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Spannender Schwede: Volvo XC40 Recharge Pure Electric

14. Juli 2021, 14:39 Uhr
Solveig Grewe 6
Spannender Schwede: Volvo XC40 Recharge Pure Electric
mid Groß-Gerau - Auf Basis des Kompakt-SUV XC40 hat Volvo sein erstes Elektroauto auf den Markt gebracht. Simone Becker
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Ein Klimaplan ohne Kompromisse kommt jetzt aus Schweden. Bis 2030 wirft Volvo sämtliche Verbrenner und Hybride aus dem Programm und will ab dann nur noch reine Elektroautos bauen und verkaufen. Vorbote dieses neuen Zeitalters ist der XC40 Recharge Pure Electric. Der Motor-Informations-Dienst (mid) war mit dem kompakten Premium-SUV zwei Wochen unterwegs.


Gestatten, mein Name ist Volvo - XC40 Recharge P8 AWD Pure Electric Volvo. Mit diesem Namensungetüm stimmt der erste rein elektrische Volvo sein treues Publikum auf spannungsreiche Tugenden ein. Nach eigener reichlich komplizierter Nomenklatur kennzeichnen die Schweden mit dem Namenszusatz "Recharge" alle ihre Plug-in-Hybrid-Varianten und benutzen zur Abgrenzung für die rein elektrischen Modelle die Bezeichnung "Pure Electric". P8 steht für ordentlich Potenz für den Vortrieb und AWD ist das gängige Kürzel für Allradantrieb.

Mit Polestar, der Elektro-Performance-Marke der VolvoCarGroup, und der Zhejiang Geely Holding, kommt man sich augenscheinlich nicht ins Gehege. Dort setzt man zwar auch auf Elektromobilität, aber in punkto Design und Sportlichkeit gelten doch andere Maßstäbe. Wenngleich sich der Strom-XC40, der sich mit dem Polestar 2 die Plattform und die Elektrik teilt, mit einem 408-PS-Allradantrieb, 660 Newtonmeter maximalem Drehmoment und einem Sprintwert von 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h nun wirklich nicht verstecken muss.

Äußerlich unterscheidet sich der elektrische XC40 von seinen Brüdern mit Verbrennungsmotor hauptsächlich durch einen geschlossenen Frontgrill. Der Kühlbedarf für ein E-Fahrzeug ist nun mal viel geringer. Außerdem verbessert die Grillabdeckung die SUV-typische schlechte Aerodynamik und trägt einen kleinen Teil zur Antriebseffizienz bei. Den eingeprägten "Recharge"-Schriftzug an der C-Säule und den hochglänzend schwarzen Heckdiffusor hat der Vollzeitstromer wiederum mit allen Volvo XC40 Recharge Modellen gemeinsam.

Das im Unterboden in einem Sicherheitskäfig aus Alu platzierte Batteriepaket hält eine nutzbare Energie von 75 kWh vor, schränkt aber das Raumangebot für Passagiere und Gepäck im Vergleich mit anderen XC40-Modellen spürbar ein. Während die Verbrenner 452 - 1.328 Liter Laderaumvolumen bieten, sind es beim Elektro-XC40 nur 414 bis 1.290 Liter. Gelungener Platzausgleich: Im 31 Liter fassenden Staufach unter der "Motor"-haube lassen sich zwei Ladekabel bequem verstauen.

Wie man es von einem Volvo erwarten darf, schmeichelt das aufgeräumte und hochwertige Interieur Augen und Händen. In den wohl duftenden, mit anthrazitfarbenem Nubuk-Textil-Nappaleder bezogenen Sportsitzen findet so gut wie jede Figur einen guten und bequemen Halt. An der Armaturentafel und Türverkleidung gefallen feine Applikationen aus Alu. Die Fußmatten, Teppiche und der Dachhimmel bestehen zu 97 Prozent aus recyceltem Material.

Einen Startknopf oder ein Zündschloss sucht man dann vergeblich. Dieser Volvo macht es einem viel einfacher. Mit dem Schlüssel in der Tasche öffnet sich das Fahrzeug, man steigt ein, setzt sich, tritt auf die Bremse, drücke den Schaltwahlhebel auf D und es kann losgehen, wenn der Fuß das Bremspedal verlässt. Schon ein leichter Druck auf das rechte Pedal genügt und die beiden jeweils 204 PS starken E-Motoren an Vorder- und Hinterachse wuchten das immerhin 2.2 Tonnen schwere SUV ohne jegliches Schaltruckeln binnen weniger Sekunden auf Tempo 100. Wie inzwischen bei allen neuen Modellen von Volvo üblich, ist bei 180 km/h mit dem Vorwärtsdrang dann Schluss.

