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Autonomes Fahren: Wann kommt es nach Österreich?

12. Mai 2022
WM-Redaktion
Autonomes Fahren: Wann kommt es nach Österreich?
@ falco (CC0-Lizenz)/ pixabay.com
Was in den USA längst an verschiedenen Orten getestet wird, scheint in Österreich noch ferne Zukunftsmusik zu sein. Autonomes Fahren. Besonders im Silicon Valley wird eifrig versucht, Autos zu realisieren, die autonom fahren können.

Der Fahrer kann sich somit komplett ausklinken, vom Geschehen wegdrehen und beispielsweise mit den anderen Fahrgästen Karten spielen. Oder, wenn er alleine unterwegs ist, bei vulkanvegas ein Spielchen wagen. Denn das Auto navigiert nicht nur von selbst zum Bestimmungsort, sondern übernimmt sogar das Fahren im gewöhnlichen Verkehr. Aber vielleicht werfen wir zuerst einen Blick auf die Anforderungen, die an ein solches Vehikel gestellt werden. Dann ist für uns alle ein wenig klarer, warum die Umsetzung dieses Vorhabens nicht so einfach ist, wie es für manche immer scheint.

Autonomes Fahren – das gehört alles dazu

Wenn ein Auto ganz von selbst von einem Ort A zu einem Bestimmungsort B gelangen soll, braucht es ein paar Dinge, die es können muss. Erstens braucht es ein hoch exaktes Navigationsgerät, das sämtliche Straßen und Hausnummern usw. wirklich genau kennt. Es wäre fatal, wenn beispielsweise Umleitungen, Einbahnstraßen oder neue Baustellen nicht erkannt werden. Das Auto der Zukunft muss außerdem Kameras und Sensoren an allen Seiten haben. Aus mehreren Gründen. Das Auto muss von selbst erkennen, ob es sich auf der Straße befindet, ob es innerhalb der Begrenzungslinien fährt, ob die Abstände zu den vor und hinter fahrenden Autos, Motorrädern, Fahrrädern usw. passen. Die Kameras müssen erkennen, ob sich irgendein unerwartetes Hindernis in den Weg stellt.

Beispielsweise ein Kind, das hinter einem geparkten Auto auf die Straße läuft. Oder ein LKW, der rückwärts ausparkt und dessen Blick wegen des toten Winkels einen nicht erfasst. Die Kameras müssen Verkehrszeichen erkennen. Nicht nur aktuell gültige Geschwindigkeitsbegrenzungen, Überholverbote, Parkverbote und Co, sondern auch Ampeln, Umleitungsschilder, Bahnübergänge und dergleichen. Intelligente Fahrassistenten müssen imstande sein, den mindesten erforderlichen Abstand zu den vor einem fahrenden Vehikel unabhängig dessen Art einzuhalten. Sie müssen, wenn nötig, die Geschwindigkeit rechtzeitig reduzieren oder im Ernstfall Notbremsungen einleiten. Sie müssen auf die Vorrangregeln in geregelten Kreuzungen achten. Und bei all den Dingen, die wir bislang aufgelistet haben, wollen wir nicht behaupten, dass wir auch nur annähernd alles aufgezählt haben, was eine wichtige Rolle spielt.

Dass ein solches Auto sein Fahrverhalten natürlich für andere Verkehrsteilnehmer gut erkennbar darstellen muss, ist selbstverständlich. Das beginnt beim rechtzeitigen Blinken im Falle eines Spur- oder Richtungswechsels und endet beim rechtzeitigen langsamen Abbremsen und dem Aufleuchten der Bremsleuchten im Heck des Fahrzeugs.

Gibt es das schon?

Beim vollautomatisierten Fahren gibt es mehrere Levels, die definiert wurden. Und nur Fahrzeuge der Klasse „Level 4“ und „Level 5“ dürfen überhaupt so betrieben werden, dass der Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen darf. Das sind die Levels:

Automatisierungsgrad Level 0: Das ist der Selbstfahrer („Driver only“). Der Lenker übernimmt alles, was mit dem Steuern eines Fahrzeugs zu tun hat (lenken, beschleunigen, bremsen usw.)

