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Test: Pedelec-Umrüst-Kit Swytch Go - Endlich elektrisch

11. Juni 2024, 10:46 Uhr
Mario Hommen/SP-X 10
10Test: Pedelec-Umrüst-Kit Swytch Go - Endlich elektrisch
Bislang war das T-900 ein rein mit Muskelkraft betriebenes Fahrrad. Nun kann es den Fahrer dank Swytch-Umrüstsatz elektrisch tatkräftig unterstützen Foto: SP-X/Mario Hommen
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Fast 20 Jahre lang haben wir unser schlankes Tourenrad nur mit der Kraft der Beinmuskeln bewegt. Jetzt kann das Schmuckstück auch elektrisch fahren. Ein neues System von Swytch macht es möglich.

Aus einem Biobike ein Pedelec machen - diese Möglichkeit bietet seit einiger Zeit die Firma Swytch Bike aus Großbritannien mit ihren Umbausätzen. Neuerdings auch mit großem Akku und entsprechend üppiger Reichweite. Go heißt die neue Spielart, die auf ein größeres Akkupaket setzt, das sich einfach per Klettriemen am Rahmen oder Gepäckträger befestigen lässt. Den Go-Akku gibt es in drei Formaten. Wir haben den Nachrüstantrieb in der mittleren Version Go+ an einem rund 20 Jahre alten Tourenrad, einem T 900 von Fahrradmanufaktur, montiert. Der Umbauaufwand blieb überschaubar, der Komfortgewinn war erheblich. Eine rundum perfekte Lösung darf man allerdings nicht erwarten.

Das Umbau-Set besteht im Wesentlichen aus vier Komponenten: einem neuen Vorderrad mit Elektromotor, einer Display-Bedieneinheit, dem Trittfrequenzsensor und der bereits erwähnten Batterie. Die Bestellung bei Swytch erfolgt online, das Set wird dann in einer stabilen Kartonverpackung an den Kunden geschickt.

Die Montage nach Anleitung hat in unserem Fall etwas mehr als eine Stunde gedauert. Der aufwendigste Teil ist der Austausch des Vorderrades. Bei Swytch bestellt man ein passendes Antriebsrad für das geplante Umbau-Fahrrad, in welches ein Elektromotor eingespeicht wurde. Bei der Bestellung werden Details zum Vorderrad abgefragt, damit dieses optisch und physisch passt. Das uns gelieferte 28-Zoll-Rad mit Alufelge - Swytch bietet gängige Formate von 16 bis 29 Zoll Durchmesser an - vermittelt optisch eine ordentliche Qualität. Etwas zeitaufwendig war es, den Reifen samt Schlauch vom alten Vorderrad zu entfernen und auf das neue Vorderrad zu montieren. Bereift kann das Rad einfach montiert werden. Anschließend wird noch der Trittfrequenzsensor zwischen dem rechten Pedal und dem Tretlager angebracht, der Akku am Oberrohr und das Display am Lenker befestigt und alles miteinander verkabelt. Zum Schluss werden noch ein paar Kabelbinder festgezogen, damit die neuen Teile enger und fest anliegen. Dieser Umbau ist kein Hexenwerk und auch für Ungeübte machbar.

Ein unschöner Nebeneffekt des Nabenmotors ist der Wegfall des ursprünglich vorhandenen Nabendynamos. Dadurch war die montierte Lichtanlage nicht mehr nutzbar, so dass wir Akkulampen anbringen mussten. Zwar entfällt der Nabendynamo, die 14-Gang-Rohloff-Nabe im Hinterrad konnten wir hingegen uneingeschränkt weiter nutzen. Ein weiterer Wermutstropfen waren die zusätzlichen Kabel und Anbauteile, durch die das Fahrrad nicht mehr so elegant und schlank wirkte wie vor dem Umbau.

Dafür bekommt man einen eingebauten Rückenwind. Und der funktioniert zudem gut. Zunächst muss das Antriebsystem über einen Knopf am Akku aktiviert werden. Die Betriebsbereitschaft wird durch kleine Lämpchen signalisiert, die auch Auskunft über den Ladezustand der Batterie geben. Dann wird per Knopfdruck das Display zum Leben erweckt. Per Wipptaste lässt sich die Unterstützungsstufe wählen. Wir sind natürlich mit voller Leistung und somit auf Stufe 5 losgefahren.

