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Audi e-tron: Endlich geht es los

6. Dezember 2018, 07:23 Uhr
Rudolf Huber 10
10Audi e-tron: Endlich geht es los
mid Abu Dhabi - Der Audi e-tron kann auf der Bergstrecke des Jebel Hafeet in Abu Dhabi seine vielen Kilos nicht verleugnen. Audi
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An Ankündigungen über die Elektroauto-Pläne der deutschen Hersteller herrschte die letzten Jahre kein Mangel. Aber am Vollzug, am kauf- und fahrbaren Produkt. Das ändert sich jetzt. Denn mit dem Audi e-tron kommt Anfang nächsten Jahres endlich ein echter Stromer made in Germany zu den Händlern. Er ist kein Sonderangebot. Er ist ein SUV. Und er ist ziemlich gut gelungen - so das Resultat erster ausführlicher Testfahrten.


An Ankündigungen über die Elektroauto-Pläne der deutschen Hersteller herrschte die letzten Jahre kein Mangel. Aber am Vollzug, am kauf- und fahrbaren Produkt. Das ändert sich jetzt. Denn mit dem Audi e-tron kommt Anfang nächsten Jahres endlich ein echter Stromer made in Germany zu den Händlern. Er ist kein Sonderangebot. Er ist ein SUV. Und er ist ziemlich gut gelungen - so das Resultat erster ausführlicher Testfahrten.

Ziemlich gut - das klingt nach Einschränkung. Dazu später mehr. Erst einmal: Das Positive überwiegt deutlich. Die wichtigste Erkenntnis nach mehreren hundert Kilometern durch Städte, Wüsten und gewundene Bergstrecken des Emirats Abu Dhabi ist vielleicht die, dass der e-tron bei all der neuen Technik so angenehm unspektakulär ist. Er ist ein Audi-SUV auf hohem Qualitätsniveau, mit allem ausgestattet, was das Fahren sicherer und komfortabler macht. Im Format zwischen Q5 und Q7 - und halt mit zwei E-Motoren statt mit einem Benziner oder Diesel. Stromer werden ganz normal - bei dieser Entwicklung soll der jüngste Spross aus Ingolstadt einen wichtigen Beitrag leisten.

Damit wären wir natürlich ansatzlos beim Thema Alltagstauglichkeit, sprich: Reichweite. Über 400 Kilometer schafft der E-Audi dank seiner fetten 95 kWh-Akkus laut Audi am Stück. Das klappt, wenn die Reise eher sehr gemächlich angegangen wird. Im Alltag, so das Ergebnis der ersten Testfahrten, sind gut 300 Kilometer problemlos zu schaffen, auch ohne allzu große Zurückhaltung am Strompedal. Der Bordcomputer zeigte letztlich einen Verbrauch von 27,6 kW je 100 Kilometer an, die Normwerte liegen je nach Ausstattung zwischen 22,5 und 26,2 kWh/100 km . Beim Rekuperieren ist Audi ganz vorne mit dabei, die Bremswirkung der Generatoren kann an den Schaltpaddeln am Lenkrad dosiert werden, auch beim Bremsen landet Energie im Akku - und zwar in 90 Prozent aller Verzögerungsvorgänge. Zur Reichweite soll das Strom-Recycling mit rund 30 Prozent beitragen - ein vergleichsweise hoher Wert.

Bremsen und rekuperieren ist ja recht und schön. Aber wie erledigt der e-tron das Gegenteil davon, das Beschleunigen und Energieverbrauchen? Dank der zwei E-Motoren mit insgesamt 205 kW/279 PS und einem maximalen Drehmoment von satten 561 Newtonmeter lassen sich die rund 2.500 Kilo des E-SUV locker in Bewegung setzen. Ein leichtes Sirren begleitet den höchst vergnüglichen Vorgang. Wer es besonders eilig und genug Saft zur Verfügung hat, kann per Boost-Funktion 300 kW/408 PS und 664 Newtonmeter aktivieren. Das verkürzt den Sprint auf 100 km/h um 0,9 auf 5,7 Sekunden. Bei 200 Sachen ist Schluss. Insgesamt vermittelt der e-tron ein Gefühl großer Souveränität, nicht das einer E-Rakete auf Rädern. Raketenschnell geht dagegen das Tanken vor sich, zumindest, wenn einer der immer noch sehr raren Schnelllader verfügbar ist. Der pustet nämlich bis zu 150 kW in die Akkus, das sorgt für eine 80 Prozent-Füllung in nur 30 Minuten.

