Elektromobilität

Studie: Reichweitenangst ist Kopfsache

9. April 2019, 11:49 Uhr
Ralf Loweg
Studie: Reichweitenangst ist Kopfsache
mid Groß-Gerau - Viele Verbraucher stehen der Elektromobilität noch immer skeptisch gegenüber. Consors Finanz
Für die Autobauer steht fest: Den alternativen Antrieben gehört die Zukunft. Vor allem um die Elektromobilität machen viele Hersteller einen übertriebenen Hype, nachdem sie dieses Thema jahrelang stiefmütterlich vernachlässigt haben. Doch die Kunden wollen noch immer nicht so recht auf die Stromer abfahren. Woran liegt das?


Für die Autobauer steht fest: Den alternativen Antrieben gehört die Zukunft. Vor allem um die Elektromobilität machen viele Hersteller einen übertriebenen Hype, nachdem sie dieses Thema jahrelang stiefmütterlich vernachlässigt haben. Doch die Kunden wollen noch immer nicht so recht auf die Stromer abfahren. Woran liegt das?

Eines der größten Kaufhindernisse ist die Angst, mit einem E-Auto nicht weit genug fahren zu können. Das geht aus dem Automobilbarometer 2019 von Consors Finanz hervor. Für 42 Prozent der weltweit Befragten kommt ein Erwerb aus diesem Grund nicht infrage. In Deutschland sagen das sogar 69 Prozent. 25 Prozent weltweit beziehungsweise 38 Prozent der deutschen Befragten würden sich erst dann für ein Elektroauto entscheiden, wenn die Batterie mindestens rund 500 Kilometer durchhält. Dabei legen die wenigsten Autofahrer solche Strecken pro Tag wirklich zurück, so die Studienergebnisse.

"Die Reichweitenangst ist deshalb so groß, weil die Ladeinfrastruktur die Verbraucher nicht überzeugt", sagt Bernd Brauer, Head of Automotive Financial Services, aus der Studie. So sind immerhin 75 Prozent der Befragten der Meinung, dass die öffentlichen Ladestationen entlang des Straßennetzes bislang nicht in ausreichender Menge vorhanden sind (Deutschland 81 Prozent). 74 Prozent (in Deutschland 85 Prozent) halten zudem die Batterieladezeit für deutlich zu lang.

Für 52 Prozent könnte das Interesse an einem Elektroauto erst geweckt werden, wenn die Ladegeschwindigkeit maximal 30 Minuten dauert. "Die Infrastruktur ist ein wichtiges Thema", bestätigt Professor Dr. Claus-Christian Carbon, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie und Methodenlehre an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. "Dabei kommt es zum einen auf Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit an und zum anderen, ob und wie viele Schnellladesäulen auf der Wegstrecke vorhanden sind."

Die Studie zeigt: Reichweitenangst ist ein Hindernis, das in erster Linie im Kopf der Verbraucher existiert. Im Durchschnitt legen sie gerade mal 51 Kilometer an einem Wochentag zurück. In Deutschland sind es sogar nur 43 Kilometer. Lediglich zehn Autofahrten im Jahr sind weltweit durchschnittlich länger als 400 Kilometer - in Deutschland nur acht.

"Dennoch darf der psychologische Effekt einer ausreichenden Versorgung nicht unterschätzt werden", sagt Bernd Brauer. "Der Erfolg des E-Autos ist stark abhängig von der Infrastruktur." Professor Carbon ergänzt: "Sobald nur eine einzige Schnellladesäule in erfahrbarer Weite vorhanden ist, sinkt auch drastisch die Reichweitenangst."

Der Artikel "Studie: Reichweitenangst ist Kopfsache" wurde am 09.04.2019 in der Kategorie Umwelt von Ralf Loweg mit den Stichwörtern Elektromobilität, Reichweite, Infrastruktur, Ladestationen, Studie, Umwelt, veröffentlicht.

Elektromobilität, Reichweite, Infrastruktur, Ladestationen, Studie

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