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Ist Tesla ein Autounternehmen oder ein Casino?

23. Februar 2021
WM-Redaktion
Ist Tesla ein Autounternehmen oder ein Casino?
@ Blomst (CC0-Lizenz)/ pixabay.com
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Normalerweise weiß man, was der Unterschied zwischen einem Autounternehmen wie Mercedes Benz und einem Casino wie Malina Casino ist, aber Tesla scheint die Grenzen verschwimmen zu lassen. Warum? Weil Tesla mit den aktuellen Verkaufszahlen rund 1.600 Jahre brauchen würde, um seinen aktuellen Börsenwert rechtfertigen zu können.

Am 7. Januar wurde Elon Musk der reichste Mensch der Welt, als sein Anteil an Tesla einen Wert von 195 Mrd. US-Dollar erreicht hatte. Er tweetete lediglich mit „How strange.“

Verrückt ist es allemal, und so wie es scheint, ist er nicht der Einzige, der das so empfindet. Wenn wir einen Blick auf die Zahlen werfen, sehen wir, dass Tesla insgesamt weniger als 500.000 Autos verkauft, aber 750 Mrd. US-Dollar an Börsenwert zugelegt hat. Zum Vergleich: General Motors hat 2020 knapp 2,5 Millionen Fahrzeuge verkauft, 200 Mrd. US-Dollar in Wertanlagen und einen Börsenwert von 62 Milliarden US-Dollar.  

Tesla, das Casino der Neuzeit

Warum investieren so viele Menschen in Tesla, wenn es augenscheinlich (und im wahrsten Sinne des Wortes) nicht liefern kann? Einerseits ist im letzten Jahr aufgrund der zahlreichen Einschränkungen und Unsicherheiten der Kauf von Aktien zu einer attraktiven Möglichkeit für die meisten Anleger geworden. Mithilfe von Apps wie Robin Hood und Co. ist es so einfach wie noch nie zuvor, sein Geld zum Kauf von Aktien einzusetzen. Wenn man außerdem dem Buch „Irrationaler Überschwang“ von Robert Shiller Glauben schenken mag, ist es nur menschlich, in Zeiten von bedrohlichen Krisen irrational zu handeln.

Weiterhin führt Shiller in seinem Buch aus, dass „die Wahrscheinlichkeit, dass ein Event Marktpreise verändert, besonders durch das bildliche und ansprechende Erzählen einer Geschichte begünstigt wird.“ Wir reden hier nicht von den Gebrüdern Grimm, sondern von einem der bekanntesten Geschichtenerzähler der Neuzeit: dem Tesla-Gründer Elon Musk.

Elon Musk, der Bruder Grimm der Neuzeit

Im Jahre 1971 in Pretoria, Südafrika geboren, sagt Musk, dass er von „Büchern erzogen“ wurde. Er wurde in der Schule so sehr gehänselt, dass er im Alter von 12 Jahren zwei Wochen im Krankenhaus verbringen musste, weil er in der Schule verprügelt worden war. Im Alter von 17 Jahren ging er nach Kanada, um nur drei Jahre später Physik und Wirtschaft in den USA zu studieren. In den 1990ern gründete er zwei digitale Unternehmen, Zip2 und X.com (das heutige PayPal), die er später verkaufte. In beiden Fällen verdiente er mehrere Dutzend Millionen US-Dollar – nicht durch den Verkauf, sondern auch durch seine Anteile.

Aus diesem Grund sieht er sogenannte Shortseller, also Leute, die Aktien beleihen und auf den Verlust der Aktie spekulieren, um die Differenz einzustecken, als „Feinde“. Da er sich dessen bewusst ist, dass eben jene Shortseller seinen Unternehmen einen großen Schaden zufügen können, wirbt er mit teils herzerwärmenden, teils visionären Ideen indirekt für deren Entmachtung.

Wie es scheint mit Erfolg, denn die Tesla-Aktie befindet sich nach wie vor in Sphären jenseits von Gut und Böse und zieht immer wieder neue Menschen an, um auf die Zukunft der Automobilität oder am Ende womöglich doch nur die neueste Geschichte vom Bruder Musk zu spekulieren.

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