Historie

Die mid Zeitreise: Test Yamaha SR 500 T

18. Mai 2018, 14:34 Uhr
Jutta Bernhard
Die mid Zeitreise: Test Yamaha SR 500 T
mid Groß-Gerau - Die Yamaha SR 500 T aus dem Jahr 1988 ist heute ein begehrter Klassiker unter den Motorrädern. Yamaha Motors
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Am 16. Mai 1988 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 37. Jahrgang über den heutigen Motorrad-Klassiker Yamaha SR 500 T


Am 16. Mai 1988 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 37. Jahrgang über den heutigen Motorrad-Klassiker Yamaha SR 500 T

Zurück in die Zukunft

Moderne Motorräder sind mehr oder weniger von aerodynamischen Plastikverschalungen umschlungen und zeichnen sich regelmäßig durch aufwändige Motor- und Rahmenkonstruktionen aus. Und bei den Bremsen repräsentieren Doppelkolben-Bremszangen, Fest- und Schwimmsattel-Bremsen und neuerdings auch Keramik-Bremsbeläge den aktuellen Stand der Technik. Ein Motorrad mit Trommelbremse im Vorderrad, gibt es das heute noch? Ja, und zwar nicht in irgendeinem Auslaufmodell der Gattung Enduro, sondern in der Yamaha SR 500 T des Jahrgangs 1988. Mit der Duplex-Trommelbremse vorne (wahlweise auch mit einer geschlitzten Scheibenbremse erhältlich), will Yamaha seinen klassischen Verkaufsschlager technisch noch einfacher gestalten.

Die ausgereifte Technik der SR 500 ist bekannt: luftgekühlter Einzylinder-Viertakter mit 499 ccm Hubraum und zwei Ventilen, einer oben liegenden Nockenwelle und einem Vergaser sowie Trockensumpfschmierung. An modernen Attributen weist der Eintopf eine kontaktlose CDI-Zündung und ein 12 Volt-Bordnetz auf. Leistung: 20 kW/27 PS bei 6.000 U/min. Gestartet wird per Kickstarter, was der SR den Ruf eines "Männer-Motorrades" eingebracht hat. Und in der Tat, das Startverhalten ist nicht unproblematisch. Hat man erst einmal herausgefunden, dass man den Choke nur beim morgendlichen Kaltstart benutzt und ansonsten am besten ebenso außer Acht lässt wie den Warmstartknopf, bedarf es meist nur noch ein oder mehrerer kräftiger Tritte auf den Kickstarter. Vorausgesetzt, der Kolben befindet sich auf seinem oberen Totpunkt, was man - zumindest am Tage - mit Hilfe einer Markierung in einem Sichtfenster am Zylinderkopf erkennen kann.

Zum Leben erweckt, beeindruckt die mit einem maximalen Drehmoment von 38 Nm (bei 3.500 U/min) aufwartende Yamaha mit ihrem relativ bulligen Antritt aus niedrigen Drehzahlen, der sich bis in mittlere Tourenbereiche fortsetzt. Obenherum wird die Leistungsentfaltung etwas zäher, beim Erreichen des roten Drehzahlbereiches bei 7.000 U/min ist dann endgültig Schluss. Vibrationen, wie sie die SR-Fans mögen, sind über den gesamten Drehzahlbereich deutlich spürbar. Sie nehmen jedoch mit zunehmender Drehzahl an Intensität zu, was zumindest auf Dauer doch strapaziös wird. Die Reisegeschwindigkeit pendelt sich somit bei 110 bis 120 km/h ein. Die Höchstgeschwindigkeit von gut 140 km/h (Tacho) wird nur in Ausnahmefällen freiwillig benutzt. Die Yamaha dankt das Fahren mit wenig Drehzahl durch einen niedrigen Benzinverbrauch von durchschnittlich rund 4,5 Litern bleifreiem Normalbenzin auf 100 Kilometer. Der 14 Liter-Tank sichert somit eine große Reichweite von bis zu 300 Kilometern. Das Fünfgang-Getriebe ist dabei passend zur Motorcharakteristik abgestuft. Die Kupplung präsentiert sich allerdings etwas schwergängig.

Schwergängig kann man das Fahren mit der Ketten-Maschine jedoch nicht bezeichnen. Das Fahrwerk, mittlerweile immerhin zehn Jahre alt, vermag normale Ansprüche nach wie vor zufrieden zu stellen. Das 170 Kilogramm-Motorrad gibt sich handlich und bietet dem Fahrer eine entspannt-aufrechte Sitzposition. Auch der Geradeauslauf und der Komfort stellen zufrieden. Bei schnellerem, SR-untypischen Fahren sind sowohl der Einschleifen-Stahlrohrrahmen wie auch die Federelemente indes mehr oder weniger überfordert. Speziell, wenn es darum geht, Bodenwellen in Schräglage anstandslos zu meistern oder Spurrillen und Fahrbahnmarkierungen bei hohem Autobahntempo souverän zu ignorieren.

Ein wenig unberechenbar stellt sich die vordere Duplex-Bremse dar. Mal beißt sie spontan zu, mal spricht sie später an. Fest steht jedoch, dass sie hohe Handkräfte zur Bedienung erfordert und im normalen Fahralltag kein Bremsfading aufkommen lässt. Die hintere Trommel überzeugt durch saubere Dosierung und hilft bei der Verzögerung effektiv mit. Die Ausstattung ist nicht üppig, aber trotzdem (fast) komplett. Tacho und Drehzahlmesser sind übersichtlich und die Schaltereinheiten einfach, aber gut bedienbar. Nur, dass der rechte Spiegel serienmäßig fehlt, ist nicht nur ärgerlich, sondern auch ein Sicherheitsmanko. Unwillen ruft auch der Haltegriff hinter der gut gepolsterten Sitzbank hervor. Die ansonsten bequem untergebrachte Sozia spürt ihn unangenehm im verlängerten Rücken.

Für 5.750 DM erhält der Biker mit der Yamaha SR 500 einen zeitlosen, charaktervollen und ausgereiften Motorradklassiker.

Der Artikel "Die mid Zeitreise: Test Yamaha SR 500 T" wurde am 18.05.2018 in der Kategorie Fahrbericht von Jutta Bernhard mit den Stichwörtern Historie, Motorrad, Fahrbericht, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

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