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Ford Fiesta ST: Rotzfreche Rennsemmel

9. Mai 2018, 08:05 Uhr
Ralf Schütze 5
5Ford Fiesta ST: Rotzfreche Rennsemmel
mid Nizza - Ab Juli rollt der hochdynamische und relativ erschwingliche Ford Fiesta ST als klassische kleine ,,Rennsemmel" über unsere Straßen. Ford
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Wenn seriös von 'Rennsemmeln' die Rede ist, also von erschwinglichen, kleine Sportautos, dann darf der Fiesta ST nicht ungenannt bleiben. Beeindruckend lässt der kleine Kölner seit Generationen die Muskeln spielen und verblüfft in den entscheidenden Disziplinen - ob beim Sprint, bei der möglichen Kurvengeschwindigkeit oder beim beherzten Bremsen. Jetzt geht der neueste Fiesta ST an den Start: Stärker und schneller denn je, aber auch weiterhin ein sportliches Schnäppchen?


Wenn seriös von "Rennsemmeln" die Rede ist, also von erschwinglichen, kleine Sportautos, dann darf der Fiesta ST nicht ungenannt bleiben. Beeindruckend lässt der kleine Kölner seit Generationen die Muskeln spielen und verblüfft in den entscheidenden Disziplinen - ob beim Sprint, bei der möglichen Kurvengeschwindigkeit oder beim beherzten Bremsen. Jetzt geht der neueste Fiesta ST an den Start: Stärker und schneller denn je, aber auch weiterhin ein sportliches Schnäppchen?

Wieviel Fahrspaß ist für 22.100 Euro käuflich? Eine der überzeugendsten Antworten auf diese Frage kommt ab Juli aus Köln: Sehr viel, wenn man die Scheine für einen neuen Ford Fiesta ST hinblättert. Was man dafür bekommt, liest sich in Zahlen schon mal sehr gut: 200 PS, 232 km/h Spitze, in 6,5 s von null auf 100, 290 Nm Drehmoment, die bereits ab 1.600/min anliegen. Doch damit nicht genug: Passend zur vielversprechenden Papierform setzt sich die kleine Kölner Kanone lautstark in Szene, denn der EcoBoost-Dreizylinder brüllt, brabbelt, bollert und sprotzt so rotzfrech drauflos, dass es eine wahre Freude ist. Nicht mal das geübte Ohr merkt ohne Weiteres, dass Lautsprecher den ohnehin knackigen Triple-Sound nochmals verstärken. Akustisch ist mit dem neuen Fiesta ST schon mal Gänsehaut-Feeling garantiert.

Und das Fahrgefühl hält voll mit: Je nach Modus ("Normal", "Sport" oder Rennstrecke") benimmt sich der sportliche Kleinwagen so, wie man es von ihm gerade erwartet: Mit ausreichendem Komfort, oder mit genug Sportlichkeit. Einzig fiel uns bei ersten Testfahrten im kurvig-bergigen Hinterland der Seealpen bei Nizza auf: Der Motorsound könnte im Modus "Normal" dezenter ausfallen, falls man auch akustisch mal eher zurückhaltend unterwegs sein möchte. Doch geschenkt: Bei soviel Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit für so überschaubares Geld gesteht man dies dem rotzfrechen Fiesta ST ohne Einschränkung zu.

Wie schön, wenn so ein hochemotionales Stück Technik auch noch politisch korrekt unterwegs ist: Seine ausgesprochene Dynamik paart der ST dank intelligenter Zylinderabschaltung mit erstaunlicher Effizienz, denn der technische Kniff reduziert den Spritverbrauch um zehn Prozent. Den Normwert von 6,0 l/100 km haben wir zwar in den südfranzösischen Seealpen deutlich übertroffen. Aber: 8,9 l/100 km bei extrem beherzter Fahrweise sind geradezu ein Ruhmesblatt. Bei betont sparsamer Fahrt verhilft die phasenweise Abschaltung des vordersten von drei Zylindern dazu, dass man sich dem Normwert durchaus nähern kann. 6,4 l/100 km im Schnitt sind absolut realistisch mit dem 200 PS-Geschoss.

Freudenspender Nr. 1 im Fiesta ST: Der 1,5-Liter-EcoBoost-Motor. Das oftmals prämierte Prachtstück setzt sich seit Jahren erfolgreich in Szene. Der kleine Turbo dreht sich bis zu 4.000 Mal pro Sekunde oder 248.000 Mal in der Minute, um das Optimum aus den relativ überschaubaren Kubikzentimetern herauszuholen. Ford Performance-Direktor Leo Roeks gilt bei den Kölnern als "Mister ST" und verrät: "Wir haben ganz bewusst den vermeintlichen Schritt zurück unternommen von vier auf drei Zylinder und von 1,6 auf 1,5 Liter Hubraum, denn wir wussten: Der EcoBoost-Motor mit seinem enormen Potenzial würde uns recht geben."

