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Knaus Van TI Plus - Das MAN-Wohnmobil

10. November 2019, 11:43 Uhr
Michael Lennartz/SP-X 5
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Mit dem Transporter TGE erschließt sich MAN neues Terrain Foto: Knaus
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MAN steht gemeinhin für die dicken Brummis. Mit dem Transporter TGE erschließt sich der Lkw-Hersteller aber auch neues Terrain. Zudem entstand daraus gemeinsam mit Knaus das erste MAN-Reisemobil in der 3,5-Tonnen-Klasse.

Der verschärfte Wettbewerb bei den Basis-Fahrzeugen hat in den vergangenen zwei Jahren den Reisemobil-Markt spürbar belebt. Kein Wunder, der Zulassungsboom hält mittlerweile seit gut einem Jahrzehnt an, und die Zukunftsprognosen rechnen auch in den nächsten fünf Jahren mit einem anhaltenden Wachstum. Das lockt auch Newcomer an - wie etwa die Lkw-Marke MAN, die bei den großen Motorhomes schon mit der Branche Kontakt hatte, nun aber mit dem Transporter TGE ein Basis-Fahrzeug auch für die populäre 3,5-Tonnen-Klasse ins Angebot nimmt.

Die Knaus-Tabbert-Gruppe hat nun als erster Wohnmobil-Hersteller zugeschlagen: Das teilintegrierte Modell Van TI Plus, das wir in der Einzelbett-Variante 650 MEG fuhren, ist zu einem Grundpreis von knapp 66.900 Euro zwar beileibe kein Schnäppchen, wer Wert auf einen guten, fast schon Pkw ähnlichen Fahrkomfort legt, wird die Investition aber sicher nicht bereuen.

Der MAN-Schriftzug im Kühlergrill und der darüber platzierte Löwe als Markenemblem mögen für eine eindeutige Zuordnung sorgen, aber natürlich weiß der Transporter-Kundige, dass der TGE technisch mit dem VW Crafter absolut identisch ist. Für unseren Van TI Plus 650 MEG heißt das: Frontantrieb, manuelles Sechsganggetriebe und ein 2,0-Liter-TDI-Motor mit 103 kW/140 PS Leistung und 340 Nm Drehmoment. Alternativ gäbe es den teilintegrierten Knaus auch in der stärkeren 140 kW/177 PS-Ausbaustufe, mit Achtgang-Automatik und Hinterrad- oder Allradantrieb, wobei die 4x4-Variante mit 4.320 Euro Aufpreis tatsächlich recht günstig ist.

Auf dem Arbeitsplatz am Volant wirkt alles sehr vertraut: Ein Cockpit mit einem für Transporter-Verhältnisse erfreulich kleinen, nicht überladenen Multifunktions-Lenkrad, das längs- und höhenverstellbar ist, zwei große Rundinstrumente mit VW-typischem Display dazwischen für Bordcomputer und ähnliche Anzeigen, Getränkehalter und jede Menge Ablagen sowie ein leicht bedienbares 8-Zoll-Infotainment-Display, wie es in Wohnmobilen längst keine Selbstverständlichkeit ist.

Im Fahrbetrieb beweist der TGE, dass man auch in einem rollenden Eigenheim angenehm leise unterwegs sein kann. Selbst der kernige Motorsound bei höheren Drehzahlen ist unaufdringlich. Die 140 Pferde halten den Van TI gut in Schwung. Allerdings machen sich an Steigungen schnell die 3,5 Tonnen Lebendgewicht bemerkbar und dem Motor geht zumindest im sechsten Gang schnell die Puste aus. Das lässt sich mit fleißiger Schaltarbeit jedoch gut beheben und ist, da sich die Gangwechsel leicht und präzise vollziehen lassen, alles andere als lästig.

Wer derart flott ans Reiseziel gelangen will, bekommt allerdings die Quittung an der Zapfsäule: 13,2 l/100 km Diesel waren es bei schneller Autobahnfahrt, häufig mit Richtgeschwindigkeit, 9,5 Liter dagegen bei gemütlichem Landstraßentempo. Das Regulativ ist also auch hier der rechte Fuß. Pluspunkte sind die feinfühlige, elektromechanische Servolenkung und der hohe Fahrkomfort auch auf schlechter Wegstrecke, unter anderem ein Verdienst der serienmäßigen 2-Kanal-Luftfederung an der Hinterachse. Der 6,99 Meter lange und mit 2,20 Meter Breite recht schmal bauende Van TI Plus lässt sich daher tatsächlich fast so handlich wie ein Pkw pilotieren und rangieren - was mit einer Rückfahrkamera gewiss noch einfacher gewesen wäre.

