Formel 1

Momentum und Motor treiben Hamilton Richtung Titel

24. November 2021, 12:42 Uhr
Andreas Reiners
Momentum und Motor treiben Hamilton Richtung Titel
mid Groß-Gerau - Lewis Hamilton hat die Konkurrenz im Moment im Griff. Daimler
Lewis Hamilton hat das 20. Saisonrennen in Katar auf dominante Art und Weise gewonnen, er konnte den Rückstand auf Max Verstappen auf nur noch acht Punkte verkürzen. Red Bull Racing ist weiterhin ratlos.


Als Mercedes den mal wieder überlegenen Sieg von Lewis Hamilton in Katar feierte, musste der Formel-1-Titelrivale bei den Stewards antanzen. Für Toto Wolff war das natürlich ein gefundenes Fressen. Der Mercedes-Teamchef hatte nach dem zweiten dominanten Erfolg Hamiltons in Folge gut lachen.

Der Brite verkürzte den Rückstand auf den WM-Führenden Max Verstappen auf acht Punkte, das Auto ist besser, und das Team wirkt fokussierter als Konkurrent Red Bull Racing. "Ich will das eigentlich gar nicht kommentieren. Ich weiß nur, dass er ungezogen war", scherzte der Österreicher.

Red Bulls Teamchef Christian Horner hatte sich bei der Kritik an einem Streckenposten in der Wortwahl vergriffen, ihn als "abtrünnig" bezeichnet. "Ich habe wenigstens nicht in die Kameras geflucht oder mit dem Finger auf irgendwen gezeigt", konterte Horner und bezog sich dabei auf Wolffs Wutausbrüche beim letzten Rennen in Brasilien.

Horner, der den Streckenposten dafür kritisierte hatte, dass er im Qualifying exklusiv für Verstappen doppelte gelbe Flaggen geschwenkt und so die Startplatz-Strafe gegen den Niederländer möglich gemacht hatte, kam nach einer Entschuldigung mit einer Verwarnung davon.

Trotzdem: Es war eines der vielen kleinen Scharmützel, eine dieser Episoden, in die sich Red Bull Racing gerade ein wenig verstrickt. Es scheint so, als verrenne sich der Rennstall seit dem Brasilien-Rennwochenende im Psychokrieg, in den Sticheleien, die dazu gehören, aber eben nicht nur. Während Mercedes auf der Strecke ein Ausrufezeichen nach dem anderen setzt, finden die Bullen keine Möglichkeit für einen Konter. Stattdessen sorgen Horner und Wolff zwar verbal für eine gute und unterhaltsame Show, die aber Red Bull offenbar den Fokus verlieren lässt.

"Am Samstag in Interlagos haben sie den Löwen geweckt", spielte Wolff auf die Disqualifikation im Qualifying in Brasilien und die insgesamt 25 Startplatzstrafen an. "Notsituationen bringen Lewis immer an den Punkt, wo er Superheldenkräfte mobilisieren kann. Die hat er in Interlagos abgerufen. Jetzt ist er voll da: brutal und kaltblütig", so Wolff.

Hamilton klang nicht ganz so martialisch wie sein Chef, dafür aber ähnlich selbstbewusst. "Ich fühle mich großartig. Ich fühle mich körperlich in der besten Verfassung, und das Auto fühlt sich besser an als je zuvor, daher gehe ich positiv in die nächsten Rennen."

Die letzten beiden Wochen seien fantastisch gewesen, so Hamilton weiter: "Es gilt, cool und konzentriert zu bleiben. Ich verspüre derzeit nicht so viele Emotionen außer, dass ich getrieben bin. Es ist gut und wichtig, in den letzten beiden Rennen so viele Punkte geholt zu haben."

Red Bull kann im Moment nur reagieren, zu überlegen agiert der siebenmalige Champion. In Katar schaffte es Verstappen trotz der erwähnten Rückversetzung um fünf Startplätze auf Rang zwei und betrieb so "optimale Schadensbegrenzung", wie Motorsportberater Helmut Marko betonte. Doch der Druck wächst. "Wir müssen ein Rennen gewinnen. Nachdem wir hier und in Brasilien unsere Erwartungen nicht erfüllen konnten, müssen wir in Dschidda einen besseren Job machen", forderte Marko. Am 5. Dezember findet in Saudi-Arabien das vorletzte Rennen statt, das Finale am 12. Dezember in Abu Dhabi.

Immerhin auf Verstappen ist Verlass, der 24-Jährige ist hochkonzentriert, holt das Maximum heraus. "Wir versuchen, uns zu verbessern und stark zurückzukommen. Man hat ja gesehen, wie schnell etwas passieren kann", sagte er. Und das Ballyhoo der Chefs "ist nicht wirklich relevant für mich. Ich konzentriere mich einfach auf meinen Job".

Was viele gar nicht auf der Rechnung haben: In Saudi-Arabien könnte Verstappen bereits vorzeitig den Titel holen. Zum Beispiel dann, wenn er gewinnt und Hamilton höchstens Siebter wird. Doch diese Möglichkeit scheint weit weg, zu stark wirken Mercedes und Hamilton. Und eine Überraschung hatte Wolff ja auch noch parat.

"Die richtige Granate kommt jetzt wieder rein", kündigte er an. Soll heißen: Hamilton fuhr in Katar wegen des Strecken-Layouts mit einem älteren, weniger kraftvollen Motor, in Saudi-Arabien und Abu Dhabi ist er wieder mit dem Wundermotor aus Brasilien unterwegs. "Wir haben uns dieses Feuer für die letzten beiden Rennen aufbehalten", sagte er. Und warnte zugleich: "Saudi-Arabien sollte eine gute Strecke für uns sein, aber wir kennen dieses Jahr. Wenn wir denken, dass etwas gut ist, dann kann es genau andersherum laufen."

Andreas Reiners / mid

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