Datenschutz

Unfall-Analyse bei vernetzten Fahrzeugen

23. Februar 2022, 11:53 Uhr
Lars Wallerang
In Autos stecken immer mehr Assistenzsysteme, die zudem digital vernetzt sind. Das hat Einfluss auf die Unfall-Analyse durch die Polizei. Eine Rolle spielt dabei auch der Datenschutz. Die Prüforganisation Dekra fordert nun, dass die EU-Gesetzgebung bei vernetzten Fahrzeugen Daten für hoheitliche Aufgaben mit abdecken muss.


In Autos stecken immer mehr Assistenzsysteme, die zudem digital vernetzt sind. Das hat Einfluss auf die Unfall-Analyse durch die Polizei. Eine Rolle spielt dabei auch der Datenschutz. Die Prüforganisation Dekra fordert nun, dass die EU-Gesetzgebung bei vernetzten Fahrzeugen Daten für hoheitliche Aufgaben mit abdecken muss.

Das europäische Verkehrspolizeinetzwerk Roadpol, die Europäische Vereinigung für Unfallforschung und Unfallanalyse EVU und Fahrzeugprüfer Dekra begrüßen den Entwurf der Europäischen Kommission für den so genannten Data Act. Er schreibt grundlegende Prinzipien fest für den Zugriff auf und die Nutzung von Daten, die von Produkten erzeugt und gesammelt werden.

Gleichzeitig fordern die Experten sektorenspezifische Vorgaben zur Datennutzung im Automobilbereich. Für sie ist entscheidend, dass diese Regelungen auch den Zugriff auf Daten abdecken, die für hoheitliche Tätigkeiten wie Unfallanalytik, Fahrzeugprüfung und Strafverfolgung benötigt werden.

"Der Zugriff auf die relevanten Daten ist unerlässlich, damit Polizei und Strafverfolgungsbehörden, Fahrzeugüberwacher und Unfallanalytiker auch in Zukunft ihre wichtige Arbeit machen können, wenn Fahrzeuge mehr und mehr automatisiert und vernetzt fahren", sagt Dekra-Vorstandschef Stefan Kölbl. Das sei im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Roadpol-Präsident Volker Orben ergänzt: "Die europäischen Verkehrspolizeien haben - über ihre Kernaufgabe der Verkehrsüberwachung hinaus - die wichtige Aufgabe, Unfallursachen zu ermitteln." Mehr und mehr automatisiert fahrende Fahrzeuge auf europäischen Straßen hätten auch Auswirkungen auf die Verkehrsunfallaufnahme. "Es gibt keine Fahrerinnen oder Fahrer mehr, die Angaben zum Unfallhergang machen können." Deshalb brauche die Polizei - gegebenenfalls mit Unterstützung von externen Experten - verlässlichen und geregelten Zugang zu den in den Fahrzeugen generierten digitalen Daten.

"Für Zwecke der Unfallforschung und auch zur Aufklärung von Verkehrsunfällen müssen in Fahrzeugen erzeugte Daten bei neutralen Trustcentern gespeichert werden und für alle Berechtigten zugänglich sein - ohne Beschränkungen durch Fahrzeughersteller und Systemlieferanten", sagt EVU-Präsident Jörg Ahlgrimm. Bald brauche man zum Beispiel die Möglichkeit, zu klären, ob zu einem bestimmten Zeitpunkt der Nutzer oder ein automatisiertes System das Fahrzeug geführt hat.

Der Artikel "Unfall-Analyse bei vernetzten Fahrzeugen" wurde am 23.02.2022 in der Kategorie News von Lars Wallerang mit den Stichwörtern Datenschutz, Unfall, Assistenzsystem, Autonomes Fahren, Connectivity, News, veröffentlicht.