Gibt er auch, denn er macht im realen Fahreinsatz richtig Laune. Seine maximal 290 Nm Drehmoment sind ohnehin eine durchaus imposante Schubkraft für einen sportlichen Kleinwagen. Aber noch dazu liegen sie zwischen 1.600 und 4.000/min an. Der Griff an die knackige und exakte Sechsgang-Schaltung ist somit herzlich selten von Nöten. Das Fiesta ST-Fahrwerk ist leicht übersteuernd ausgelegt, wodurch sich der Fronttriebler auch im Grenzbereich und im Rennstrecken-Modus noch relativ beherrschbar anfühlt - oder testweise im südfranzösischen Kreisverkehr, wo man sich allmählich und kontrolliert an eben jenen, relativ hoch liegenden Grenzbereich heranfahren kann.

Den extrem gelungenen Kompromiss aus hoher Sportlichkeit und ausreichendem Komfort schaffte Ford Performance unter anderem durch eine aufwändige und effiziente Verbundlenker-Hinterachse, spezielle Schraubenfedern, die auch Seitenkräfte übertragen, Spezialdämpfer, eine lineare Lenkung mit verringerter Reibung und vieles mehr. Die Fahrspaß-Abteilung von Ford konnte dabei auf einer ohnehin recht agilen Kleinwagen-Basis aufbauen. Der normale Fiesta wurde zur Umwandlung in einen würdigen ST um zehn Millimeter tiefergelegt. Geblieben sind handfeste Tugenden des Kölner Kleinwagens wie großzügiger Innenraum (bereichert unter anderem um perfekt sitzende Recaros) und erfreulich hochwertige Materialien.

Wer in puncto Sportlichkeit noch eins draufsetzen möchte, kann für den Fiesta ST das Performance-Paket dazu bestellen. Es kostet 950 Euro und umfasst ein mechanisches Sperrdifferenzial für die angetriebene Vorderachse, eine Launch Control und eine Schaltanzeige. Konsequent bietet Ford seinen neuen Fiesta ST wahlweise als 3-Türer oder für 800 Euro Aufpreis auch als 5-Türer an. Roeks erwartet rund zwei Drittel 3-Türer unter den ab sofort möglichen Bestellungen. Wer in der Aufpreisliste so gut wie alles ankreuzt, treibt den Preis für seinen Fiesta ST auf immer noch nachvollziehbare 26.050 Euro. Darin enthalten ist dann unter anderem eine Highend-Soundanlage vom Klang-Spezialisten Bang&Olufsen mit 675 Watt und zehn Lautsprechern. Dieses Extra ist zwar auf seine Art absolut imposant, dennoch halten wir es in der Kölner Rennsemmel für fragwürdig. Denn auf den ungetrübten Genuss des rotzfrechen Fiesta ST-Motorsounds wird man nur höchst selten verzichten...

Ralf Schütze / mid

Technische Daten Ford Fiesta ST:
Zweisitziger und zweitüriger Roadster, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,01/1,74 (o. Spiegel)/1,47/2,49, Leergewicht: 1.262 kg (5-Türer: 1.283), zul. Gesamtgewicht: 1.635 kg (5-Türer: 1.655), max. Zuladung: 373 kg (5-Türer: 372), Kofferraumvolumen: 292-1.093 l, Tankinhalt: 45 l, Preis: ab 22.100 Euro.

Motor: 1,5 l EcoBoost-Benziner, Reihen-Dreizylinder mit Turboaufladung und intelligenter Zylinder-Steuerung, Hubraum: 1.499 ccm, Leistung: 147 kW/200 PS bei 6.000 U/min, max. Drehmoment: 290 Nm bei 1.600-4.000 U/min, Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 6,5 s, Höchstgeschwindigkeit: 232 km/h, Normverbrauch: 6,0 l auf 100 km, CO2-Ausstoß: 136 g/km, Sechsgang-Handschaltung, Frontantrieb.

Der Artikel "Ford Fiesta ST: Rotzfreche Rennsemmel" wurde am 09.05.2018 in der Kategorie Fahrbericht von Ralf Schütze mit den Stichwörtern Auto, Lifestyle, Fahrbericht, Neuheit, Kleinwagen, Sportwagen, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

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