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Kia Niro PHEV: Halb-Elektriker aus Korea

3. Juli 2018, 08:47 Uhr
Marcus Efler 6
6Kia Niro PHEV: Halb-Elektriker aus Korea
mid München - Der Kia Niro Plug-in-Hybrid erweist sich bei der Fahrt von München zur italienischen Adria als durchaus langstreckentauglich. Markus Efler / mid
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Ein SUV mit Plug-in-Hybrid? Da denken die meisten wahrscheinlich an Porsche Cayenne oder Audi Q7 - wuchtige Allradler, zu teuer, um die Elektro-Prämie ergattern zu können. Doch es geht auch deutlich günstiger, wie Kia mit dem Kompakt-SUV Niro mit Benzin- und Elektromotor sowie Akkus, die sich an der Steckdose laden lassen, unter Beweis stellt.


Ein SUV mit Plug-in-Hybrid? Da denken die meisten wahrscheinlich an Porsche Cayenne oder Audi Q7 - wuchtige Allradler, zu teuer, um die Elektro-Prämie ergattern zu können. Doch es geht auch deutlich günstiger: 32.750 Euro verlangt Kia für seinen Kompakt-SUV Niro mit Benzin- und Elektromotor sowie Akkus, die sich an der Steckdose laden lassen. Abzüglich Elektroprämie bleiben also 29.750 Euro. Das sind zwar immer noch über 4.000 Euro mehr als für die Benzin-Version mit mildem Hybrid; trotzdem könnte mancher SUV-Fan, der keinen Diesel mehr kaufen mag, durchaus interessiert beim Händler vorbeischauen.

Schließlich gibt Kia einen Norm-Verbrauch von nur 1,3 Litern auf 100 Kilometer an. Das ist, um es gleich zu bemerken, im Alltagsgebrauch natürlich Unsinn und, wie bei allen Plug-in-Modellen, einem überaus wohlwollenden Messzyklus geschuldet. Die Idee dieses Antriebs-Typs ist eine andere: Nämlich die der Kurzstrecken-Fahrt ausschließlich mit Strom.

58 rein elektrische Kilometer schafft der Niro mit vollem Akku. Der Praxistest zeigt, dass diese Reichweite bei defensiver Fahrweise durchaus realistisch ist. Auch eine laufende Klimaanlage und hin und wieder ein beherzter Tritt aufs Gaspedal, um etwa zügig - und zugegebenermaßen auch mit etwas Spaß-Faktor - von der Ampel weg zu beschleunigen, kosten nur ein paar Kilometer Reichweite. Wer zu Hause oder im Büro Strom tanken kann - was bei leerem Akku an 220 Volt gut drei Stunden dauert und an einem Typ-2-Stecker natürlich deutlich schneller geht - der pendelt leise, umweltschonend, sofern der Strom aus erneuerbaren Energien kommt, und dazu deutlich billiger als mit Sprit. Zumal dieser derzeit recht teuer ist, und auch der Verschleiß eines Verbrennungsmotors höhere Wartungskosten verursacht.

Doch wie sieht es auf längerer Tour aus - bietet das Hybridsystem hier auch Sparvorteile? Schließlich taugt der Niro durchaus für eine weitere Reise. Das Interieur wirkt zwar eher nutzwertig als edel, ist aber sauber verarbeitet und bietet ausreichend Platz für zwei Erwachsene und zwei auch größere Kinder. Eine Dreierbelegung des Fonds ist dagegen für längere Zeit nicht wirklich empfehlenswert. Das Hybrid-System kostet kaum Platz, der Kofferraum schluckt bei geschicktem Stapeln das Gepäck für eine Woche. Apple CarPlay und Android Auto sind lobenswerterweise serienmäßig an Bord, so dass die jeweiligen Karten-Apps zum Ziel führen, und die geliebten Playlists von Spotify und Co. der Langeweile vorbeugen.

