Erdgas

Großer Otto mit feinen Manieren

4. Juni 2018, 09:18 Uhr
Wolfgang Tschakert 4
4Großer Otto mit feinen Manieren
mid Groß-Gerau - Fit fürs Fernverkehrsgeschäft: Der schwere Iveco Stralis NP 460 bietet genug Leistung und Reichweite. W. Tschakert / mid
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Der hubraumstarke Sechszylinder unter der Kabine des Iveco Stralis NP 460 wird jetzt auch mit Erdgas gefüttert. Im Fernverkehrs-Lkw Stralis gibt er sich souverän und tugendhaft.


Der hubraumstarke Sechszylinder unter der Kabine des Iveco Stralis NP 460 wird jetzt auch mit Erdgas gefüttert. Im Fernverkehrs-Lkw Stralis gibt er sich souverän und tugendhaft.

Jetzt ist das Erdgas-Sortiment lückenlos, die Iveco-Strategen machen Ernst. Vom kleinen Daily-Transporter bis zum schweren Stralis - für alle Modelle gibt es kompetente Erdgasmotoren. Und jetzt runden die Motorentechniker aus Arbon ihr Portfolio nach oben mit einem richtig stämmigen Gasmotor ab. Dieser Motor soll nicht nur für den Fernverkehr zu haben sein, auch der Stralis X-Way für die Baulogistik ist ein Fall für den Kraftstoff LNG. Heute darf es ein Stralis NP 460 mit Dreiachstrailer sein, er hat das Objekt der Begierde, einen Cursor 13-Sechszylinder mit Erdgasfütterung unter der Kabine.

Der Grundmotor bleibt wie gehabt, aber er trägt einen Zylinderkopf mit Zündkerzen und auf der kalten Versorgungsseite Gasinjektoren. Der NP 460 wird mit neuen Kolben, einer weiterentwickelten Kraftstoffrail und einem wassergekühlten Turbolader bestückt. Für die neue Klopfregelung und die Luftstromsteuerung haben sich die FPT-Techniker (= Fiat Powertrain) Patente gesichert. Wichtig für Transportunternehmer: Das Wartungsintervall wurde auf 90.000 Kilometer verlängert, beim kleineren Cursor 9 fordert der Hersteller noch alle 75.000 Kilometer den Öl- und Zündkerzenwechsel.

Der Dreh- und Angelpunkt für die Praxistauglichkeit ist der Aktionsradius der Fahrzeuge. Hier bietet Iveco ein großes Sortiment an Tankgrößen auf. Die Maximallösung von beiderseits 540 Liter am Rahmen soll für 1.600 Kilometer Reichweite gut sein, damit fährt ein LNG-Stralis von Ulm nach Hamburg und zurück. Iveco hält auch Tankgrößen mit 250 oder 400 Liter bereit, wer Bauraum am Rahmen für andere Komponenten braucht, fährt nur mit einem Tank. Die LNG-Tanks sind mit Sicherheitsventilen bestückt, die bei Überdruck (größer 16 bar) kontrolliert abblasen. Dann eben, wenn der Lkw mit teilentleertem Tank lange in der Sonne steht, im Fahrbetrieb soll dieser Überdruck nicht entstehen. Der Hersteller kombiniert auf Wunsch auch CNG- und LNG-Tanks, der Maschine ist es egal. Sie verarbeitet Methan, auf moderate Druck- und Temperaturverhältnisse reduziert.

Im Fahrbetrieb ist der Stralis NP 460 zuerst ein gewöhnlicher Fernverkehrs-Iveco. Genügend Platz in der Kabine, an der Bedienung ändert sich für den Fahrer nur wenig. Vielleicht nur in der Wahrnehmung, beim Starten und danach, man hört die Maschine im Leerlauf kaum. Und spürt keine Vibration, der große Cursor 13 NG läuft im Gegensatz zu seinem eher rauen Dieselpendant wie ein Glöckerl. Der Blick auf die Instrumente offenbart eine Tankanzeige in Kilogramm, der kleinere NP 400 besitzt noch die Liter-Anzeige der Dieselkollegen.

Fast wie ein Diesel zieht der 32-Tonner auch los, der Sattelzug beschleunigt gut aus dem Stand, der Fahrer muss hier nicht Verzicht üben. Im Gegenteil, er wird mit gehobenem Geräuschkomfort verwöhnt, bei Autobahntempo dominieren die Windgeräusche. Etwa 1.100 Touren braucht die große LNG-Maschine, um volles Drehmoment zu entwickeln - im Vergleich zum gleichgroßen Diesel sind es rund 200 Kurbelwellen-Umdrehungen mehr. Mit maximal 2.000 Newtonmetern kann man gut leben, zumal sie bis 1.600 Touren zur Verfügung stehen. Verarbeitet wird die Leistung von einem automatisierten Hi-Tronix-Getriebe, Insider wissen - ein 12-Gang-Traxon-Getriebe von ZF. Damit es auch gut funktioniert, spendieren die FPT-Techniker eine spezielle Motor- und Schaltsoftware. Denn der Gasmotor reduziert seine Drehzahl beim Schalten nicht so schnell wie der Diesel, er besitzt ja auch keine Motorbremse, die er dafür einsetzen könnte. Auch nicht bei zügigen Bergabfahrten, hier braucht es einen kräftigen Retarder - diese Aufgabe erledigt der jetzt stärkere Intarder (von ZF).

Natürlich funktionieren alle elektronischen Helferlein auch im LNG-Stralis, der GPS-Tempomat ebenso gut wie der Spurassistent oder das Notbremssystem. Auf der Rückfahrt durch die Stadt entdecken wir dann doch noch eine Besonderheit. Der Schalter "Silent Mode" begrenzt das Drehvermögen der Maschine auf 1.500 Umdrehungen, damit befährt der schwere Iveco lärmgeschützte Zonen - man könnte da und dort auch nachts beliefern.

Die Iveco-Strategen sind von ihrem LNG-Konzept überzeugt. Ein monovalenter Ottomotor, der ausschließlich Methan-Kraftstoff benötigt, egal ob dann Bio-, Deponie- oder Erdgas getankt werden. Nur ein Dreiwegekatalysator reicht, um das geforderte Abgasreglement zu erfüllen. Ganz ohne Zusatz, keine Abgasrückführung, kein Adblue, der Motor soll gemäß Herstelleraussagen auch mit unterschiedlichen Gasqualitäten laufen. Nur über die Preissituation gaben sich die Iveco-Experten wenig auskunftsfreudig, aber Kunden gegenüber gibt es dann keine Ausreden mehr.

Wolfgang Tschakert / mid

Technische Daten Iveco Stralis NP 460:
Verfügbar als Sattelzugmaschine (4x2, 6x2) oder Fahrgestell (4x2, 6x2). Motor: Cursor 13 NG mit 460 PS/2.000 Nm, Getriebe: ZF Traxon 12 TX mit Intarder, Kraftstofftanks: Flüssiggastank mit 250, 400 oder 540 l, maximale Reichweite mit 2 x 540 l bis 1.600 km, Abgasnachbehandlung: 3-Wege-Katalysator.

Der Artikel "Großer Otto mit feinen Manieren" wurde am 04.06.2018 in der Kategorie Fahrbericht von Wolfgang Tschakert mit den Stichwörtern Lkw, Erdgas, Autogas, Transport, Logistik, Fahrbericht, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

Lkw, Erdgas, Autogas, Transport, Logistik, Fahrbericht

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