Elektromobilität

Millionen-Abzocke an öffentlichen Ladestationen?

22. Dezember 2022, 12:55 Uhr
Solveig Grewe
Offenbar werden Kunden an der Ladestation abgezockt, denn die Ladesäulenanbieter kassieren Treibhausgasminderungsquoten (THG-Quoten) in Millionenhöhe - ohne dass sich dies auf die Preise beim Laden auswirkt. Der Bundesverband Betriebliche Mobilität e. V. (BBM) sieht ein großes Versäumnis des Staates bei Vorgaben für Betreiber der Ladesäulen.


Offenbar werden Kunden an der Ladestation abgezockt, denn die Ladesäulenanbieter kassieren Treibhausgasminderungsquoten (THG-Quoten) in Millionenhöhe - ohne dass sich dies auf die Preise beim Laden auswirkt. Der Bundesverband Betriebliche Mobilität e. V. (BBM) sieht ein großes Versäumnis des Staates bei Vorgaben für Betreiber der Ladesäulen.

"Förderungen des Staates müssen Anreize setzen und sollten - wenn schon - so eingesetzt werden, dass es die Richtigen bekommen", betont BBM-Geschäftsführer Axel Schäfer. Aufgrund der Energiekrise steigen die Preise für Strom deutlich an, das wirkt sich auch auf die Kosten für das Laden von Elektrofahrzeugen aus, was alle privaten und gewerblichen Elektroautonutzer betrifft.

Der BBM nahm kürzlich Stellung zur angekündigten Preiserhöhung von Ladesäulenanbietern und forderte die Politik auf, die Strompreisbremse auch an Ladesäulen geltend zu machen. Jetzt sieht sich der Mobilitätsverband gezwungen, auch die Ladesäulenanbieter zum Handeln aufzufordern. "Die großen Ladesäulenanbieter beziehen THG-Quoten in Millionenhöhe. Da erwarten wir einfach aus Fairnessgründen, dass sie das eingenommene Geld durch Preisminderungen an die Kundinnen und Kunden weitergeben - und nicht stattdessen die Preise sogar noch erhöhen", mahnt Schäfer.

Die THG-Quote ist ein Klimaschutzinstrument zur Senkung des CO2-Ausstoßes. Mineralölkonzerne müssen ihre Emissionen jedes Jahr um einen gewissen Prozentsatz mindern, ansonsten drohen Strafzahlungen. Alternativ zur Reduzierung können sich Unternehmen am Zertifikathandel beteiligen und THG-Quoten kaufen. Diese werden für Elektrofahrzeuge oder das Betreiben von Ladesäulen ausgezahlt.

Das bedeutet, dass Ladesäulenanbieter für jede Ladesäule Geld erhalten - derzeit zwischen 15 und 20 Cent pro Kilowattstunde. "Die THG-Quote für Ladesäulen liegt dieses Jahr bei rund 50 Millionen Euro. Große Anbieter, die etwa 30 Millionen Kilowattstunden verkaufen, erhalten dafür ungefähr fünf bis sechs Millionen Euro. Ladesäulenbetreiber würden also doppelt kassieren, argumentiert Schäfer.

"Um potenzielle Elektroauto-Käufer nicht vollends abzuschrecken, sollten die Preise in einem fairen Rahmen gehalten werden. Das ist derzeit nicht der Fall. Der Tarifdschungel und die Hochpreisanbieter tragen noch immer dazu bei, dass viele vor dem Umstieg auf die Elektromobilität zurückschrecken.

Wenn sich jetzt nichts änderte, könne man die Mobilitätswende gleich vergessen. Die Ladesäulenanbieter sollten von Preiserhöhungen absehen und die THG-Quote an Unternehmen und Privatkunden weitergeben, unterstreicht Schäfer. Diese sollten auch die Nutznießer sein, denn ohne ihre Investition in die Elektromobilität gäbe es auch niemanden, der die Ladesäule benutze.

Der Artikel "Millionen-Abzocke an öffentlichen Ladestationen?" wurde am 22.12.2022 in der Kategorie New Mobility von Solveig Grewe mit den Stichwörtern Elektromobilität, Ladestation, Förderung, Verbraucher, New Mobility, veröffentlicht.