Mit vollen Akkus startet die Fahrt. Auf Knopfdruck flüsterleise und rein elektrisch - das ist vielleicht noch im Wohnviertel sinnvoll, auf der Autobahn aber nicht mehr: Dort sind die Akkus nach einer halben Stunde fast leer. Ladesäulen anzufahren, wie sie etwa an vielen Autobahn-Raststätten bereit stehen, macht indes nicht wirklich Sinn. Auf den 550 Kilometern von München an die italienische Adria hätte man bei dieser Langstrecken-Fahrt gut zehnmal zum Energietanken pausieren müssen, um rein elektrisch ans Ziel zu gelangen. Das kostet wertvolle Urlaubszeit. Also fährt man lieber gleich im Hybridmodus, bei dem der Niro Benzin verbrennt und nur hin und wieder etwas an den Akkus nippt. So verbraucht er knapp fünf Liter auf 100 Kilometer, was für einen mit vier Insassen besetzten Kompakt-SUV kein schlechter Wert ist. Der Vorteil: Der Strom-Vorrat steht fast noch komplett zur Verfügung, wenn man ihn besser brauchen kann - etwa am Ziel im städtischen Stop-and-Go, wo ein Verbrennungsmotor besonders viel Sprit verbrauchen würde. Auch lautlos über den Campingplatz an der Adria zu schleichen, hat etwas. Allerdings muss man berücksichtigen, dass Fußgänger einen nicht hören, auch der zuschaltbare Warnton bringt da nicht viel.

Und es ist natürlich ein Vergnügen, dem teuren Campingplatz-Laden zu entfliehen und ein paar Kilometer weiter in einen echten Supermarkt zu zischen - ohne dass die Spritkosten einen Teil des gesparten Geldes wieder auffressen. Nachladen kann man schließlich in der Camping-Anlage. Zumindest theoretisch. In der Praxis flog direkt die Sicherung raus. Überhaupt ist das Laden noch immer etwas problematisch - auch in Deutschland. Ein Versuch, bei Aldi Süd gratis Sonnenenergie zu tanken, schlug fehl. Auch die Säule am Münchner Flughafen, wo der Niro drei Tage an der Strippe hing, befüllte die Akkus nur zu zwei Dritteln. Egal, ob diese Störungen nun am Fahrzeug oder den Säulen lagen: Sie zeigen, dass es auf dem Weg in eine elektrische Mobilität noch Verbesserungspotenzial gibt. Und ändern nichts daran, dass ein Plug-in-Hybrid durchaus eine Empfehlung für den Autofahrer sein kann, der täglich ins Büro pendelt und manchmal auf große Tour starten möchte.

Marcus Efler / mid

Technische Daten Kia Niro Plug-in Hybrid:

Fünftüriges, fünfsitziges Kompakt-SUV, Länge/Breite mit Außenspiegeln/Höhe/Radstand in Millimeter: 4355//2035/1535/2700, Wendekreis: 10,6 m, Gewicht:1595 kg, Zuladung: 406 kg, Anhängelast: 1,3 Tonnen, Kofferraumvolumen: 1322 l.
Motor: 4-Zylinder-Benzinmotor plus Elektromotor; Hubraum: 1.580 ccm, Systemleistung: 104 kW/141PS bei 5.700 U/min, max. Drehmoment: 147 Nm bei 4.000 U/min; Höchstgeschwindigkeit: 172 km/h, 0 - 100 km/h: 10,8 Sekunden, Front-Antrieb; 6-Gang-Doppelkupplungs-Getriebe, Testverbrauch: 4,8l/100 km, Verbrauch nach NEFZ: 1,3 l/100 km; CO2 nach NEFZ: 29 g/km, elektrische Reichweite: 58 km, Schadstoffklasse: Euro 6, Preis: ab 32.750 Euro.

Der Artikel "Kia Niro PHEV: Halb-Elektriker aus Korea" wurde am 03.07.2018 in der Kategorie Fahrbericht von Marcus Efler mit den Stichwörtern Auto, Hybrid-Fahrzeug, Fahrbericht, Elektroauto, Ladestationen, Praxistest, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

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