Specials

Autojahr 2017: Fünf wegweisende Studien - Visionäre Visionen

5. Januar 2018, 10:56 Uhr
Mario Hommen/SP-X 5
5Autojahr 2017: Fünf wegweisende Studien - Visionäre Visionen
VW setzt auf E-Mobilität: Der I.D. Crozz ist einer der Vorboten dieser Elektro-Offensive Foto: Volkswagen
5 Bilder
In der Automobilbranche haben sich vergangenes Jahr einige Umbrüche und neue Megatrends angekündigt. Fünf Studien aus dem Jahr 2017 stehen symbolhaft für diese zum Teil drastischen Verwerfungen und Paradigmenwechsel.

Wie jedes Jahr hat die Autoindustrie auch 2017 wieder eine Vielzahl Studien und Prototypen auf die Öffentlichkeit losgelassen. Darunter waren fünf neue Konzepte, die besonders richtungsweisenden Charakter für Trends und Umbrüche in der Autowelt haben.
 
Auf eigentlich allen wichtigen Messen und zudem in mehreren Varianten und Versionen hat VW 2017 Mitglieder der neuen I.D.-Familie präsentiert. Besonders häufig zu sehen war der bereits seriennahe I.D. Crozz. Das rein elektrisch angetriebene SUV ist VWs Antwort auf den Dieselskandal. Statt den Diesel will VW ab 2020 die E-Mobilität in den Fokus seiner Kundschaft rücken. Bei den künftigen Stromern, und hier sind eine Vielzahl neuer Modelle in kurzer Folge geplant, setzt VW auf eine neue und speziell auf die Anforderungen der E-Mobilität hin optimierte Plattform: dem sogenannten Modularen Elektrizitätsbaukasten MEB. Und wie das SUV-Coupé Crozz sollen auch künftige Elektroautos von VW groß, luxuriös und reichweitenstark sein sowie hochautomatisierte Fahrkünste bieten. Die Zeitenwende und modellpolitische Neuausrichtung des Konzerns, die der VW I.D. Crozz ankündigt, soll auch auf Marken wie Skoda oder Audi durchschlagen.
 
2017 war unter anderem das Jahr, in dem mehrere Länder Europas konkrete Jahreszahlen für das Verbot von Autos mit Verbrennungsmotoren ankündigten. Großbritannien etwa plant den Ausstieg für 2040. Als eine direkte Antwort auf diese Pläne kann man Jaguars Präsentation eines elektrifizierten E-Type Roadsters Baujahr 1968 werten. Die britische Traditionsmarke zeigt damit, dass coole alte Autos auch nach einem Verbrennerverbot in England eine Zukunft im öffentlichen Straßenverkehr haben können. Wer also Garagengold besitzt, muss das Jahr 2040 nicht fürchten, denn aus einst üblen Dreckschleudern lassen sich vorbildliche Saubermänner machen. Im Fall des E-Type musste dafür allerdings der gute alte V12 dran glauben, der durch einen E-Motor und ein Batteriepaket ersetzt wurde. Im Fall des E-Type-Umbaus - ein übrigens unverkäufliches Einzelstück - wird das sicherlich teuer gewesen sein. Doch das muss es nicht bleiben. Jaguar will schon bald zur Elektroautomarke aufsteigen und kann dann auf entsprechende Technik und Kompetenz im eigenen Haus zurückgreifen. Diese Kompetenz dürften künftig auch viele andere Firmen bieten. Neben dem Bau neuer Elektroautos könnte zusätzlich die nachträgliche Elektrifizierung alter Autos in wenigen Jahren ein großes und einträgliches Geschäft werden.
 
