Fahrbericht

Renault Scénic Energy TCe 130: Das Beste aus Van und Limousine

22. Januar 2014, 13:46 Uhr
Wolfgang Peters (vm)
Mit Autos zum Leben hat Renault große Erfahrungen.

Mit Autos zum Leben hat Renault große Erfahrungen. Das zeigt die reich bestückte und unübersichtliche Modellpalette des seit 2009 angebotenen und jetzt überarbeiteten Scénic. Der Kompakt-Van kommt in drei Ausstattungsstufen als Benziner oder als Diesel, mit Start-Stopp-Automatik, mit Schalt- oder Automatik-Getriebe und als Grand Scénic mit längerem Radstand. Zudem werden immer wieder Sondermodelle offeriert, mit beträchtlichem Preisvorteil. So bietet Renault aktuell die Einstiegsversion Authentic statt für 18 990 Euro für 16 290 Euro an. Der Testwagen für die Prüfung im Alltag kam als Scénic Energy TCe 130 Start&Stop als Paris Edition für 21 490 Euro. Beinahe ein Sonderangebot für den komfortablen und komplett ausgestatteten Familientransporter.

Die neue Renault-Schnute mit dem Chrom-Rhombus ist so klar wie der gesamte Scénic-Stil. Knappe Überhänge vorne und hinten sorgen ohne Krampf-Design für einen komprimierten und nicht zu modischen Eindruck. Seine Höhe von 1,68 Metern liegt unterhalb der Lieferwagen-Dimensionen, aber über jener von Limousinen. Vom angenehm höher positionierten Fahrersitz aus sind Ecken und Enden gut einzuschätzen.

Das Dickicht der Städte verliert rasch seinen Schrecken, der Scénic wieselt perfekt in gerade noch ausreichende Lücken. Ein- und Ausstieg gelingen durch die hohen Türen ohne unziemliche Verrenkungen. Licht und Sicht sind zu loben, ebenso die großen Außenspiegel und das schlierenfreie Wischerfeld. Beim Innenraum sind hellere Farben und Materialien zu empfehlen, sonst wird es rasch trist. Weich gepolstert sind die fünf Einzelsitze, hinten variabel verankert, aber für fülligere Menschen ist jeder zu schmal geraten. Für Kindersitze gibt es die genormten Isofix-Befestigungen. Und jeder Sitz ist herausnehmbar. Dabei wird eine gewisse Solidität bei Material und Verarbeitung entdeckt, auch unter dem Sitz herrscht Ordnung, im Boden warten Staufächer auf den Krimskrams des Alltags. Man kann auch mal eine gebrauchte Windel ablegen: aber bitte nicht vergessen!

Ohne manuellen Kraftaufwand schwingt die Heckklappe nach oben und verharrt dort sicher. Weil die Ladekante nur 60 Zentimeter über dem Boden liegt, werden die erfolgreichen Ausflüge zum Flohmarkt mit leichter Hand erledigt und das Kofferraumvolumen beträgt 470 Liter bis 550 Liter. Eine nicht unkomplizierte Demontage der Rücksitze verwandelt den kompakten Scénic in einen cleveren Umzugs-Transporter, dann steht ein Stauvolumen von 1 870 Litern bereit. Immerhin gibt es schon bei nur geklappten Rücksitzen eine Ladetiefe von fast eineinhalb Meter, zwei Handgriffe sorgen für die ebene Ladefläche, da kann dann auch die geerbte Kommode von der Oma noch mit. Wohl auch das kleine Porzellanpferd, denn es darf je nach Ausstattung mit einer üppigen Zuladung von über 600 Kilo gerechnet werden.

Bei der Wahl der Antriebseinheit aus der Scénic-Familie muss es nicht Diesel sein. Denn Renault offeriert im TCe 130 einen aufgeweckten Benziner, der mit Turbounterstützung aus 1,2 Liter Hubraum lebendige 97 kW/132 PS holt. Damit schreckt der Scénic dank des wohlig proportionierten maximalen Drehmoments von 205 Newtonmetern auch vor niedrigen Drehzahlen nicht zurück, bietet ausreichende Fahrleistungen, und hält auf der Autobahn die akustisch angenehme Dauergeschwindigkeit von 140 km/h bis 150 km/h.

Sechs Vorwärtsgänge wollen manuell eingelegt werden, keine anstrengende Übung, weil der Schalthebel gut platziert und exakt geführt ist. Zudem agiert der kleine Vierzylinder elastisch und ohne Brummtöne. Die Maschine bewährt sich im Scénic Energy 130 TCe nicht nur als Leisetreter, sondern auch als Sparkünstler: Aber demütige Zurückhaltung ist dabei Pflicht, sonst läuft der Benzinkonsum aus dem Ruder. Bei sehr ruhiger Fahrt über Land ergaben sich 5,6 Liter Super für 100 km, auf der Autobahn waren es 7,5 Liter und im Schnitt 6,8 Liter, alles Trinksitten, mit denen auch eine Familie leben kann. Der Normwert wird mit 6,2 Liter beziffert, der Tank nimmt 60 Liter auf.

Für den Fahrer ist ein eher komfortabler, denn sportlich geprägter Arbeitsplatz eingerichtet. Leider sind die Instrumente aus dem gerade nach vorne gerichteten Blickfeld entfernt, sie hocken unter einer Hutze in die Mitte des Armaturenträgers. Renault lässt sich diese Position nicht ausreden und vertraut zudem für die Informationsanzeigen zu Tempo, Drehzahl oder Tankinhalt lieber auf Designer als auf Ergonomen. Das fordert alles eine längere Gewöhnung, was auch für die Bedienung gilt. Denn die Bremsen lechzen nach einem kräftigen Tritt, und die mit elektrischer Unterstützung arbeitende Lenkung arbeitet zu leichtgängig, aber ausreichend exakt.

In der Summe seiner Eigenschaften bietet der Renault Scénic Energy TCe 130 tatsächlich annähernd die besten Eigenschaften aus zwei Welten: den Komfort einer Limousine und das praktische Wesen eines Kompakt-Vans. Auch dieser Scénic belegt, dass Renault mit seiner Sicherheitsausstattung seit etlichen Jahren zu den führenden Herstellern zählt. Und an die eigenartigen Instrumente muss man sich eben gewöhnen.

Wolfgang Peters/mid

Technische Daten Renault Scénic TCe 130 Start&Stop Paris Edition:
Viertüriger Kompakt-Van mit Heckklappe; Länge/Breite/Höhe/Radstand/Wendekreis in Metern: 4,37/1,85/1,68/2,71/11,1; Stauvolumen: 470 l bis 1 870 l; Leergewicht: 1 320 kg, Zuladung: 635 kg; Tankinhalt: 60 Liter.

Motor: Vierzylinder-Benzinmotor mit Abgasturbolader; Hubraum: 1 197 ccm, Leistung: 97 kW/132 PS bei 5 500/min, maximales Drehmoment 205 Nm bei 2 000/min; Kraftübertragung: Sechsgang-Schaltgetriebe. Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h: 11,4 s, Testverbrauch: 6,8 l/100 km, Normverbrauch: 6,2 l/100 km, CO2-Emission 140 g/km; Preis: 21 490 Euro.

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