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Seat Ateca 1.4 EcoTSI: Der zierliche Bruder des Tiguan

2. Januar 2017, 10:31 Uhr
Klaus Brieter 6
6Seat Ateca 1.4 EcoTSI: Der zierliche Bruder des Tiguan
mid München - Temperamentvolles Kompakt-SUV mit spanischem Flair: der Seat Ateca. Seat
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Der Volkswagen-Konzern macht dem VW Tiguan intern mächtig Konkurrenz. Neben dem bulligeren Skoda Kodiaq wird die Familie mit dem kürzeren Seat Ateca nach unten abgerundet. Wir fuhren den spanischen Ableger mit dem 1,4-Liter-''Eco''-Benziner.

Manchmal lohnt es sich zu warten. Diese Weisheit des Alltags lässt sich mit Sicherheit auf den Seat Ateca anwenden. Denn in der ständig wachsenden Klasse der kompakten SUV geht der Spanier ziemlich spät ins Rennen. Aus der Sicht des Volkswagen-Konzerns, dessen Spross er ist, sicher keine schlechte Entscheidung. Denn zuerst sollte sich sein älterer Bruder, der VW Tiguan, etablieren dürfen. Das ist auch gut gelungen. Und so ist es logisch, dass jetzt die ungleichen Zwillinge, der zierliche Seat Ateca und der stämmige Skoda Kodiaq auf die Kunden losgelassen werden.

Offensichtlich gefällt den potenziellen Käufern auf Anhieb das flotte Design. Noch bevor der Wagen beim Händler zu Probefahrten bereitstand, gingen bei Seat so viele Vorbestellungen ein, wie bei keinem anderen Modell zuvor. Insofern startet der flott gestaltete Ateca als richtiger Knaller. Und so wie er sich sonst noch gibt, könnte er auch längerfristig zum Erfolg "verdammt" sein. Das muss nicht bedeuten, dass er dabei auf Kosten des Tiguan wildert, schließlich hat er trotz des technischen Gleichklangs der beiden einen völlig eigenen Charakter. Das geht schon damit los, dass der Ateca beim Entriegeln der Türen seine Seitenlinie und seinen Namen auf den Boden schreibt - als kreisrundes Hologramm, das bei Nacht den Einstiegsbereich vor den Vordertüren höflich ausleuchtet.

Wir fuhren den Seat Ateca Style mit dem 110 kW/150 PS starken 1,4-Liter-Turbobenziner, der für 24.700 Euro in der Preisliste steht. Allerdings war die Testversion so reichlich ausgestattet, dass der Kassenzettel einen um rund 10.000 Euro höheren Preis auswies. Die dicksten Brocken: Navigationssystem Plus incl. Full Link und Soundsystem (1.756 Euro), Voll-LED-Scheinwerfer (990 Euro), Anhängevorrichtung mit elektrischer Entriegelung (790 Euro), Fahrassistenzpaket III (730 Euro) und elektrisch betätigte Heckklappe (700 Euro).

Der Motor reicht im Alltag sicher aus. Der Vierzylinder ist eigentlich ein "Vier-Minus-Zwei-Motor": Er schaltet nämlich während der Fahrt nahezu unmerklich zwei Zylinder aus, wenn er bei zurückgenommenen Gas nur so dahinrollt. Sobald Leistung gefordert ist, sind wieder alle Zylinder kräftig bei der Sache. Den Durchschnittsverbrauch gibt Seat mit 5,3 Liter auf 100 Kilometer an, in der Praxis liegt man im gemischten Betrieb eher zwischen 6,5 bis 7 Liter. Auch kein schlechter Wert für einen geräumigen Wagen.

