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Sommerreifen - Hat Continental das Rad neu erfunden?

14. September 2021, 12:31 Uhr
Klaus Brieter 9
9Sommerreifen - Hat Continental das Rad neu erfunden?
mid Hannover - Schaustück: Der neue ,,SportContact" zum Anfassen vorbereitet. Continental
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Die siebte Generation des Continental Sommerreifens 'SportContact' überrascht bei den unterschiedlichsten Anforderungen mit deutlich verbesserten Ergebnissen.


Die siebte Generation des Continental Sommerreifens "SportContact" überrascht bei den unterschiedlichsten Anforderungen mit deutlich verbesserten Ergebnissen. Die Farbe? Weiterhin schwarz. Die Form? Nach wie vor rund. Das Material? Wie bisher Kautschuk, Textilkord, Kunstfasern, Chemikalien und Stahldraht. Das Ergebnis? Eine kleine Sensation.

Natürlich ist es übertrieben, davon zu sprechen, dass der deutsche Reifenhersteller Continental das Rad neu erfunden hat. Allerdings haben die Entwickler mit der siebten Generation ihres Sommerreifens "SportContact" die Fahreigenschaften spürbar in eine höhere Dimension gerollt.

Der Reifentyp ist speziell für Limousinen mit sportlichen Ansprüchen vorgesehen, die auf Felgen der Dimensionen zwischen 19 und 23 Zoll über den Asphalt rollen. Ab Herbst 2021 sind insgesamt 42 Artikel lieferbar, weitere werden folgen. Außerdem soll die Technologie, die dem Pneu innewohnt, zukünftig auch andere Produktlinien des Herstellers erfassen.

Zunächst klingt die Aussage von Prof. Dr. Burkhard Wies, bei dem die Fäden der Reifen-Entwicklung bei Continental weltweit zusammenlaufen, wie ein typischer Marketing-Spruch: "Im Mittelpunkt unserer Entwicklung stand, dass wir den besten sportlichen Sommerreifen im Markt für jede Fahrzeugklasse haben wollten."

Aber schließlich muss Wies Farbe bekennen. Denn die Fachjournalisten, die sich zur Präsentation des neuen Reifens eingefunden haben, wollen sich von den Beweisen für das Versprechen selbst überzeugen - ganz real auf der Straße. Bei den Testfahrten mit dabei: mid-Autor Klaus Brieter, der auf dem Contidrom bei Hannover den direkten Vergleich zwischen dem bisherigen und dem neuen "SportContact" zieht.

Die erste Überraschung stellt sich beim Bremsen auf nasser Fahrbahn ein. Bei diesem Versuch wird das Auto bei 80 km/h brutal bis zum Stillstand abgebremst. Nach den jeweils drei Messungen beim Test wirft der Computer eine Verbesserung von acht Prozent aus. Das bedeutet: Mit dem "SportContact 7" spart das Auto bei Tempo 80 im Vergleich zur sechsten Generation bis zu rund vier Meter Bremsweg ein: Das ist ein deutlicher Sicherheitsgewinn.

Auf dem kurvenreichen Handlingkurs des Testgeländes muss der Reifen zeigen, wie er sich bei extremen Fahrmanövern mit der Straße verzahnt. Bei der Suche nach optimalen Rundenzeiten sind in kurzer Taktfolge Beschleunigen, Bremsen und Einlenken an der Driftkante angesagt. In dieser Disziplin überzeugt der Neuling mit seiner klaren Rückmeldung von der Straße und nahezu unerschütterlicher Haftung im Grenzbereich.

Der gerade endende Sommer mit seinen üppigen Niederschlägen hat gezeigt, was es bedeutet, wenn ein Reifen auch bei nasser Fahrbahn willig der Lenkung folgt. Eine Königsdisziplin beim Reifentesten. Auch hier überrascht der neue SportContact. Während beim Vorgänger - der bisher bei unabhängigen Reifentests regelmäßig zu den Spitzenreitern gehörte - in den Kurven bei zunehmender Geschwindigkeit reichlich Korrekturen mit dem Lenkrad fordert, bleibt der neue Reifen souverän: Er fährt exakt dorthin, wohin man lenkt.

Nicht zu verifizieren (weil dafür ein Testtag einfach nicht reicht) ist das Versprechen, dass der "Wunderreifen" bei der Lebensdauer sogar um 17 Prozent zulegt. Continental beziffert diesen Wert nach entsprechenden Dauerversuchen, die der Freigabe für ein neues Produkt immer vorangehen.

Warum sind die prüfbaren Resultate so sensationell? Weil es selten gelingt, einen neuen Reifen so abzustimmen, dass er bei allen Kriterien deutlich punktet. In der Regel geht ein namhafter Zuwachs bei einem Entwicklungsziel auf Kosten eines anderen. Oder dort ist der Status Quo nur mühsam zu halten.

Da stellt sich die Frage, welche abweichenden Merkmale vom "alten" Modell die Eigenschaften sichtbar verbessern. Der Reifenprofessor gibt sich bei diesem Thema gesprächig: Er erwähnt die verstärkte Reifenflanke, den sparsamer eingesetzten Negativanteil beim Profil der asymmetrisch gestalteten Lauffläche und die spezielle Gummimischung, deren Würze bei Continental den feurigen Namen "BlackChili" trägt.

Freilich: Das Nachfassen, wie sich diese einzelnen Komponenten aus dem Chemiekasten der Entwickler in ihrem Verhältnis verschoben haben, oder welche Stoffe neu hinzugekommen sind, lässt Burkhard Wies in seiner sympathischen Art mit einem wissenden Lächeln ins Leere laufen.

Da schweigt er genauso konsequent wie die Geheimnisträger von Coca Cola, wenn man bei ihnen investigativ nach der Rezeptur ihrer Erfrischungsgetränke bohrt. Wies will schließlich noch länger den "besten sportlichen Sommerreifen" bauen, bevor die Konkurrenz aufholt.

Klaus Brieter / mid

Der Artikel "Sommerreifen - Hat Continental das Rad neu erfunden?" wurde am 14.09.2021 in der Kategorie Reifen von Klaus Brieter mit den Stichwörtern Reifen, Sommerreifen, Reportage, Reifen, Autoreifen, Motorradreifen, NFZ-Reifen, Sommerreifen, Winterreifen veröffentlicht.

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