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Forschungsprojekt: Baumrinde im Tank

2. August 2018, 14:12 Uhr
Andreas Reiners
Forschungsprojekt: Baumrinde im Tank
mid Groß-Gerau - Kraftstoff aus Baumrinde? Das europäische Kooperationsprojekt UNRAVEL arbeitet an der effizienten Umwandlung von sogenannter "Biomasse der zweiten Generation", beispielsweise in Biokraftstoffe. UNRAVEL
Wie kann man die Herausforderungen eines Übergangs zu einer Post-Erdöl-Gesellschaft angehen? Wie können alternative Prozesse und Produkte geschaffen werden, mit denen der Übergang realisiert werden kann? Kann es möglich sein, mit Baumrinde Auto zu fahren und mit Nussschalen zu bauen? Um Antworten auf diese Fragen kümmert sich das europäische Kooperationsprojekt UNRAVEL in den nächsten vier Jahren.


Wie kann man die Herausforderungen eines Übergangs zu einer Post-Erdöl-Gesellschaft angehen? Wie können alternative Prozesse und Produkte geschaffen werden, mit denen der Übergang realisiert werden kann? Kann es möglich sein, mit Baumrinde Auto zu fahren und mit Nussschalen zu bauen? Um Antworten auf diese Fragen kümmert sich das europäische Kooperationsprojekt UNRAVEL in den nächsten vier Jahren. In diesem Zeitraum will das Projekt nachhaltige Prozesse für eine innovative Lignocellulose-Bioraffinerie entwickeln und deren Wirtschaftlichkeit nachweisen. Ziel ist die effiziente Umwandlung von sogenannter "Biomasse der zweiten Generation" in Biokraftstoffe, Plattform-Chemikalien und nachhaltige Baumaterialien. Das gemeinsame Vorhaben von Forschungsorganisationen, KMU und Großunternehmen aus sieben europäischen Ländern wird vom europäischen BBI JU (Bio Based Industries Joint Undertaking) im Rahmenprogramm für Forschung und Innovation der Europäischen Union "Horizont 2020" mit 3,6 Millionen Euro gefördert.

Neben der Realisierung des Übergangs Europas zu einer Post-Erdöl-Gesellschaft soll gleichzeitig das Wirtschaftswachstum von der Ressourcenverknappung und negativen Umweltauswirkungen entkoppelt werden. Eine Schlüsselaufgabe ist hierbei, neuartige biobasierte Wertschöpfungsketten zu schaffen - durch die Entwicklung neuer Bioraffinerie-Technologien und die optimierte Verwendung nachhaltiger Rohstoffe für innovative Produkte, die gleichzeitig den Marktbedarf berücksichtigen.

Eine der größten Herausforderungen bei der Entwicklung neuer biobasierter Produkte besteht darin, sowohl nachhaltige als auch wettbewerbsfähige Biomasse zu finden, die nicht mit der Flächennutzung für die Nahrungsmittelproduktion konkurriert oder wichtige natürliche Lebensräume gefährdet oder gar zerstört. Wie das gehen kann? Mit der Verwendung von Reststoffen und Abfallprodukten aus der Forst- und Landwirtschaft. Also zum Beispiel Rinde, Stroh oder Nussschalen. Denn die Verfügbarkeit dieser Reststoffe ist mit geschätzten 180 Millionen Tonnen pro Jahr in der EU beträchtlich, wobei landwirtschaftliche Abfälle und Stroh etwa die Hälfte der verfügbaren Gesamtmenge ausmachen. Neben Zucker ist vor allem Lignin wesentlicher Bestandteil dieser Reststoffe und von großem wirtschaftlichen Interesse. Ziel des UNRAVEL-Projekts ist daher, die Zuckerverbindungen als Basis für moderne Biokraftstoffe, zum Beispiel für den Schwertransport, zu verwenden. Die Lignine sollen so aufbereitet werden, dass sie als Bausteine für hochwertige biobasierte Materialien wie Bio-Polymere, Isolierschäume (Polyurethan) und Bitumen eingesetzt werden können.

Um alle wertvollen Komponenten, die in einem bestimmten Rohstoff vorhanden sind, nutzen zu können, bedarf es hocheffizienter, integrierter Bioraffinerieprozesse. Aber: Aktuell ist die Fraktionierung von Lignocellulose-Biomasse in ihre Hauptbestandteile ineffizient oder, durch die Behandlung unter harschen Bedingungen, wenig selektiv. UNRAVEL will daher einen neuen Prozess zur industriellen Reife bringen. Dieser neuartige Prozess birgt laut den Verantwortlichen ein großes Potenzial, die Kosteneffizienz bei der Vorbehandlung von Lignocellulose-Biomasse und damit die industrielle Wettbewerbsfähigkeit der biobasierten Produkte zu verbessern. Weiterhin führt die verbesserte Fraktionierung von landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen und lebensmitteltechnischen Reststoffen zu höheren Ausbeuten der verwertbaren Komponenten. Die verbesserte Homogenität des Ausgangsmaterials wiederum resultiert in einer hohen Reinheit der Bioraffinerieprodukte. Dies stellt einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zur industriellen Nutzung von Abfallstoffen für biobasierte Kraftstoffe wie Chemikalien und Materialien dar.

Der Artikel "Forschungsprojekt: Baumrinde im Tank" wurde am 02.08.2018 in der Kategorie Kraftstoffe von Andreas Reiners mit den Stichwörtern Auto, Forschung, Kraftstoff, Alternativer Antrieb, Bio, Sprit sparen, Spritpreise, Benzinpreise, Dieselpreise veröffentlicht.

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