Motorsport

Formel E im medialen Schatten: Sat.1 als Hoffnung

12. August 2020, 15:28 Uhr
Andreas Reiners
Formel E im medialen Schatten: Sat.1 als Hoffnung
mid Groß-Gerau - Die deutschen Autobauer hoffen auf mehr TV-Präsenz. Audi
Die Formel E kann einen 'Boost' gut gebrauchen. Sie muss in den 'Attack Mode' schalten, wie sie ihre eigene technische Überholhilfe nennt. Denn die Elektrorennserie ist zwar ab der kommenden Saison offiziell eine WM, in Deutschland fristet sie aber immer noch ein Schattendasein. Die Hoffnungen ruhen nun auf dem Privatsender Sat.1.


Die Formel E kann einen "Boost" gut gebrauchen. Sie muss in den "Attack Mode" schalten, wie sie ihre eigene technische Überholhilfe nennt. Denn die Elektrorennserie ist zwar ab der kommenden Saison, der siebten seit dem Debüt 2014, offiziell eine WM - in Deutschland fristet sie aber immer noch ein Schattendasein, findet weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Die Quote beim bisherigen TV-Partner Eurosport liegt oft unter 100.000 Zuschauern, die gelegentlichen Wechsel in den Livestream von ARD oder ZDF hatten auch keinen Boom entfacht, das Interesse hält sich sehr in Grenzen.

Dabei ist der schwarz-rot-goldene Anteil vergleichsweise groß: Während in der Formel 1 Mercedes einen Titel nach dem anderen holt, sind in der Formel E neben Mercedes auch Audi, BMW und Porsche am Start. Neben den immerhin vier deutschen Autobauern mischten zuletzt auch Maximilian Günther (BMW), Andre Lotterer (Porsche), Rene Rast (Audi) und Daniel Abt (Nio) mit.

Hinter dem Ofen lockt das in Deutschland trotzdem noch niemanden hervor, dabei ist die Elektromobilität das Thema der Zukunft und die Formel E für die Hersteller die sportliche Plattform, wo sie Expertise zur Schau stellen können. Wenn denn jemand zuschauen würde.

Die Hoffnungen der Autobauer ruhen jetzt auf dem neuen TV-Partner: Sat.1 hat sich die Rechte langfristig gesichert. "Die Partnerschaft zwischen ProSiebenSat.1 und der Formel E wird sicher dazu beitragen, unseren Sport in noch mehr Wohnzimmer in Deutschland zu bringen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und wollen auch in der nächsten Saison für viel Rennaction und spannende Duelle sorgen", erklärte Mercedes-Teamchef Ian James bei e-formel.de.

"Die Formel E steht für packenden Spitzensport, Emotionen und technische Innovationen", hieß es in einer Reaktion bei Audi: "Zusammen mit dem ganzen 'ran racing'-Team haben wir jetzt die große Chance, viele neue Fans für die Formel E zu begeistern."

Das ist der Knackpunkt: Die Formel E muss sich einem neuen Publikum öffnen, neue Fans generieren, vor allem beim jüngeren Publikum punkten, überzeugen und es begeistern. Denn dass zum Beispiel alteingesessene Formel-1-Fans auf die elektrische Alternative ausweichen, wenn die Motorsport-Königsklasse ab 2021 nicht mehr im Free-TV läuft, ist ein Trugschluss.

"Viele richtige Petrolheads wird man für die Formel E niemals begeistern können, diese Illusion darf man gar nicht haben", sagt Audis Motorsportchef Dieter Gass: "Ich sehe die Formel E nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Rennserien. Sie hat aber aufgrund der Randbedingungen ihre Berechtigung wie andere klassische Rennserien auch."

Die kämpfen generell um die Gunst der Fans, denn klar ist: Der Markt an Zuschauern ist begrenzt, und je größer und je attraktiver die anderen Angebote sind, desto schwieriger wird es für den Motorsport, die Leute zu begeistern. "Das Thema muss man sich genau anschauen: Wie begeistere ich die Leute für meine Sache? Genau da beschreitet die Formel E einen neuen und anderen Weg, den man gut nutzen kann", so Gass.

In Kombination mit einem Sender, der 2020 im dritten Jahr die DTM überträgt, soll die Formel E endlich in den "Attack Mode" schalten. In den vergangenen zwei Jahren kam Sat.1 mit der DTM jeweils auf 595.000 und 616.000 Zuschauer im Schnitt. Zahlen, von denen die Formel E in Deutschland im Moment nur träumen kann.

Vor allem aber wurden Moderatorin Andrea Kaiser und Co. für die Aufbereitung der Übertragungen gelobt, mit einer halben Stunde Vorlauf und reichlich Nachlauf nach den Rennen. Auch das könnte die Formel E gut vertragen. Damit sie auch medial endlich in den Attack Mode schalten kann.

Andreas Reiners / mid

Der Artikel "Formel E im medialen Schatten: Sat.1 als Hoffnung" wurde am 12.08.2020 in der Kategorie News von Andreas Reiners mit den Stichwörtern Motorsport, Formel E, News, veröffentlicht.

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