Dass E-Mobilität in noch ganz anderen, vor allem größeren Dimensionen stattfinden wird, hat Tesla im November mit der Präsentation eines seriennahen Elektro-Lkws demonstriert. Der Semi-Truck-Sattelschlepper soll bereits ab 2019 die Logistikbranche ein Stück weit revolutionieren. Tesla verspricht regelrechte Wunder, an die einige Auto-Experten allerdings ihre Zweifel haben. Der Batterie-Lkw soll nicht nur helfen, Energie und CO2 einzusparen, sondern außerdem noch dem Logistik-Unternehmer monetäre Vorteile verschaffen. So verspricht der Elektroauto-Pionier im Vergleich zu klassischen Diesel-Trucks etwa geringere Anschaffungs- und Unterhaltskosten. Zudem soll der E-Lkw 1,6 Millionen Kilometer quasi pannenfrei einsetzbar sein. Und der Semi-Truck kann mit teilautonomen Fahrkünsten, Totwinkelwarner, Spurhalte- und Notbremsassistenten seinen Fahrer unterstützen und Unfallgefahren mindern. Neben Tesla haben 2017 noch weitere Hersteller eine große Zukunft der E-Mobilität im Nutzfahrzeugsektor propagiert. 2017 hat zum Beispiel DHL in Deutschland eine stattliche Flotte sogenannter Streetscooter aufgebaut, die sich bereits im alltäglichen Einsatz bewährt hat. Hersteller wie Mercedes oder MAN haben angekündigt, elektrische Trucks für den Verteilerverkehr in Europa zu entwickeln, die in wenigen Jahren in Serie gehen sollen. Die Daimler-Tochter Fuso hat sogar die Produktion des eCanter bereits gestartet.

Neben elektrischen Lastern werden in wenigen Jahren vermehrt auch extrem schnelle Teilzeit-Stromer mit Rennsporttechnik die Straßen der Welt unsicher machen. Exemplarisch für eine regelrechte Hypercar-Flut war die Präsentation des Aston Martin Valkyrie, den der britische Sportwagenhersteller zusammen mit dem Red-Bull-Racing-Team und Cosworth entwickelt hat. Cosworth etwa steuert den 6,5-Liter-V12 bei, der im Zusammenspiel mit einer Elektromotor-Einheit mehr als 1.000 PS zur Verfügung stellen soll. Da ein Gewicht von gut einer Tonne angestrebt wird, soll die Valkyrie ein Leistungsgewicht von 1:1 - also von einem PS pro Kilogramm Fahrgewicht - bieten. 2019 will auch Mercedes mit dem AMG Project One einen ebenfalls über 1.000 PS starken Hybrid-Flachmann mit Straßenzulassung in den Markt bringen, den ein 1,6-Liter-V6-Benziner aus dem Mercedes-AMG Petronas Formel-1-Rennwagen im Zusammenspiel mit gleich vier Elektromotoren zu extremen Fahrleistungen treiben wird.

Ebenfalls sportlich, doch im Vergleich zu den genannten Extremboliden fast bescheiden, mutet die auf der IAA 2017 vorgestellte Studie einer elektrisch angetriebenen Luxuslimousine namens Isabella der wiederbelebten Automarke Borgward an. Beeindrucken konnte dieses aufwendig gemachte, futuristische Konzept mit einer Vielzahl Innovationen und sehenswerten Designlösungen. Und damit steht das Konzept zugleich symbolhaft für den Fortschritt, den chinesische Autohersteller in den vergangenen zehn Jahren gemacht haben. 2007 war die IAA schon einmal Bühne für eine Neuheiten-Flut aus China, die viel Aufsehen erregte. Doch dieser erster ,,Sturm auf die Bastion Europa" entpuppte sich als großer Flop. So schnell wie die Marken plötzlich auftauchten, verschwanden sie auch wieder. Mit Chery, Lynk & Co, Byton, Wey, Geely und Borgward wollen gleich sechs Marken mit chinesischem Wurzeln den Sprung nach Europa angekündigt. Dieses Mal, so hat man den Eindruck gewonnen, könnten die Chinesen kommen, um zu bleiben. Wenn sie denn kommen.

Der Artikel "Autojahr 2017: Fünf wegweisende Studien - Visionäre Visionen" wurde am 05.01.2018 in der Kategorie Specials von Mario Hommen/SP-X mit den Stichwörtern Autojahr 2017: Fünf wegweisende Studien, Event, Messe, veröffentlicht.

ANZEIGE

Autojahr 2017: Fünf wegweisende Studien

Weitere Meldungen

24. September 2018

Die Skoda-Stars für Paris

Die tschechische VW-Tochter Skoda will sich auf der Paris Motor Show sportlich, nachhaltig und als ...

Comments

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.

comments powered by Disqus