Sportwagen

Ford Mustang 2.3 Ecoboost: Der Kopf sagt ja, das Herz schreit nein

28. Oktober 2016, 15:36 Uhr
Thomas Schneider 8
8Ford Mustang 2.3 Ecoboost: Der Kopf sagt ja, das Herz schreit nein
mid Groß-Gerau - Ford bietet den Mustang in der aktuellen Generation auch mit einem kleinen Vierzylinder-Motor an. Kann der dem traditionellen V8 das Wasser reichen? Ford
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Sportwagen sind nun nicht gerade die effizienteste oder wirtschaftlich sinnvollste Art, sich fortzubewegen. Müssen sie auch gar nicht. Denn sie machen Spaß, und deshalb nehmen das die Fahrer meist gerne in Kauf. Doch selbst bei den reinrassigen Freudenspendern wie dem Ford Mustang wird dem Zeitgeist entsprechend im Zuge der Verteufelung ''zu hoher Verbräuche'' fleißig Downsizing betrieben. Verträgt das die Mutter aller Muscle Cars?

Die meisten Dinge, die uns Vergnügen bereiten, sind unvernünftig: Diese Weisheit des französischen Philosophen Montesqieu lässt sich trefflich auf die Autowelt übertragen. So sind Sportwagen nun nicht gerade die effizienteste oder wirtschaftlich sinnvollste Art, sich fortzubewegen. Müssen sie auch gar nicht. Denn sie machen Spaß, und deshalb nehmen das die Fahrer den einen oder anderen Liter Mehrverbrauch meist gerne in Kauf. Doch der Mainstream hat seit Jahren "unnötig" hohe CO2-Emissionen und Verbräche von Autos auf dem Kieker. "Das muss doch auch sparsamer gehen".

Die Konsequenz: Selbst bei reinrassigen automobilen Freudenspendern steht der Sinn und Zweck von großvolumigen Motoren auf dem Prüfstand. Downsizing ist schon seit einiger Zeit schwer angesagt - aktuelles Beispiel sind die Mittelmotor-Boliden von Porsche, und hat auch vor der Mutter aller Muscle Cars nicht haltgemacht. Neben dem traditionellen V8-Sauger steht für den Ford Mustang in der erstmalig auch in Europa angebotenen aktuellen Generation ein 2,3 Liter großer Vierzylinder mit Turbolader zu Wahl. Aber passt der wirklich zu einem solchem Wagen und verbraucht er tatsächlich deutlich weniger Kraftstoff? Der mid hat die US-Legende beherzt und erwartungsfroh gefahren.

Der erste Eindruck nach dem Einsteigen ist äußerst positiv. Fahrer und Beifahrer nehmen in bequemen Ledersesseln von Recaro Platz und das Cockpit ist anders als bei den Vorgänger-Modellen keine triste Plastik-Wüste mehr. Es ist modern gestaltet, mit reichlich Chromverzierungen an Lüftungsdüsen und Schaltern versehen und vor allem auch für europäische Verhältnisse ordentlich verarbeitet. Das Multifunktions-Lederlenkrad liegt prima in der Hand und das Infotainment-System mit großem 8-Zoll-Touchscreen ist zeitgemäß.

Die erste Ernüchterung folgt nach dem Druck auf den rot umrandeten Startknopf, denn der Sound des Ecoboost-Turbomotors kann naturgemäß mit dem Mustang-typisch brabbelnden Achtzylinder nicht mithalten. Er klingt nicht schlecht, aber - zumindest in den Ohren von Puristen - nicht authentisch in einem Muscle-Car. Dieser Eindruck setzt sich auf der Fahrt fort. Auch wenn das Aggregat 317 durchaus muntere Pferdchen und maximal 432 Newtonmeter Drehmoment bereitstellt: Ein Vierzylinder bleibt ein Vierzylinder, bleibt ein Vierzylinder. Gefühlt liegen nicht 104 PS sondern Welten zwischen diesem Motor und dem 5,0-Liter-V8 mit 421 PS und 530 Nm.

