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Heck getrieben: Audi R8 Spyder RWD im Test

9. April 2021, 14:38 Uhr
Solveig Grewe 9
9Heck getrieben: Audi R8 Spyder RWD im Test
mid Soest - In 3,8 Sekunden soll der Audi R8 mit der hinten angetriebenen Achse aus dem Stand auf Landstraßentempo beschleunigen. Solveig Grewe / mid
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Kein Audi versteht es mehr, Augen zu verdrehen als der Supersportler R8. Zumal in der offenen Version als Spyder. Seit 2020 bietet Audi die überarbeitete zweite Generation des R8 alternativ zum Quattro-Antrieb auch mit Heckantrieb (RWD). Wie sich dieses Konzept aus Zehn-Zylinder-Mittel-Motor mit 540 PS für nur eine Achse auf der Straße anfasst, hat der Motor-Informations-Dienst (mid) ausprobiert.


Kein Audi versteht es mehr, Augen zu verdrehen als der Supersportler R8. Zumal in der offenen Version als Spyder. Seit 2020 bietet Audi die überarbeitete zweite Generation des R8 alternativ zum Quattro-Antrieb auch mit Heckantrieb (RWD) an. Wie sich dieses Konzept aus Zehn-Zylinder-Mittel-Motor mit 540 PS für nur eine Achse auf der Straße anfasst, hat der Motor-Informations-Dienst (mid) ausprobiert.

Wer bei diesem Anblick keine Emotion zeigt, muss aus Stein oder Eis sein. Denn die muskelbepackte Figur in unübersehbarem Dress in Arablau strotzt schon im Stand und geduckt auf der Straße vor opulenter Kraft. Mit einem Gewicht von 1.695 Kilogramm ist der RWD 55 Kilogramm leichter als der Quattro-Spyder. Auch er trägt den Singleframe-Grill breit im Gesicht und die für die Luftzufuhr zum Motor verantwortlichen Sideblades in den Flanken. Schwarz glänzende Audi-Ringe vorne und der Schriftzug am Heck setzen Zeichen ebenso wie die beiden fetten Auspuffrohre, aus denen Tennisbälle mit Leichtigkeit abzufeuern wären.

Innen wartet ein Audi-typisch aufgeräumtes Cockpit mit hochwertigen und sorgfältig verarbeiteten Materialien. Moderner Purismus, digitalisiert nur, soweit nötig. Die Sportsitze liegen tief, sind mit Alcantara und Leder bespannt und halten fest, ohne einzuzwängen.

Sofort wird klar, dass der R8 lieber durch Kurven scheucht als schlendert. Damit auch der Beifahrer sich darauf einrichtet, glänzt vor ihm eine "RWD"-Plakette. Hinter den Sitzen bleibt keine Handbreit Platz. Alles, was unbedingt mitkommen soll, muss in den Kofferraum. Und der fällt mit 112 Litern Volumen rekordverdächtig klein aus. Dieses Auto hat keinen Nutzwert, oder nur einen: Das Erlebnis von Geschwindigkeit und Dynamik. Frischluft-Fanatiker können es auf Knopfdruck binnen 20 Sekunden auch oben ohne genießen.

Ein Druck auf den signalroten Startknopf im Lenkrad, und der Zehnzylinder überfällt die Gehörgänge nach einer mikroskopischen Gedenksekunde mit einem bösen Grollen. Musik in den Ohren von Sportwagenfans, aber nicht jedermanns Sache. Da braucht es schon tolerante Nachbarn.

540 Pferde hinter den beiden Sitzen scharren ungeduldig und nach dem akustischen Start-Inferno dann deutlich gemäßigter mit den Hufen. Fokussiert geht es zunächst im Stadtverkehr über die Kanaldeckel im Kopfsteinpflaster, die das Fahrwerk im Comfort-Modus erstaunlich routiniert glattzubügeln weiß. Sehr überzeugend, wie der Flitzer im Alltagstrott frei von Härte und Hibbeligkeit mitfährt.

Dann der Kontrast im Dynamik-Modus: Hier schüttelt es von der Straße in die Passagierzelle wie im Cocktail-Shaker, und ein gegen Orkanstärke anschwellender Sound macht die Sache jetzt wirklich rund. Die Siebengang-Automatik legt den zackigsten Stechschritt ein und dreht die Gänge entsprechend rauf und runter. Wer jetzt mit dem Fuß "go" fordert, fährt Achterbahn in der Ebene. Das Kreuz drückt sich in die Sitzlehne und die Augäpfel in die Höhlen. Ganz zu schweigen von der Massage des Trommelfells.

Auf der trockenen Autobahn, bei weitgehend freier Sicht und mit geschlossenem Dach, schneidet der R8 durch den ehrfürchtig weichenden Verkehr wie ein heißes Messer durch die Butter. Auf dem voll digitalen Bildschirm erscheint neben den Anzeigen für Leistung und Drehmoment flugs die Zahl 270. Mehr lassen die Winterreifen auch nicht zu. So nahe am Limit fixieren sich die Augen besser auf den Asphalt, über den es im Tiefflug geht. Vielleicht verzichtet Audi deswegen auf einen zusätzlichen Touchscreen über der Mittelkonsole, der nur ablenken würde.

Wahre Lust kommt auf der Landstraße auf. Aber ja, ein wenig zuckt das Heck schon, wenn man stark in die Kurve einbremst. Doch der R8 RWD bleibt mit Respekt behandelt auch dann gut beherrschbar und lässt sich mit Gas und Lenkung chirurgisch präzise an die Eckpunkte seiner Fahrdynamik lenken. Das macht den Audi R8 auch ohne Allrad zum aufregenden, aber ausgeglichenen Begleiter für die meisten Situationen des Alltags, zu deren Bewältigung er sich im Schnitt 15 Liter je 100 Kilometer genehmigt.

Wer mindestens 157.000 Euro locker machen kann, sollte schnell zugreifen. Wenn es überhaupt einen Nachfolger des Audi R8 geben wird, dann dürfte der vor dem Hintergrund der immer strenger werdenden Emissionsregeln der EU elektrifiziert werden und vielleicht nicht mehr mit einem Zehnzylinder kommen.

Solveig Grewe / mid

Technische Daten Audi R8 V10 RWD Spyder

- Länge / Breite / Höhe: 4.42 / 1,94 / 1.42 Meter

- Motor: Zehnzylinder Benziner

- Hubraum: 5.204 ccm

- Leistung: 397 kW / 540 PS

- max. Drehmoment: 540 Nm

- Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe

- Beschleunigung: 0 bis 100 km/h in 3,8 sec.

- Höchstgeschwindigkeit: 320 km/h

- Kraftstoffverbrauch : 12,4 l / 100 km

- C02-Emissionen : 283 g / km

- Preis: ab 157.000 Euro

- Testwagenpreis: 170.159,00 Euro

Der Artikel "Heck getrieben: Audi R8 Spyder RWD im Test" wurde am 09.04.2021 in der Kategorie Fahrbericht von Solveig Grewe mit den Stichwörtern Sportwagen, Luxus, Praxistest, Fahrbericht, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

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