6. Mai 2011

Fahrbericht

Dauertest Kia Venga: 15 000 Kilometer und ungewohnte Höhenluft

Bild: Dauertest Kia Venga: 15 000 Kilometer und ungewohnte Höhenluft
mid Düsseldorf - In der Stadt ist der Kia Venga dank seiner kompakten Abmessungen und seiner Variabilität eine gute Wahl. Aber auch auf großer Fahrt in die Schweizer Berge zeigt der kleine Koreaner keine größeren Schwächen. Kia
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Mit den Autos ist es wie mit den Menschen: Je mehr man mit ihnen unternimmt, desto besser lernt man sie kennen - mit all ihren Stärken und Schwächen. Das ist im Falle des Kia Venga, dem koreanischen Mini-Van, der der Redaktion seit knapp einem Jahr als Dauertestwagen zur Verfügung steht, nicht anders. Seine Stärken liegen im variablen Raumangebot mit maximal 1 341 Liter Ladevolumen und seinen kompakten Abmessungen von nur 4,07 Metern Länge. Diese Vorteile hat der kleine, wendige Koreaner mit seinem 92 kW/125 PS starken 1,6 Liter-Benziner vor allem in der Stadt ausspielen können. Aber taugt er auch als Reisemobil?

Um diese Frage zu beantworten, ist es auf der Zielgeraden des Langzeittests für den kleinen Koreaner jetzt auf große Fahrt in ungewohnte Bergregionen gegangen: Zur letzten Schneesportausfahrt der Saison ins schweizerische Arosa, mit Sack und Pack und Snowboardtasche. Die Frage dabei: Wie würde sich der kleine Flachland-Racker mit der großen Klappe auf dem Weg in die Schweizer Bergwelt schlagen?

Darauf eine Antwort zu finden, ist gar nicht so leicht. Denn vor den Schneespaß hat der Herr der Berge das Verstauen des Gepäcks gestellt: Koffer, Taschen, Helme, Snowboard-Boots und diverse Zubehörteile wollen vor Fahrtantritt verladen werden. Sie schluckt der kleine Koreaner dank seines hohen Aufbaus und der asymmetrisch teilbaren Rückbank klaglos. Aufgrund des für ein Auto seiner Größenordnung fast schon oppulenten Raumangebots reisen auch zwei Personen nebst Gepäck und Proviant für ein verlängertes Urlaubswochenende ohne Einbußen in Sachen Beinfreiheit. Außerdem entfällt das Montieren einer zusätzlichen Dachbox.

Aufgeräumt ist vorm Start in den Kurzurlaub nicht nur die Stimmung an Bord, sondern auch der Innenraum. Dank seitlichen Ablagefächern und der in die Mittelkonsole integrierten Cup-Holder finden jeweils zwei Wasserflaschen nebst Kaffeebecher im Kia Platz. Schwierigkeiten bereitet jedoch das Verstauen des mit exakt 1,73 Meter überlangen Sportgeräts. Etwas ärgerlich, weil unnötig: Da sich der Beifahrersitz nicht rechtwinklig flachlegen lässt, muss das Board trotz umgeklappter Rücksitzlehne in Schräglage mitreisen. Dabei lugt das vordere Ende zwischen den Vordersitzen hervor, was nicht ganz im Sinne einer optimalen Ladegutsicherung ist.

Reisefertig gemacht, kann die rund neunstündige Anfahrt beginnen. Das lang gestreckte Panorama-Glas-Dach lässt die Frühlingssonne herein, ohne dass sich der Innenraum merklich aufheizen oder zu laut würde und verbreitet schon auf der Anreise Urlaubslaune pur. Für die passende musikalische Reisebegleitung sorgt ein betagter Mini-Disc-Player, der mittels Line-In-Kabel und entsprechender Buchse genauso wie der USB-Stick an den serienmäßigen Aux-Eingang hinter dem Schalthebel angeschlossen werden kann. Die zweckmäßiger Weise direkt darunter positionierte Ablage beherbergt das zigarettenschachtelgroße Abspielgerät sicher und problemlos.

Interessant wird es auf den ersten Autobahnkilometern: Haben wir bei den Testberichten zuvor noch die Wankstabilität und das neutrale Fahrverhalten des Venga gelobt, so zeigt der Koreaner bei Vollbeladung ein anderes Gesicht. Besonders bei Querrillen und in schnell durchfahrenen Kurven neigt er dann zu Nick- und Wankbewegungen als wäre er ein Headbanging-Jünger auf dem Weg zu einem Rockkonzert. Auch die textilbezogenen Sitze erweisen sich als zu weich, was die Front-Insassen spätestens ab Erreichen der deutsch-schweizerischen Grenze unruhig hin- und herrutschen lässt. Die sprichwörtlichen 365 Kurven nach Arosa nimmt der kleine Koreaner dafür bei rechtzeitigem Herunterschalten in den nächstniedrigeren Gang und dank seines drehfreudigen Motors wie ein Großer. Insgesamt schlägt sich der City-Van in ungewohnten Berggefilden überraschend gut.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt der Benzinverbrauch. Trotz recht konstanter Autobahnreisegeschwindigkeit präsentiert sich der City-Van im Fernreisebetrieb als echter Schluckspecht. Ganz so als wolle er das Apres-Ski schon auf die Anreise vorverlegen, kippt sich der kleine Koreaner im Schnitt 9,1 Liter Sprit hinter die Binde. Ein sechster Gang hätte der Fahrfreude sicher keinen Abbruch getan und den Geldbeutel geschont. Nur gut, dass nach Pistenspaß und Hüttenfreuden am Ende des Urlaubs noch ein paar Fränkli in der Reisekasse übrig sind. Markus Henrichs/mid

Bewertung
Plus: gutes Raumangebot, viele Ablageflächen, variable Audioschnittstelle
Minus: verbesserungswürdige Fahrstabilität bei Vollbeladung, außerorts hoher Verbrauch

Technische Daten Kia Venga 1.6. ISG:
Mini-Van mit fünf Sitzplätzen, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4,07 Meter/1,77 Meter/1,60 Meter/2,62 Meter, Kofferraumvolumen: 314 Liter bis 1 341 Liter;
1,6-Liter-Benziner mit 92 kW/125 PS, max. Drehmoment: 156 Nm bei 4 200 U/min, 0-100 km/h: 10,9 Sek., Höchstgeschwindigkeit: 182 km/h, Verbrauch: 6,2 Liter/100 km, CO2-Ausstoß: 144 g/km, Preis ab 16 930 Euro.

Der Artikel "Dauertest Kia Venga: 15 000 Kilometer und ungewohnte Höhenluft" wurde am 06.05.2011 in der Kategorie Fahrbericht von Markus Henrichs (mid) mit den Stichwörtern Dauertest Kia Venga: 15 000 Kilometer und ungewohnte Höhenluft, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

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