Sehr gut gefällt dagegen das Fahrwerk, das in der aktuellen Auflage erstmals mit Einzelradaufhängung an beiden Achsen aufwartet. Der Mustang liegt gut auf der Straße und lässt sich auch durch schlechten Untergrund nicht aus der Ruhe bringen, die Kurvenlage ist gut. Komfort-Einbußen ergeben sich allerdings durch die ab Tempo 120 sehr deutlich wahrnehmbaren Windgeräusche. Mehr als einmal stellte sich die Frage: Ist das Fenster wirklich komplett geschlossen?

Die zweite "Sünde" ist die im Testwagen eingebaute, träge 6-Stufen-Automatik, wenngleich die traditionell im Mustang angeboten und von Amerikanern seit jeher auch gerne geordert wird. Sie beraubt das automobile Wildpferd aber um weite Teile seiner Sportlichkeit und schmälert das Fahrerlebnis. Allenfalls für Käufer, die den Mustang ausschließlich aus optischen Gründen in Erwägung ziehen und ihn regelmäßig im dichten Stadtverkehr bewegen wollen, kann dieses Getriebe eine gute Alternative sein. Allen, die es bei der Wochenendausfahrt auch mal krachen lassen wollen und für die der Fahrspaß im Vordergrund steht, sei die knackige 6-Gang-Handschaltung ans Herz gelegt.

Kommen wir zum Thema Verbrauch: Laut Norm kommt der gefahrene Mustang mit Vierzylinder und Automatik mit 9,9 Liter Superbenzin aus. Das ist in der Praxis nur bei sehr bedächtiger Fahrweise realistisch, aber es möglich. Bei forcierter Gangart genehmigt sich der Motor - wie üblich bei Turbos - dann aber einen großen Schluck mehr aus dem Tank. Mit 13 bis 14 Liter ist dann schon zu rechnen. Deutlich mehr ist es beim V8 aber auch nicht, der mit 12,0 Litern (Automatik) und 13,5 Liter (Schaltgetriebe) angegeben ist. Wenn es also schon aus Gründen der Wirtschaftlichkeit der Vierzylinder sein soll, dann die Version mit Schaltgetriebe, die 8,0 Liter als Normwert aufweist.

Was bleibt, ist der Eindruck eines Autos mit enormer Faszinationskraft. Kleine Schwächen verzeiht man dem automobilen Rebellen gerne, nicht nur wegen des vergleichsweise günstigen Preises ab 35.000 Euro (37.000 Euro mit Automatik). Der Mustang ist ein Auto fürs Herz, seine Ecken und Kanten machen ihn authentisch. Dazu gehört dann aber bitte auch der dicke V8 unter die muskulöse Haube. Der Vierzylinder mag das modernere Aggregat sein, aber er ist beim Mustang klar die zweite Wahl. Vielleicht sind es Phantom-Schmerzen, die den Enthusiasten beim kleineren Modell peinigen. Aber auch die tun weh.

Thomas Schneider/mid

Technische Daten Ford Mustang 2.3 Ecoboost Automatik:
Zweitüriger Sportwagen mit vier Sitzplätzen, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,78/1,92/1,38/2,72, Kofferraumvolumen: 408 l, Leergewicht: 1.653 kg, max. Zuladung: n.a., Tankinhalt: 59 l.
Antrieb: Vierzylinder-Turbobenziner, Hubraum: 2.261 ccm, max. Leistung: 231 kW/314 PS bei 5.500/min, max. Drehmoment: 434 Nm bei 3.000/min, 0-100 km/h: 5,8 s, Höchstgeschwindigkeit: 234 km/h, 6-Stufen-Automatikgetriebe, Normverbrauch: 9,9 l Benzin/100 km, CO2-Emission: 228 g/km, Testverbrauch: 12,4 l Benzin/100 km, Hinterradantrieb, Preis: ab 37.000 Euro.

Der Artikel "Ford Mustang 2.3 Ecoboost: Der Kopf sagt ja, das Herz schreit nein" wurde am 28.10.2016 in der Kategorie Fahrbericht von Thomas Schneider mit den Stichwörtern Sportwagen, Fahrbericht, Turbolader, Automatik, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

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