Fahrbericht

Raubtiere auf vier Rädern

8. August 2019, 09:35 Uhr
Lars Wallerang 6
6Raubtiere auf vier Rädern
mid Engelskirchen - Selbstbewusst: der trutzige Auftritt des Ford Ranger Raptor. Ford
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Ford lässt es zweimal krachen. Mit dem Ranger Raptor baut der Autohersteller einen Pick-up mit hoher Gelände-Tauglichkeit. Und der neue Focus ST fährt ebenfalls die Krallen aus mit mächtigem Drehmoment und einem Fahrwerk wie aus dem Motorsport-Bilderbuch.


Ford lässt es zweimal krachen. Mit dem Ranger Raptor baut der Autohersteller einen Pick-up mit hoher Gelände-Tauglichkeit. Und der neue Focus ST fährt ebenfalls die Krallen aus mit mächtigem Drehmoment und einem Fahrwerk wie aus dem Motorsport-Bilderbuch. Bei solchen Hochleistungs-Fahrzeugen gehe es nicht vorrangig um die Erhöhung von Marktanteilen, sagt Hans Jörg Klein, Marketing-Chef der Ford-Werke. Dies sei vielmehr eine Investition ins Marken-Image.

Wir fuhren mit den beiden Neulingen durchs Bergische Land. Mit dem bulligen Raptor ging es ins Offroad-Gelände, begleitet vom Rallye-Fahrer und mehrfachen Europa-Meister Armin Schwarz. Fahrzeug-Eigenschaften, die ihn ein Stück näher an den Sieg bringen, bedeuten für den Normal-Fahrer ein Plus an aktiver Sicherheit, erklärt der Fahr-Profi. Und tatsächlich gibt einem dieser martialische Pick-up auf sehr unebenem Untergrund ein Gefühl wie in Abrahams Schoß. Elektronisch gesteuertes Sperrdifferential, die exklusiv für den Raptor gefertigten Michelin-Reifen und weitere Hightech-Komponenten lassen das automobile Raubtier auch auf stark zerklüfteter Piste souverän Fuß fassen.

Für besonders viel Ruhe sorgt in heiklen Situationen der Berg-Assistent: Geht es gleichzeitig uneben und steil zu Tal, bewerkstelligt das automatisierte Zusammenwirken von Differential und Tempomat einen langsamen und sicheren Abstieg ohne Rutschpartie.

Ein Rennwagen ist so ein Land-Fahrzeug zwar nicht unbedingt, aber die Motorisierung kann sich trotzdem auch auf der Autobahn sehen lassen: Unter der Haube steckt eine Bi-Turbo-Version des 2,0 großen EcoBlue-Dieselmotors mit Zehn-Gang-Automatikgetriebe. Die Maschine leistet 156 kW/213 PS und entwickelt ein kraftvolles Drehmoment von stolzen 500 Nm bei 1.750 bis 2.000 U/min. Das zehnstufige Getriebe überzeugt mit einem breit aufgefächerten Übersetzungsverhältnis.

Und: Der Raptor ist auch ein echtes Arbeitstier: Er darf bis zu 2,5 Tonnen schwere Trailer (gebremst) ziehen, mit seinen beiden vorderen Abschlepphaken kann er bis zu 4.635 Kilogramm wuchten. Mit 1,56 Metern in der Länge und 1,57 Metern in der Breite bietet die Ladefläche reichlich Platz. Mountainbikes oder Jet-Skis passen problemlos drauf. Die maximale Nutzlast beträgt 620 Kilogramm.

Der Raptor erweist sich als robuster Allrounder für Abenteurer. Der Pick-up für alle Fälle besitzt unter anderem ein verstärktes Chassis, Hochleistungsstoßdämpfer, ein Terrain-Management-System mit sechs Fahrmodi und ein großes Set an Fahrer-Assistenzsystemen. Ein solcher Tausendsassa hat natürlich seinen Preis: 66.771 Euro verlangt Ford für den Ranger Raptor.

Für den urbanen Raum praktischer ist der andere Newcomer unter den Performance-Fahrzeugen aus dem Hause Ford: der Focus ST. Das ST steht für Sport-Technologie, und sportlich trumpft der Kompaktwagen auch auf. Es gibt einen tüchtigen Turbo-Diesel mit zwei Litern Hubraum und 140 kW/190 PS, wir erfreuten uns aber besonders an dem noch stärkeren 2,3-Liter-Benziner mit 206 kW/280 PS und hohen Beschleunigungswerten (beispielsweise in 5,7 Sekunden von 0 auf 100).

Das Sechs-Gang-Schaltgetriebe (es gibt den Focus ST auch mit Sieben-Gang-Automatik) lässt sich mühelos bedienen, allerdings wirkt der 1. Gang etwas zu aggressiv. Hier muss der Gasfuß dezent vorgehen, um den Motor nicht zu laut aufjaulen zu lassen - eine kleine Herausforderung, die sich beim Automatikgetriebe nicht stellt. Aber auch in höheren Gängen ist der Focus ST kein Leisetreter. Obgleich der Innenraum des Fahrzeugs gut schallgedämpft ist, macht sich das kernige Motorgeräusch permanent bemerkbar. Sportwagen-Freunde wird dies freuen.

In allen Gängen entfaltet der Kompakte viel Kraft. Kein Wunder, leistet der neue EcoBoost-Turbo-Benziner doch nun 30 PS oder zwölf Prozent mehr als sein Vorgänger. Sein Drehmoment liegt bei 420 Nm - 60 Nm (17 Prozent) über dem bisherigen Spitzenwert. Laut Ford ist das ein Bestwert in diesem Segment.

Das straffe Sportfahrwerk gewährleistet bei hohem Tempo auf der Autobahn eine souveräne Straßenlage, doch besonders schön kommt die Fahrwerkstechnik auf Serpentinen zur Geltung. Die Kurven, die man mit dem Fahrzeug durcheilt, wirken formvollendet wie gemalt. Auch auf minimale Lenkbewegungen reagiert das Fahrzeug so exakt, als könnte man wie mit feinem Pinsel Figuren auf die Straße zeichnen.

Ford will mit dem Fahrwerk neue Maßstäbe in seiner Klasse setzen: Zu den Technik-Highlights gehört das elektronisch geregelte Sperrdifferential (eLSD) im Zusammenspiel mit Torque Vectoring. Das interaktive Fahrwerksystem besitzt zudem eine elektronische Dämpfer-Regelung (CCD). Wobei sich Sportlichkeit und Komfort nicht ausschließen: Es gibt vier verschiedene Fahrmodi - je nach Bedarf zwischen komfortabel und sportlich.

Die ST-Limousine kostet als Benziner ab 32.900 Euro, der Turnier 34.100 Euro. Der Focus ST mit Diesel-Motor kostet jeweils 1.000 Euro weniger. Für das Geld bekommt der Kunde einen zugleich alltagstauglichen Kompakten mit relativ viel Platz im Fond und ein Performance-Fahrzeug, das manchem Sportwagen das Wasser reichen kann.

Der Artikel "Raubtiere auf vier Rädern" wurde am 08.08.2019 in der Kategorie Fahrbericht von Lars Wallerang mit den Stichwörtern Fahrbericht, Pick-up, Kompakter, Allrad, Technik, Offroad, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

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