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Schadensabwicklung: Was ein Unfall kosten kann

19. Juni 2017
Redaktion 3
3Schadensabwicklung: Was ein Unfall kosten kann
Ablenkung und überhöhte Geschwindigkeit können zu schweren Unfällen führen. Pixabay.com, ©Rico_Loeb CC0-Lizenz
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Wer sich beim Autofahren ablenken lässt, erhöht sein Unfallrisiko enorm. Ein kurzer Blick aufs Handy, die Beantwortung einer SMS oder das Schminken während der Fahrt genügen bereits, um im Ernstfall nicht mehr schnell genug reagieren zu können. Doch wie ist das Vorgehen bei einem Unfall? Und was kann an Kosten auf einen zukommen?

Nach Aussagen des Statistischen Bundesamts kracht es auf deutschen Straßen im Schnitt alle 13 Sekunden. Die letzten beiden Jahren gab es somit insgesamt über 2,5 Millionen gemeldeter Unfälle. Da jedoch weit nicht alle Unfälle gemeldet werden, liegt die Dunkelziffer vermutlich deutlich höher.

Die Kosten, die durch den Unfall entstehen können, variieren dabei von zu vernachlässigenden Kratzern bis hin zu Schäden in Millionenhöhe.

Was bei Sachschäden zu berücksichtigen ist

Grundsätzlich muss bei der Schadensabwicklung zwischen Sach- und Personenschäden unterschieden werden.Zu den Sachschäden gehören die notwendigen Reparaturkosten, die Wertminderung des Fahrzeugs, Abschleppkosten, Kosten für einen Unfallsachverständigen und Kosten durch Nutzungsausfall des Fahrzeugs.

Reparaturkosten variieren häufig auch nach Marke des Autos und Ausmaß des Schadens. So kann alleine die Reparatur eines Außenspiegels zwischen einigen hundert und tausend Euro kosten, je nachdem um welches Fahrzeugmodell es sich handelt und welches Schadensausmaß besteht. Ist beispielsweise nur das Spiegelglas zerbrochen, reicht es, dieses auszuwechseln. Die Kosten hierfür liegen um die hundert Euro. Ist der komplette Außenspiegel hinüber, so muss die Elektronik samt Sensoren ersetzt werden und eine Lackierung des Gehäuses erfolgen. Damit können die Kosten schnell in den oberen dreistelligen bis unteren vierstelligen Bereich steigen.

Deutlich teurer ist ein Totalschaden, der häufig bei Auffahrunfällen entsteht – gerade dann, wenn das Fahrzeug schon etwas älter war und der Restwert unter den berechneten Reparaturkosten liegt. In einem solchen Fall muss überdacht werden, ob sich eine Reparatur wirklich rechnet, oder ob sich besser ein neues Fahrzeug angeschafft wird. Denn wenn der spätere Wiederverkaufswert eingerechnet wird, ist ein Unfallwagen hier oftmals benachteiligt. Sollte ein Neukauf erfolgen, müssen ebenfalls zusätzliche Kosten einkalkuliert werden. Meist ist das Auto nicht aus der Portokasse zu finanzieren, sondern es muss ein zusätzlicher Kredit aufgenommen werden. Um sich vor Fehlern bei der Kreditaufnahme zu schützen, sollte fachmännischer Rat in Anspruch genommen werden. Denn Vorkosten bei Krediten oder undurchsichtige AGBs können die Kosten unnötig in die Höhe treiben.

Ebenso sollte sich durch einen entstehenden Schaden durch den Nutzungsausfall abgesichert werden. Viele Versicherungen bieten für eine Übergangszeit ein Ersatzfahrzeug an. Ist der Ernstfall dann eingetreten, müssen diese jedoch manchmal an ihre vertraglichen Vereinbarungen erinnert werden.

