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5x: Tipps für den Pedelec-Kauf - Der richtige Weg zum passenden E-Bike

3. Juli 2020, 13:36 Uhr
Mario Hommen/SP-X
5x: Tipps für den Pedelec-Kauf - Der richtige Weg zum passenden E-Bike
Das perfekte Pedelec - so könnte es aussehen. Allerdings ist das Bosch E-Bike Vision nur ein Konzept Foto: Bosch

Der Markt an E-Bikes ist mittlerweile riesig und sehr unübersichtlich. Wer sich nicht auskennt, ist schnell überfordert. Entsprechend planvoll sollte man vor und während des Kaufs vorgehen.

Die Corona-Krise hat in Deutschland den anhaltenden E-Bike-Boom weiter befeuert, so dass sich in manchen Fahrradläden die Pedelec-Bestände schon dramatisch geleert haben. Doch statt deshalb in Torschlusspanik zu verfallen, sollten Kaufinteressenten eines neuen E-Fahrrads unbedingt einen ruhigen Kopf bewahren und die Kaufentscheidung anhand von persönlicher Bedarfsanalyse sowie Fachberatung und Probefahrt treffen.
1. Welcher Fahrradtyp?
Im ersten Schritt sollte jeder klären, für welche Aufgaben das E-Bike vornehmlich genutzt werden soll. Wer nüchtern seinen Bedarf einschätzt, kann, auch mit Hilfe des Fachhändlers, eine passende Vorauswahl treffen. Soll das Rad gelegentlich in der Stadt, für lange Touren, für Ausflüge ins Gelände oder für die unkomplizierte Mitnahme im Zug eignen? Auch wenn einige Modelle Eindruck schinden: Nicht für jeden empfiehlt sich das vollgefederte Mountainbike. Und nicht jeder braucht preistreibende Highend-Lösungen wie Doppel-Akku und elektrische Funkschaltung. Während Gelegenheitsfahrer bereits Standard-Technik glücklich machen kann, sollten Berufspendler oder Radreisende bei der Ausstattung besser auf langlebige Komponenten und wartungsarme Lösungen achten.

2. Welcher Antrieb?
Mit einem Marktanteil jenseits der 90 Prozent ist der Mittelmotor die dominierende Antriebsart. Dieser überzeugt mit meist formschöner Integration und optimaler Gewichtsverteilung. Auch der einfache Radausbau im Pannenfall spricht trotz des höheren Verschleißniveaus an Zahnrädern und Ritzeln für diese Konstruktion. Der Markt bietet eine Vielzahl guter Lösungen verschiedener Anbieter wie Brose, Shimano, Yamaha, Bafang oder Marktführer Bosch. Letzterer gilt vielen als Symbol für Qualität, was angesichts des guten Abschneidens von Bosch-Antrieben bei einem im Frühjahr 2020 veröffentlichten Vergleichstest von Stiftung Warentest Bestätigung fand.
Eine Interessante Alternative zum Mittel- ist der Heckmotor, der in einigen Fällen kaum größer als eine Nabenschaltung ausfällt. Der Hinterradantrieb bringt das Drehmoment direkt auf die Straße und vermittelt deshalb ein spritzigeres Fahrgefühl. Als Besonderheit bieten Heckmotoren oftmals ein Energierückgewinnungssystem und eine Motorbremse. Der Frontmotor wird von vielen als Billiglösung geschmäht. Vor allem sein Einfluss auf die Lenkung wird als negativ empfunden. Tatsächlich können auch frontgetriebene Pedelecs Spaß machen. Ein besonderer Vorteil dieser Lösung: Sie lässt sich mit jeder Art von Getriebe kombinieren.
Apropos: Bei der Wahl der Schaltung kann im Fall von Pedelecs auch einfache Kost reichen. Man sollte sich keinesfalls vom Übersetzungswahn konventioneller Räder leiten lassen. Meist reicht eine einstellige Gangzahl, eigentlich könnte sogar ein Gang genügen, da man ja vom Motor unterstützt wird. Ein paar mehr Gänge sind vor allem in hügeligeren Gegenden ratsam, denn bergauf sind kurze Übersetzungen hilfreich. Eine Nabenschaltung ist eine schöne Lösung, aber kein Muss. Gleiches gilt für den sauberen und leisen Riemenantrieb, der allerdings mehr kostet als eine pflegeintensivere und schneller verschleißende Kette.
3. Welche Akkugröße?
Die meisten aktuellen Akkus haben eine Kapazität von 500 Wattstunden (Wh), seit einiger Zeit werden auch Batterien mit mehr als 600 Wh angeboten. Für den Alltagseinsatz reichen 500 Wh allemal, mit einem größeren Stromspeicher erkauft man sich vor allem Komfort. Wer gern mit viel Zuladung, auf Reisen, in bergigem Gelände unterwegs oder schlicht ladefaul ist, für den sind Doppel-Akku-Systeme mit 1.000 Wattstunden oder mehr eine tolle Lösung. Umgekehrt mögen etwa Kurzstreckenpendler, die zuhause und am Arbeitsplatz laden können, auch mit einem kleineren und dadurch leichteren sowie günstigeren Akku ihre passende Konstellation finden. Ist eine Batterie herausnehmbar, kann man übrigens auch später noch upgraden. Wer zum Beispiel plötzlich die Lust verspürt, mit dem Pedelec auf Reisen zu gehen, kann sich einen Zweitakku für die Mitnahme in der Gepäcktasche oder im Rucksack hinzukaufen. Tipp: Je kompakter der Akku, desto einfacher sein Transport.

4. Fachhandel
Mit einer realistischen Bedarfs- und Budgeteinschätzung gewappnet, ist der Fachhandel der beste Ansprechpartner für E Bike-Käufer. Er hilft bei Beratung und Einordnung der unterschiedlichen Angebote, der persönlichen Abstimmung und ermöglicht die wichtige Probefahrt. Auch den Service-Aspekt des Fachhandels sollte man nicht unterschätzen, wie Lothar Schiffner vom Koblenzer Ergonomie-Spezialisten Ergon betont: ,,Ein Upgrade mit ergonomischen Komponenten wie einem auf Sitzposition und Gesäßknochenabstand angepassten Sattel kann das Fahrvergnügen nochmals drastisch vergrößern." Tipp nicht nur während Corona: Vorher Beratungstermin vereinbaren.

5. Ausprobieren

Seit dem Autoquartett der Kindertage orientieren sich viele Menschen gern an technischen Daten. Beim E-Bike sind das zum Beispiel Drehmoment, Akku-Kapazität und Gewicht. Und obwohl diese Daten Aussagekraft besitzen, zählen bei der Kaufentscheidung vor allem ,,weichere" Faktoren. Wie fühlt sich das Fahren mit Antriebsunterstützung an: harmonisch und natürlich oder setzt der Motorschub plötzlich und ruckartig ein? Wie leise arbeitet der Motor? Ist die Bedienung des Gesamtsystem intuitiv? Komme ich auf Anhieb damit klar? Und vor allem: Fühle ich mich auf dem Rad wohl? Antworten hierüber kann nur eine längere Probefahrt geben. Übrigens am besten unter Realbedingungen: Wer mit dem Anzug ins Büro fährt und ein E-Bike zum Pendeln sucht, macht sich auch für die Probefahrt schick, wer oft mit Taschen unterwegs ist, bringt diese mit.

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