alle, denn schließlich will man in einem 911er immer auch die Straße spüren. In den Stellungen "Sport" und "Sport plus" legt das Fahrwerk im übertragenen Sinn die Ohren an. Straff, stramm und knackig flitzt der Targa dann über den Asphalt. Rein in die Kurven und flink wieder raus. Die Lenkung reagiert präzise wie ein Skalpell in der Hand eines talentierten Chirurgen.

Dank des flexiblen Allradantriebs, der an der Vorderachse stark verbessert wurde, fühlt sich sportliches Fahren jederzeit sicher an. So wie auf Schienen. Auch das ist alltagstauglicher, ganz im Vergleich zum reinen und etwas nervöseren Heckantrieb im Coupe, den Puristen natürlich bevorzugen. Apropos: Für Puristen gibt es im neuen Targa neben dem serienmäßigen PDK-Doppelkupplungsgetriebe eine manuelle 7-Gang-Alternative. Selbst ist der Mann, wenn er es kann.

Wer sich lieber von der Elektronik helfen lassen möchte, der findet im Targa 4S auch Unterstützung bei Regen. Sobald es zu feucht wird, empfiehlt der Bord-Computer den Wet-Modus. Per Knopfdruck stellen die Regelsysteme auf maximale Fahrstabilität bei Traktion und Ansprechverhalten des Motors um. Auch das gibt Sicherheit, gerade wenn man - wie bei unserer mid-Testfahrt - mit 450 PS und einem heftigen Gewitter-Regenguss auf der Autobahn unterwegs ist.

Und noch ein kleines, feines Detail dürfte Porsche-Liebhaber, die für einen Targa 4S mindestens 140.327 Euro hinlegen müssen, erfreuen. Das lästige Aufdotzen der Karosserie, wenn es über eine Tiefgaragen-Kante geht, ist Geschichte. Per Knopfdruck und GPS-Signal merkt sich der Computer die Stelle und fährt das Auto automatisch um bis zu 40 Millimeter nach oben. Jedes Mal wieder.

Rudolf Bögel / mid

Technische Daten Porsche Targa 4S:

- Länge / Breite / Höhe: 4,52 / 2,00 / 1,30 Meter
- Motor: Sechszylinder-Benziner Biturbo
- Hubraum: 2.981 ccm
- Leistung: 331 kW/450 PS bei 6.500 U/min
- Drehmoment: 530 Nm bei 2.300 - 5000 U/min
- Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, Allradantrieb
- 0 bis 100 km/h: 3,6 Sekunden
- Spitze: 304 km/h
- Normverbrauch: 9,9 l/100 km
- CO2-Emission: 227 g/km
- Leergewicht: 1.675 kg
- Preis: ab 140.327 Euro

Der Artikel "Porsche Targa 4S: Immer schneller, immer weiter" wurde am 26.08.2020 in der Kategorie Neuheiten von Rudolf Bögel mit den Stichwörtern Auto, Praxistest, Testfahrt, Test, Sportwagen, Cabrio, Coupé, Vorstellung, veröffentlicht.

Weitere Meldungen