Bei eingeschaltetem "One Pedal Drive" übernimmt das Bremsen das Elektroaggregat, wodurch gleichzeitig maximal Energie zurückgewonnen wird. Der Grad der Rekuperation ist stark genug, um nach kurzer Zeit des Eingewöhnens tatsächlich mit nur dem "Gas" - Pedal fahren zu können. Ohne noch groß nachzudenken, lupft man vor und in Kurven den Fuß oder lässt das Auto vor einem geschlossenen Bahnübergang oder vor einer roten Ampel einfach nur ausrollen. Die normale Bremse kommt bei vorausschauender Fahrweise dann tatsächlich kaum noch zum Einsatz.

Das gemeinsam mit Google entwickelt Infotainmentsystem bietet Zugriff auf Funktionen wie den Karten- und Navigationsdienst Google Maps, die Spracherkennung Google Assistant sowie Apps und Services von Drittanbietern wie zum Beispiel Spotify. Beim Eingeben eines Reiseziels - das geht auch über verständnisvolle Sprachsteuerung - zeigt Google Maps an, ob das Ziel mit der verfügbaren Restreichweite erreicht werden kann oder das Fahrzeug unterwegs aufgeladen werden muss. Passende Ladestationen werden direkt angezeigt und auf Wunsch in die Route integriert.

Volvo verspricht für den elektrischen XC40 eine Reichweite von 400 - 418 Kilometern (WLTP) und einen Verbrauch zwischen 23,8 und 25 kW. Ob man damit hinkommt, ist aber immer von Fahrweise, zusätzlich aktiven Verbrauchern an Bord und der Außentemperatur abhängig. In der Stadt und auf der Landstraße zeigt sich der Testwagen mit einem Verbrauch von um die 20 kWh sogar sparsamer als angegeben. Lebt man die sportive Seite des SUV aus oder nutzt seine Anhängerlast von 1.500 Kilogramm, sollte man die Strecken besser nicht zu lang auswählen.

Immer an Bord des elektrischen XC40 ist das Mode-2-Ladekabel (10 Ampere), mit dem die Batterie mit einphasigem Wechselstrom beispielsweise an Haushaltssteckdosen geladen werden kann. Bei einer Ladeleistung von 3,7 kW werden pro Stunde ca. 16 bis 18 Kilometer Reichweite nachgeladen. Das Mode-2-Kabel ist in erster Linie als Zusatzkabel für den gelegentlichen Gebrauch an Hausanschlüssen konzipiert und sollte nicht für das regelmäßige Laden verwendet werden.

Für regelmäßiges Laden mit Wechselstrom (etwa am Arbeitsplatz oder an einer heimischen Wallbox) empfiehlt sich das optionale Mode-3-Kabel, das dreiphasiges Laden mit 16 Ampere ermöglicht; das Bordladegerät erlaubt eine Ladeleistung von maximal 11 kW. Hier lassen sich pro Stunde rund 55 bis 60 Kilometer Reichweite nachladen. An Gleichstrom-Schnellladestationen (CCS) erreicht eine fast vollständig entleerte Batterie binnen 40 Minuten rund 80 Prozent ihrer Kapazität.

Zum Preis von ab 62.000 Euro bekommt man einen fast voll ausgestatteten XC40 Recharge Pure Electric. Für das gleiche Geld gibt es allerdings auch zwei XC40 als Benziner. Selbst nach Abzug der Förderung lassen sich die Schweden die totale Elektrifizierung ihres Bestsellers ordentlich bezahlen.

Solveig Grewe / mid

Technische Daten Volvo XC40 P8 AWD Recharge Pure Electric

- Länge / Breite / Höhe: 4,42 / 1,86 / 1,65 Meter
- Antrieb: 2 Elektromotoren: jeweils 120 kW/204 PS vorne und hinten, 660 Nm maximales Drehmoment
- Batteriekapazität / Reichweite nach WLTP: 78 kWH / 418 km - 400 km
- Ladeleistung DC: bis 150 kW
- Getriebe: Eingang-Automatik
- Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 4,9 sec
- Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h (abgeregelt)
- Stromverbrauch kombiniert: 23,8 - 25 kW/100 km
- Preis: ab 60.200 Euro
- Testwagen-Preis: 71.305 Euro

Der Artikel "Spannender Schwede: Volvo XC40 Recharge Pure Electric" wurde am 14.07.2021 in der Kategorie Fahrbericht von Solveig Grewe mit den Stichwörtern Test, SUV, Elektroauto, Fahrbericht, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

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