Ein weiterer wesentlicher Kostenfaktor sind die Autowerkstätten. Müssen die Schäden in einer Vertragswerkstatt behoben werden, liegen die Kosten meist höher, als wenn sich eine kleine, aber günstige Werkstatt ausgesucht werden kann.

Was bei Personenschäden zu berücksichtigen ist

Sind beim Unfall auch Personen zu Schaden gekommen, werden auch hier Kosten fällig. Arztkosten, Schmerzensgeld und Kosten für den Verdienstausfall stellen dabei die häufigsten Kosten dar. Die Liste kann allerdings noch um weitere Kosten, sowie die eigenen Anwaltskosten erweitert werden.

Die entstehenden Kosten werden im Gegensatz zu den Sachkosten nicht durch einen KFZ-Sachverständigen ermittelt. Hier werden ganz konkrete Summen durch Heilbehandlungskosten oder Kosten für Haushaltshilfe etc. fällig.

Beim Schmerzensgeld gibt es im Gegenzug dazu keine konkreten Kosten. Hierzu gibt es stattdessen Schmerzensgeldtabellen, anhand derer Richtwerte für einen Anspruch auf Schmerzensgeld ermittelt werden können. Diese Tabellen enthalten allerdings keine starren Summenangaben, sondern bestehen vielmehr aus einer Sammlung von Rechtsprechungen, wieviel Schmerzensgeld für welche Verletzung in der Vergangenheit vor einem Gericht zugesprochen wurden. Somit hängt die Höhe letztendlich vom ärztlichen Befund und dem jeweiligen Anwalt ab. Bei Verletzungen der Halswirbelsäule oder HWS-Syndrom kann die Summe durchaus in den vierstelligen Bereich klettern.

Ist die Folge des Unfalls eine Querschnittlähmung, liegen die gängigen Summen für Schmerzensgeld laut verschiedener Gerichtsurteile zwischen 100.000 und 250.000 Euro. Damit liegt Deutschland noch weit hinter den USA, in denen Schmerzensgelder schnell schon mal in den siebenstelligen Bereich klettern können.

Ablauf der Schadensmeldung

Ist ein Unfallschaden eingetreten, muss dieser an die Versicherung gemeldet werden. Dazu müssen Name und Vorname soweit Adresse und Telefonnummer der Unfallbeteiligten erfasst und weitergegeben werden. Ebenso müssen die KFZ-Kennzeichen der beteiligten Fahrzeuge und eine Schilderung des Unfallhergangs inklusive Angabe von Verletzungen und eventuellen Zeugen weitergereicht werden.

Um den Schaden zu erfassen, sollten Beweisfotos noch am Unfallort vorgenommen werden. Allerdings darf nicht vergessen werden, vorher die Unfallstelle ordnungsgemäß abzusichern und die Polizei zu rufen. Ebenso müssen die Warnwesten angelegt und bei Bedarf Verletzte versorgt werden.

Werden Lichtbilder aufgenommen, sollte der Unfall von mehreren Seiten abgelichtet werden. Hilfreich kann es sein, auch Anhaltspunkte wie Ampeln oder Verkehrsschilder mit auf den Bildern zu haben, um den Vorgang möglichst gut rekonstruieren zu können.

Der Schaden muss bei Schuld oder Teilschuld meist innerhalb einer Woche bei der eigenen Versicherung gemeldet werden, um nicht zu riskieren, dass diese später eine Regressforderung stellt. Besser ist es jedoch auch bei Nichtverschulden des Unfalls, diesen der Versicherung zu melden. Denn es kann immer vorkommen, dass der Unfallgegner Schadensersatz von der Haftpflicht einfordert, worauf diese dann vorbereitet sein sollte.

Der Artikel "Schadensabwicklung: Was ein Unfall kosten kann" wurde am 19.06.2017 in der Kategorie Ratgeber von Redaktion mit den Stichwörtern Schadensabwicklung: Was ein Unfall kosten kann, Tipp & Infos, veröffentlicht.

Schadensabwicklung: Was ein Unfall kosten kann

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