Der Fahrerplatz ist sehr funktional und übersichtlich gestaltet. Für die Emotionen sorgen der im Herzschlag- Rhythmus pulsierende Startknopf auf der Mittelkonsole und die roten, von innen beleuchteten Zeiger der Instrumente. Vorbildlich gestaltet ist das Multifunktionslenkrad: Es ist nicht mit Knöpfen und Schaltern überladen, sondern vernünftig bestückt. Das hilft dem Fahrer unterwegs, auf Anhieb die richtige Funktion zu erwischen. Auch das 6-Gang-Schaltgetriebe fügt sich willig in die gewünschte Funktionalität ein. Die Gänge sind gut abgestuft und lassen sich ohne Widerstand treffsicher einlegen.

Ein dickes Lob verdient das Fahrwerk. Es präsentiert sich zwar straffer als im Tiguan, opfert dafür aber nicht den Komfort. Ein guter Kompromiss, der auf der Landstraße und in der Stadt gleichermaßen zu gefallen weiß. Auch die elektromechanische Lenkung kommt mit ihrer Aufgabe gut klar: Sie spricht gut an und liefert auch eine ausreichende Rückmeldung an den Fahrer. Insgesamt könnte sie ein bisschen direkter sein.

Die große Stärke des Ateca liegt in seinem großzügigen Platzangebot bei überschaubaren Außenmaßen. Vorn wie hinten leiden auch sehr groß gewachsene Personen niemals unter Platzangst. Bein- und Kopffreiheit halten sich gleichermaßen die Waage. Schade, dass Seat bei einigen Innenraum-Materialien gespart hat. Im Detail wirken zum Beispiel die Tür-Innenverkleidungen nicht so hochwertig, wie es die absolut akkurate Passgenauigkeit des Innen-Trimms vermuten lässt. Weiterer Kritikpunkt: Beim Umlegen der Rücksitzbank entsteht eine unpraktische Stufe im Kofferraum. Das hätte man bei etwas mehr gutem Willen in Konstruktions-Abteilung auch praktischer machen können. Oder hat hier einfach nur die billigere Lösung gesiegt?

Das sind jedoch nur Kleinigkeiten, die den positiven Gesamteindruck des Ateca kaum schmälern. Mit diesem Auto ist man gern unterwegs. Dazu leisten auch die gut konturierten Vordersitze einen Beitrag, die sowohl in Kurven als auch auf der Langstrecke begeistern. Wer auf spanischen Chic steht, gern in einer erhabenen Sitzposition unterwegs ist und solide Großserien-Technik schätzt, der ist mit dem Ateca gut beraten. Hinzu kommt: Gegenüber dem um 13 Zentimeter längeren Tiguan spart der Kunde bei der Anschaffung mehrere Tausend Euro, die er dann locker in sinnvolle Zusatzausstattung, wie Fahrerassistenzpakete oder das brillante Navigations-System mit großem Bildschirm investieren kann. Bei der Zahl der massiven Vorbestellungen muss man dann wohl noch etwas warten. Aber es lohnt sich.

Klaus Brieter/mid

Technische Daten Seat Ateca Style 1.4 EcoTSI:
Fünftüriges SUV der unteren Mittelklasse, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,36/1,84/1,60/2,64, Leergewicht: 1.349 kg, Zuladung: 616 kg, Tankinhalt: ca. 50 l, Kofferraumvolumen: 510 - 1.604 l.
Motor: Vierzylinder-Benziner mit Direkteinspritzung, Hubraum 1.395 ccm, Leistung: 110 kW/150 PS bei 5.000 - 6.000/min, max. Drehmoment: 250 Nm bei 1.500 - 3.500/min, 0 -100 km/h: 8,5 s, Höchstgeschwindigkeit: 201 km/h, manuelles 6-Gang-Getriebe, Frontantrieb, Durchschnittsverbrauch: 5,3 l Super/100km, CO2-Ausstoß: 123 g/km, Energieeffizienzklasse: B, Preis: 24.700 Euro.

Der Artikel "Seat Ateca 1.4 EcoTSI: Der zierliche Bruder des Tiguan" wurde am 02.01.2017 in der Kategorie Fahrbericht von Klaus Brieter mit den Stichwörtern SUV, Autotest, Neuheit, Kompakter, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

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