Fahrbericht

BMW R nineT: Agile Tradition auf zwei Rädern

23. Januar 2014, 19:13 Uhr
Thilo Kozik (vm) 5
5BMW R nineT: Agile Tradition auf zwei Rädern
mid Almeria/Spanien - viel Kurvenspass ermöglicht die neue BMW R nineT. BMW
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BMW zählt zu den traditionsreichsten Motorradherstellern der Welt.

BMW zählt zu den traditionsreichsten Motorradherstellern der Welt. Doch haben die Münchener bislang kein Kapital aus dieser Historie schlagen können. Das soll die brandneue R nineT ändern: Dieser klassische Roadster wirkt in Design und Technik wie eine Zeitreise durch sämtliche Epochen der BMW-Motorradgeschichte. Vermutlich pilgerte das Entwicklungsteam für die richtige Inspiration zum heiligen Gral der BMW-Geschichte: ins firmeneigene Museum, wo die "Mobile Tradition" aufbewahrt wird.

Kein Wunder also, wenn der klassische Roadster zahlreiche Merkmale der reichen Vergangenheit aufweist: allen voran natürlich den seit 1923 verbauten längs liegenden Zweizylinder-Boxermotor. Dieser macht die nineT zu so etwas wie einem lebenden Fossil. Denn als letztes Modell der aktuellen Palette bewahrt sie den luft-/ölgekühlten Antrieb, wo die übrigen BMW-Boxer den flüssigkeitsgekühlten Antrieb verwenden. Dieser sieht einfach besser aus, und beim Fahrspaß braucht niemand Einbußen zu befürchten: Aus 1170 Kubikzentimeter Hubraum holt der Motor 81 kW/110 PS bei 7750/min und ein maximales Drehmoment von 119 Nm bei 6000/min. Die Kraftübertragung erfolgt traditionell per Sechsganggetriebe und Kardanantrieb zum Hinterrad. Für den hohen fahrdynamischen Anspruch kommt in der nineT die kürzere Endübersetzung aus dem ehemaligen "Sport-Boxer" R 1200 S zum Einsatz.

Laufruhig, durchzugsstark und sehr kultiviert passt der Vierventil-Boxer wie die Faust aufs Auge der nineT. Er setzt Vortriebsbefehle exakt und verzögerungsfrei um und schiebt sogar noch in der zweiten Hälfte des Drehzahlbands deutlich nach vorn. Dabei betört ein besonders satter, sonorer Boxer-Sound aus dem linksseitigen Doppel-Auspuff. Dieser setzt mit seiner gestrahlten Edelstahlfläche auch optisch einen Schwerpunkt. Abgesehen von der hier verwendeten Akustikklappe und dem serienmäßigen ABS widersetzt sich die nineT dem Trend zu elektronischen Schmankerln wie verschiedenen Fahrmodi.

Ins Auge fällt auch die goldene Upside-Down-Gabel, wo bei den anderen Boxern ein Telelever verbaut ist. Die Hinterradführung übernimmt typischerweise eine Paralever-Einarmschwinge mit Zentralfederbein. Das Einstellrad für die Vorspannung ist dabei nutzerfreundlich wunderbar zugänglich. Die klassische Optik wäre aber nicht perfekt ohne die Drahtspeichenräder mit schwarz eloxierten Felgenringen, den Aluminiumradnaben sowie den Edelstahlspeichen.

Das reduzierte Design erinnert an die puristischen Roadster und Café Racer der 60er- und 70er-Jahre. Zusammen mit einer Vielzahl liebevoller und aus authentischen Materialien gefertigten Details wird aus der nineT ein ebenso emotionales wie hochwertiges Schmuckstück. Dazu gehört das 18-Liter-Spritfass, ein aus sieben Blechen verschweißter Aluminiumtank, aufwändig von Hand gebürstet, oder die den Ansaugschnorchel verbergende Aluminiumblende mit geprägtem nineT auf der rechten Motorseite. Aluminiumschmiedeteile wie die Gabelbrücken oder die Lenkerklemmung mit "BMW Motorrad"-Schriftzug kommen hinzu. Oder der echt-metallene Rundscheinwerfer mit zentral auf der Glühlampenabdeckung angebrachtem BMW-Emblem. Hier kann sich das klassische Auge kaum sattsehen, auch wenn es immer noch Spielraum für Optimierungen gibt. Beispiel: die Baukasten-Bedienelemente wirken geradezu lieblos.

Um den vielen verschiedenen Vorstellungen bei Aussehen und Gestalt gerecht zu werden, geht BMW bei der nineT völlig neue Wege: Schon beim Konzept wurden Customizing und damit Individualisierbarkeit berücksichtigt, wie ein modulares Rahmenkonzept mit demontierbarem Soziusrahmen belegt. Nach Demontage des achtfach verschraubten Soziusrahmens entsteht durch einen Aluminiumhöcker (395 Euro) der typische Look eines Café Racers im Solobetrieb. Die Bandbreite fürs individuelle Customizing ist riesengroß - sei es mit BMW Originalteilen oder dem Angebot aus dem Zubehörhandel.

Doch die nineT ist beileibe kein Design-Stück, sie hält die weiß-blaue Fahne auch im kurvigen Revier hoch. Mit ihren 222 Kilo ermöglicht sie unkomplizierten, sportlichen Fahrspaß. Sie platziert ihren Fahrer in einer "Pack-den Stier-bei den-Hörnern"-Haltung an die breite Lenkstange. So verbessert man das Gefühl fürs Vorderrad und die Lenkeigenschaften. Präzise und stabil pfeilt sie durch die Radien, jederzeit gut kontrollierbar, aber ein Ausbund an Handlichkeit ist sie nicht - doch das waren die Vorbilder der Café Racer-Ära auch nicht. Im Gegensatz zu diesen sorgen radial montierte 4-Kolben-Monoblock-Bremssättel an der Doppelscheibenanlage vorn für eine tadellose Verzögerung, serienmäßig ABS-bewehrt.

Ab März steht der authentische und dennoch moderne Klassik-Roadster zu 14.500 Euro für das Basismodell mit Doppelsitzbank beim Händler. Das ist nicht wenig, und mit individuellem Customizing schnellt der Preis schnell weiter in die Höhe. Doch mit ihrem zeitlosen Design, den feinen Details und wertigen Materialien gibt die nineT ein starkes Statement ab.

Thilo Kozik/mid

Technische Daten BMW R nineT:
Straßenmotorrad mit luft-/ölgekühltem Zweizylinder-Boxermotor, vier Ventile pro Zylinder, zwei obenliegende Nockenwellen; 1 170 ccm Hubraum; Leistung: 81 kW/110 PS bei 7 750/min; max. Drehmoment: 119 Nm bei 6 000/min; elektronische Einspritzung, G-Kat (Euro 3); Sechsgang-Getriebe; Kardanwelle; Stahl-Gitterrohrrahmen; USD-Telegabel; Aluminium-Einarmschwinge mit Kardanwelle (Paralever) und Zentralfederbein; zwei Scheibenbremsen vorn, eine hinten; ABS; Reifen vorne: 120/70 ZR17, hinten: 180/55 ZR17; Sitzhöhe 785 mm; Leergewicht 222 kg, zul. Gesamtgewicht 430 kg, Tankinhalt 18 l, Preis 14 500 Euro.

Der Artikel "BMW R nineT: Agile Tradition auf zwei Rädern" wurde am 23.01.2014 in der Kategorie Fahrbericht von Thilo Kozik (vm) mit den Stichwörtern Motorrad, Fahrbericht, Fahrbericht, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

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