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Warum Datenschutz bei der Wahl eines Autos wichtig ist

14. Oktober 2020
Redaktion
Warum Datenschutz bei der Wahl eines Autos wichtig ist
@ TheDigitalArtist (CC0-Lizenz)/ pixabay.com
Moderne Technologien erleichtern weit nicht immer den Alltag. Manchmal haben sie eher eine Gegenwirkung. Wussten Sie zum Beispiel, dass Ihr Auto Ihre persönlichen Daten speichern und weiterleiten kann?

Mit der neuen Technologie zur Sammlung und Übertragung von Daten können schnell Ihr Verhalten im Straßenverkehr sowie weitere Informationen ermittelt werden. In der heutigen Zeit kann ein Auto die gleiche Kapazität wie 20 Computer haben und bis zu 25 Gigabyte Informationen pro Stunde verarbeiten. Diese Technologie wird hauptsächlich zur Verbesserung der Fahrsicherheit eingesetzt. Gleichzeitig sammelt sie eine große Menge persönlicher Informationen, die nicht an Dritte weitergegeben werden soll. Sehr oft werden aber diese Informationen ohne Erlaubnis an Automobilhersteller weitergegeben, was als Verletzung der Privatsphäre zu gelten hat.

Die Experten Stefan Nürnberger (CISPA / DFKI) und Dieter Spaar haben für den ADAC eine Studie durchgeführt, in der sie die Hauptquellen der Datensammlung im Auto analysiert haben. Der Gegenstand der Untersuchung waren Fahrzeuge folgender Marken: Renault Zoe, BMW 320d, BMW i3 und Mercedes B-Klasse (W246, 2011-2018). Dieser Artikel entstand hauptsächlich basierend auf den Ergebnissen der Studie. Mehr dazu finden Sie hier.

Praktische Zusatzfunktionen wie Parksensoren oder eine Rückfahrkamera sind eine wertvolle Informationsquelle für den Autohersteller. Einerseits helfen sie beim Parken, andererseits speichern sie Informationen über den Standort und den Fahrstil und schicken diese an den Hersteller.

Außerdem ist die Black Box eine wichtige Quelle für die Datensammlung. Dieser Speicherbereich sammelt Fahrzeugsteuerungsdaten, die ohne spezielle Geräte nicht abgelesen werden können. Die Box sammelt Informationen, die erforderlich sind, um die Umstände eines Unfalls für die Versicherungen oder die Polizei zu bestimmen. Hier werden Daten zum Betrieb aller Systeme einschließlich der Bremse oder der Airbags eingegeben. Es ist unmöglich, diesen Speicher zu verändern und seine Inhalte zu zerstören.

Beispiel für die Datensammlung anhand einer Untersuchung des Mercedes B-Klasse W246

Bei der Untersuchung des Fahrzeuges Mercedes B-Klasse W246 wurde folgendes festgestellt:

- Alle 2 Minuten überträgt das Fahrzeug Daten über den Zustand des Fahrzeugs (Kilometerstand, Verbrauch, Kraftstoffmenge, Bremsflüssigkeitsmenge, Reifendruck).

- Es wird auch berechnet, wie oft sich die Sicherheitsgurte - beispielsweise aufgrund eines plötzlichen Bremsens anspannen.

- Informationen über den Fahrstil werden auf Grundlage der Temperatur und Motordrehzahl berechnet und gesendet.

- Die Betriebsstunden der Fahrzeugbeleuchtung werden mit der Angabe von Uhrzeit und Datum gezählt, wodurch das Verhältnis von Fahrt- und Standzeit ermittelt werden kann.

Wie können Sie sich vor Cyberangriffen auf Ihr Auto schützen?

1. Ein älteres gebrauchtes Fahrzeug ohne Online-Funktionen wäre sicherlich eine Alternative, den gefährlichen Datenverlust zu meiden. Jedoch möchten die meisten Menschen auf den Komfort der modernen Fahrzeuge nicht verzichten. Daher ist es ratsam, sich mit dem Thema Cybersicherheit beim Autokauf etwas detaillierter auseinander zu setzen, um informiert und gestärkt die Möglichkeiten der modernen Technologien genießen zu können.

2. Lesen Sie den Kaufvertrag Ihres neuen Autos sorgfältig durch. Stellen Sie sicher, dass die Spalte "Schutz der Verbraucherrechte" klar formuliert ist, und prüfen Sie auch den kleingedruckten Text. Wenn Hersteller keine Abteilung für Verbraucherdatenschutz haben, müssen Sie selbst darauf achten. In Verträgen wird häufig das Recht, die Erhebung von Daten über den Kunden und seine Reisen im Auto zu verweigern, in sehr kleinem Druck vorgeschrieben. Wie die Praxis gezeigt hat, wird dieser Punkt jedoch häufig nicht bemerkt.

3. In anderen Branchen spielen Datenschutz und Cybersicherheit wichtigere Rollen: So ist auf neuen Laptops mittlerweile oft Schutzsoftware wie etwa ein VPN vorinstalliert, das die Internetverbindung verschlüsselt und vor Datenklau schützen soll. Auch für Smartphones gibt es derartige Software. Vielleicht ist dies eine Innovation, der sich auch die Autoindustrie eines Tages anschließen wird. Es wäre zu wünschen.

4. Schützen Sie Ihr Profil in den sozialen Netzwerken. Teilen Sie keine Standortinformationen in den sozialen Medien oder auf Facebook. Es wird empfohlen, die Heimatanschrift als öffentlichen Ort im Navigationssystem zu markieren.

5. Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Standort abgelesen wird, entfernen Sie den Akku aus dem Handy. CR meldet, dass die Standortinformationen weiterhin übertragen werden, wenn das Gerät ausgeschaltet und die Batterie eingelegt ist.

6. Verwenden Sie kein eingebautes Navi­gati­onssys­tem, sondern ein tragbares GPS-Navi. Wenn Sie jedoch ein integriertes Navi-System bevorzugen, stellen Sie sicher, dass alle persönlichen Daten gelöscht sind, bevor Sie das Auto verkaufen. Insbesondere soll man beim Mietauto darauf achten, dass keine persönlichen Daten hinterlassen werden. Dazu ist es ratsam, sich über die Spionagesoftware wie Kamera oder Mikrofone zu erkundigen, bevor Sie ins Mietauto steigen.




Autohersteller widmen sich nicht leider noch nicht genug dem Thema Cybersicherheit. Im Gegenteil sind sie sogar an den Daten der Kunden interessiert, wie die Ergebnisse der ADAC–Studie zeigen. Und das bedeutet: Ihre Sicherheit ist in Ihren eigenen Händen! Damit Ihr Auto zu einem sicheren und komfortablen Alltagshelfer wird, sollten Sie beim Fahrzeugkauf alle Gefahren abwägen und gezielte Fragen zur Prävention von Datenklau stellen.

Der Artikel "Warum Datenschutz bei der Wahl eines Autos wichtig ist" wurde am 14.10.2020 in der Kategorie Ratgeber von Redaktion mit den Stichwörtern Warum Datenschutz bei der Wahl eines Autos wichtig ist, Tipp & Infos, veröffentlicht.

Warum Datenschutz bei der Wahl eines Autos wichtig ist

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