Diverse Fahrprogramme bis hin zum Offroad-Modus sorgen dafür, dass der mit komfortabler Luftfederung und elektrischem Quattro-Antrieb ausgestattete e-tron von der Autobahn bis hin zum leichten Gelände eine rundum gute Figur macht. Von soft bis straff reicht das Repertoire, die um rund acht Zentimeter verstellbare Höhe schafft auf schlechten Straßen Schutz für den Stromtank, der als rund 700 Kilo schweres, zwei Meter langes und rund 1,60 Meter breites Paket zwischen den Achsen sitzt und für den tiefen Schwerpunkt und die satte Straßenlage zuständig ist. Ein Kurvenfresser ist der e-tron trotz aller klug eingesetzten Elektronik nicht, auf einer extrem gewundenen Bergstrecke machten sich seine Kilos doch recht deutlich bemerkbar.

Platz gibt es im e-tron reichlich, Komfort auch - und das Design ist außen wie innen typisch Audi mit dezenten Hinweise darauf, dass man in einem Auto der Zukunft unterwegs ist. Die Materialien und deren Verarbeitung sind auf dem gewohnten Niveau, je nach Geschmack lässt sich der Stromer von sportlich bis sehr fein ausstaffieren. Die Bedienung erweist sich als einfach - wer sich bei einem aktuellen Audi auskennt, kommt auf Anhieb auch mit dem e-tron klar.

Digitale Instrumente sind eine Selbstverständlichkeit, der Schalthebel wie aus dem Flugzeug-Cockpit wirkt ein bisschen übertrieben - Tasten hätten es auch getan. Dank des 60 Liter großen Frunks, also des vorderen Kofferraums für Ladekabel und sonstigen Kleinkram, passen insgesamt 660 Liter Ausrüstung ins Auto, als Zweisitzer kann der Elektriker bis zu 1.725 Liter transportieren. Die MMI-Navigation plus ist serienmäßig installiert, ein LTE-WLAN-Hotspot ist auch drin, ebenso Online-Services wie ein auf den Stromer spezifizierter Routenplaner.

Eine neue Option konnte beim ersten Kennenlernen nicht wirklich überzeugen: Kameras statt Außenspiegel. Sie schauen je nach Geschmack cool oder etwas seltsam aus, übertragen ihre Aufnahmen auf Amoled-Bildschirme vorne an den Türen. Und sie sind vor allem eines: sehr gewöhnungsbedürftig. Denn der schnelle Blick in den Rückspiegel landet automatisch auf der Kamera. Bis das Auge umgeswitcht und das Bild im Gehirn richtig einsortiert hat, vergeht viel Zeit. Sonne, Wolken, Nacht - wir haben alles ausprobiert. Und raten Interessenten: Ehe die Option (rund 1.500 Euro) angekreuzt wird, sollte sie unbedingt ausgiebig getestet werden.

Das Fazit: Der e-tron schlägt ein neues Kapitel auf, er ist das erste wirklich alltagstaugliche E-SUV eines deutschen Premium-Herstellers und er ist nach dem ersten Eindruck ein wirklich gelungenes Fahrzeug. Allenfalls der Jaguar I-Pace ist aktuell auf vergleichbarem Niveau unterwegs, für das Model X von Tesla dürfte die Luft jetzt ziemlich eng werden. Auch preislich, denn der e-tron startet bei 79.900 Euro, der US-Stromer kratzt knapp unterhalb der 100.000 Euro-Schallmauer.

Rudolf Huber / mid

Technische Daten Audi e-tron

Fünfsitziges und fünftüriges Elektro-SUV, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Millimeter: 4.901/1.935, m. Spiegel 2.192/1.616/2.928, Leergewicht: 2.565 kg, zul. Gesamtgewicht: 3.130 kg, Wendekreis: 12,2 m, Kofferraum-Volumen: 660 bis 1.725 l, max. Anhängelast:1.800 kg, Preis: ab 79.900 Euro.

Antrieb: Je eine E-Maschine an Vorder- und Hinterachse, Systemleistung: bis zu 300 kW/408 PS, max. Drehmoment: 664 Nm, Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h 6,6 Sekunden, im Boost-Modus: 5,7 Sekunden, Batterie-Energiegehalt: 95 kWh, Stromverbrauch kombiniert (ausstattungsabhängig): 26,2 - 22,5 kWh/100 km, Ladeleistung: bis 150 kW, Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h (abgeregelt), Reichweite nach WLTP: bis zu 417 km.

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