Minuspunkte sammelt der TGE nur, wenn das Fahrerhaus sich zum Wohnraum verwandelt und in den Knaus-Aufbau integriert wird. In den ansonsten bequemen Drehsesseln, die sich zusammen mit Halbdinette und Tisch zu einer Vierer-Sitzgruppe vereinen, sitzt man nämlich eine ganze Stufe tiefer als auf der Zweierbank, muss also jedes Mal das Gestühl mühsam hoch- und nach Gebrauch wieder runterdrehen. Dass zudem für diese um 180 Grad drehbaren Fahrersitze fast 1.000 Euro extra bezahlt werden müssen, ist schwer nachvollziehbar. Die Verdunklungsvorhänge aus Stoff für die Front- und Seitenscheiben schließen nicht ganz lichtdicht ab.

Insgesamt wirkt der Van-TI-Wohnraum aber durchdacht, gut aufgeteilt, sauber verarbeitet und mit einem Leuchtenkonzept vom Ambientelicht bis zur hellen Leselampe sehr wohnlich. Gegenüber der Sitzgruppe befindet sich direkt neben der 60 Zentimeter breiten Aufbautür der Küchenblock mit Zwei-Flammenkocher, Spüle und zwei riesigen, über die gesamte Länge reichenden Schubladen. Für zwei Personen ist reichlich Platz, um alle Küchenutensilien unterzubringen - auch wenn große Flaschen nicht aufrecht stehen können. Die Arbeitsfläche lässt sich durch ein ausklappbares Brett noch vergrößern. Der Kühlschrank fasst 142 Liter und hat zudem ein 15-Liter-Tiefkühlfach.

Zu den beiden zwei Meter langen Einzelbetten im Heck führen zwei breite Stufen hinauf. Allerdings lassen sich die beiden Kojen nicht zu einer geschlossenen Liegefläche vereinen. Dort gibt es zwei offene und drei geschlossene Staufächer sowie zwei Kleiderschränke unter den Fußteilen der Betten, die natürlich immer etwas schwerer zugänglich sind als Hängeschränke auf Stehhöhe. An Stauraum und Ablagen mangelt es aber auch über der Sitzgruppe und in Fächern oberhalb des Fahrerhauses nicht. 220-Volt-Steckdosen, sechs an der Zahl,  sind gleichfalls üppig verteilt. Ein weiterer USB-Anschluss im Schlafbereich, ergänzend zu dem einzigen Port über der Zweierbank hätte allerdings nicht geschadet.

Im besser gegen Hagel geschützten GfK-Dach sorgen vorn wie hinten große Panoramafenster für einen hellen Innenraum, was allerdings ebenso extra bezahlt werden will wie seitliche Rahmenfenster anstelle der serienmäßigen vorgehängten Ausstellfenster. Schwenk-Waschbecken, Dusche und Banktoilette erweisen sich als pfiffige Lösung für eine ausreichend große Kombi-Nasszelle. Die Alu-Lamellen-Schiebetür ist jedoch eine fragile Angelegenheit. Mehrere Kleiderhaken an der Aufbautür und im Wohnraum sowie ein ausklappbare Querstange im Bad für nasse Klamotten oder Handtücher bescheinigen den Knaus-Konstrukteuren ein Händchen für praktische Detaillösungen. Großzügig dimensioniert präsentiert sich die beleuchtete Heckgarage mit 250 Kilogramm Traglast und zwei Befestigungsschienen samt Verzurrösen.

Ein ganz dickes Lob verdient sich die zentrale Versorgungsklappe auf der linken Seite hinter der Fahrertür. Dort sind sämtliche Ablasshähne für Boiler, Frisch- und Abwassertanks leicht und sauber zugänglich untergebracht. Ebenso der Einfüllstutzen für die maximal 100 Liter Frischwasser. Der Grauwasserbehälter fasst 73 Liter.

Fazit: Der Knaus Van TI Plus 650 MEG ist 5.000 Euro teurer als das gleiche Modell auf Fiat-Ducato-Basis, bietet dafür neben einem stärkeren Motor aber hohen Fahrkomfort, Pkw-Feeling und elektronische Helferlein, von denen der Berganfahr- und Notbremsassistent sowie die Multikollisionsbremse sogar serienmäßig an Bord sind. Allerdings lässt sich der Basispreis von knapp 67.000 Euro mit vielen Häkchen in der langen Aufpreisliste mühelos noch um einen fünfstelligen Betrag in die Höhe treiben.

Der Artikel "Knaus Van TI Plus - Das MAN-Wohnmobil" wurde am 10.11.2019 in der Kategorie Reise von Michael Lennartz/SP-X mit den Stichwörtern Knaus Van TI Plus, Reise-Tipp, Caravan, Wohnwagen, Wohnmobil, Camper, Bahn veröffentlicht.

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