Automatisierungsgrad Level 1: Das ist der assistierte Modus. Der Lenker bekommt Unterstützung von bestimmten Assistenzsystemen wie beispielsweise dem Abstandsregeltempomat (ACC).

Automatisierungsgrad Level 2: Auch das ist ein assistierter Modus, die Teilautomatisierung. Einige Funktionen wie automatisches Einparken, das Spurhalten oder die allgemeine Längsführung, das Beschleunigen oder Abbremsen werden von den Assistenzsystemen übernommen, z. B. vom Stauassistenten.

Automatisierungsgrad Level 3: Das fällt in die Kategorie automatisierter Modus. Der Fahrer muss das System nicht immer überwachen. Einzelne Funktionen werden vom Fahrzeug übernommen. Das kann das Auslösen des Blinkers oder ein Spurwechsel sein. Der Fahrer kann diese Funktionen nutzen, muss das aber nicht. Nach einer Vorwarnzeit des Systems muss der Fahrer aber wieder selbst übernehmen. Der Gesetzgeber arbeitet darauf hin, Automatisierungsgrad-3-Fahrzeuge zuzulassen.

Automatisierungsgrad Level 4: Das ist der erste autonome Modus unter dem Stichwort Hochautomatisierung. Das System übernimmt die Führung des Fahrzeugs dauerhaft. Nur in Fällen, wo einzelne Fahraufgaben vom System nicht mehr bewältigt werden, kann es sein, dass der Fahrer übernehmen muss.

Automatisierungsgrad Level 5: Das ist der autonome Modus unter dem Stichwort Vollautomatisierung. Es ist kein Fahrer mehr erforderlich. Der Fahrer gibt nur das Ziel ein und startet das System. Dieses Fahrzeug braucht weder Lenkrad noch Pedale.
Da gibt es also eine ganze Menge Spielraum und vieles, woran gearbeitet wird.

Wie ist das mit dem Selbstfahren im Detail?

Selbstfahrende Fahrzeuge wurden erstmals 2010 getestet. Zumindest, wenn es um das selbstständige Einparken des Fahrzeugs ging. In den Staaten nennt man das Valet-Parking. Und das hat 2015 die Serienreife erreicht und funktioniert auch bei uns bei einigen Automodellen.

Der Schritt vor dem autonomen Fahren ist das „Hochautomatisierte Fahren“, kurz HAD. Eine ganze Reihe von Assistenzsystemen sind aktiv und übernehmen Teile des Fahrens. Dennoch lenkt der Fahrer noch selbst das Auto. Aber um das Halten der Spur, der Einhaltung der Abstände usw. braucht sich der Fahrer kaum noch zu kümmern. Abschnittsweise übernimmt der Computer bereits das Fahren von Streckenabschnitten. Dennoch bleibt der Fahrer der „Chef im Cockpit“.

Und in Österreich?

Wenn wir das Ganze realistisch betrachten, fällt uns eines auf. In den Staaten, bzw. in den Regionen der USA, in denen das Ganze am Objekt getestet und weiterentwickelt wird, sind die Straßen nicht zu viel befahren, sie sind nicht allzu verwinkelt, sondern große Distanzen führen durch einsames Gebiet, wo Straßen in erster Linie geradeaus gehen. Wer schon einmal in Österreich war, weiß, dass hier weder weniger Autos unterwegs sind, und dass die Straßen eng sind. Sie führen durch allerlei Ortschaften, durch Tunnels, über Gebirgsstraßen usw. Alleine wenn man bedenkt, wie lange der Computer brauchen würde, bis die Abstandssensoren grünes Licht geben, dass sich ein autonomes Auto in den Fließverkehr einordnen kann, wird man erkennen, dass dieses System zum Scheitern verurteilt ist. Es ist aus heutiger Sicht schwer zu glauben, dass wir in Österreich in absehbarer Zeit mit vollständig autonomen Fahrzeugen unterwegs sind. Assistenzsysteme wird es geben. Der Großteil der Arbeit wird aber beim Lenker bleiben.

Der Artikel "Autonomes Fahren: Wann kommt es nach Österreich?" wurde am 12.05.2022 in der Kategorie Ratgeber von WM-Redaktion mit den Stichwörtern Autonomes Fahren: Wann kommt es nach Österreich?, Tipp & Infos, veröffentlicht.

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