Der kleine Elektromotor mit 40 Newtonmetern bringt ordentlich Schwung in den Vortrieb, hält sich aber mit Geräuschen zurück. Typisch für einen Frontmotor ist ein gewisser Antriebseinfluss auf die Lenkung zu spüren, der aber nie übermäßig störend wird oder das Spurverhalten kritisch beeinträchtigt. Eigentlich fährt sich der T 900 wie immer. Das Rad wurde durch den E-Antrieb weder zu schwer noch unhandlich. Allerdings diente das T 900 bisher nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern auch als Fitnessrad. Doch der Elektroantrieb schränkt das Maß der körperlichen Ertüchtigung deutlich ein. Das bedauern wir zunächst, freuen uns aber dann doch bei der ersten längeren Ausfahrt über die tatkräftige Unterstützung, auch weil gerade steifer Wind von vorn kommt. In den letzten 20 Jahren war das Fahren mit diesem Rad immer mit körperlicher Arbeit verbunden. Plötzlich fährt es sich - vor allem in der höchsten Unterstützungsstufe - so mühelos, als hätte man ein Wunderdopingmittel verabreicht bekommen.

Man kann übrigens auch nur mit Beinkraft fahren und natürlich den Elektroantrieb übersteuern, der bis maximal 25 km/h unterstützt. Alternativ kann man außerdem quasi so tun, als würde man in die Pedale treten. Das Swytch-System hat nur einen Dreh-, aber keinen Kraftsensor. Es genügt also, die Pedale in Rotation zu versetzen, um Motorkraft freizusetzen. Die Kraftentfaltung um die Höchstgeschwindigkeit herum kann gelegentlich als etwas ruckelnd empfunden werden. Ansonsten fühlt man sich aber angenehm und entspannt unterstützt.

Entscheidend für das neue Go-System ist das Akkuformat. Bisher bot Swytch das leichte Alternativsystem Air mit hübscher Akkuhalterung am Lenker an, das sich in der Einstiegsversion mit 10 bis 15 Kilometern Reichweite allerdings nur für den Kurzstreckeneinsatz empfiehlt. Beim Go+ mit 310 Wh sind es immerhin schon 50 Kilometer, die auch praktisch erreicht werden. Bei der Topversion Go++ mit 378 Wh erhöht sich der Aktionsradius sogar auf 65 bis 90 Kilometer. Die getestete Version + empfanden wir bereits als ausreichend dimensioniert. Dabei haben wir das System allerdings nicht auf einer großen Radtour getestet.

Als im Alltag etwas unpraktisch haben wir die Akkumontage per Klettriemen empfunden. Will man den Stromspeicher vor Langfingern schützen, muss man ihn abnehmen. Das geht zwar mit wenigen Handgriffen. Die Klickhalterung der kompakteren Air-Variante ist aber deutlich praktischer. Grundsätzlich kann man den Go-Akku auch mit in die Wohnung nehmen, um ihn dort am mitgelieferten Ladegerät aufzuladen. Wünschenswert wäre noch ein USB-Anschluss, über den sich der Akku außerdem als Powerbank nutzen ließe, etwa zum Aufladen von Smartphones.

Derzeit bietet Swytch sein Go-System zu einem Lockpreis von 300 Euro an. Dazu muss man sich zunächst lediglich mit seiner E-Mail-Adresse registrieren. Einige Tage später wird man benachrichtigt, ob man das Go-Set zum Aktionspreis erhalten wird. Bekommt man den Zuschlag, muss man online bestellen und vorab den halben Preis zahlen. Zum Liefertermin im September wird die Restsumme inklusive 30 Euro Versandkosten eingefordert. Es gibt auch reguläre Sofortpreise. Das Basis-Go beginnt bei 599 Euro, Go+ kostet 739 Euro, die Top-Version Go++ 899 Euro.

So oder so ist die Swytch-Lösung eine relativ günstige Alternative zum Kauf eines neuen E-Bikes, das in der Regel mehrere tausend Euro kostet. Wer also ein älteres Biobike herumstehen hat, kann es für relativ wenig Geld zum Pedelec aufrüsten. Oder man kauft ein gebrauchtes Fahrrad. Viele Radfahrer sind in letzter Zeit auf Pedelecs umgestiegen und verkaufen ihre teils hochwertigen Biobikes oft zu kleinen Preisen. Der Clou: Ein Rückbau ist jederzeit möglich. Unser T 900 wird jedenfalls bald wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt.

Der Artikel "Test: Pedelec-Umrüst-Kit Swytch Go - Endlich elektrisch" wurde am 11.06.2024 in der Kategorie E-Bikes von Mario Hommen/SP-X mit den Stichwörtern Test: Pedelec-Umrüst-Kit Swytch Go, E-Bikes, veröffentlicht.

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