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Panorama: Reisemobile im Schnee - Camping für Winterfreunde

30. Dezember 2016, 10:42 Uhr
Michael Lennartz 7
7Panorama: Reisemobile im Schnee - Camping für Winterfreunde
Die Nähe zur Natur im Reisemobil wird nicht nur in sommerlichen Gefilden geschätzt. Auch das Wintercamping gewinnt immer mehr Freunde. Mit einem Reisemobil auf Sprinter-Basis samt Allradantrieb ist man gerüstet Foto: Hymer
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Die Nähe zur Natur im Reisemobil wird nicht nur in sommerlichen Gefilden geschätzt. Auch das Wintercamping gewinnt immer mehr Freunde. Mit einem Reisemobil auf Sprinter-Basis samt Allradantrieb ist man gerüstet.

Es gibt ja diese ganz spezielle Art des Wintercampings, die sich vor allem bei der Generation Ü65, bekanntermaßen eine der wichtigsten Zielgruppen in der Reisemobil-Branche, großer Beliebtheit erfreut. Für diese sehr rüstige und reisefreudige Rentnerschaft ersetzt der Campingplatz im Süden von Italien, Spanien oder Portugal, wenn nicht gar Sizilien oder Marokko, den Altersruhesitz am Meer, den sich andere Zeitgenossen vielleicht in Form einer Immobilie erfüllen. Hier geht es also darum, Kälte, Schnee und Eis zu entfliehen, der frostigen Jahreszeit mit einem drei- bis viermonatigen Aufenthalt in wärmeren Gefilden den Rücken zu kehren und im Kreise zahlreicher Gleichgesinnter auf spezialisierten Campinganlagen mit entsprechender Infrastruktur zu überwintern.

Aber natürlich steht diesen Winterflüchtigen auch die andere Fraktion entgegen. Jene, die explizit die Winterfreuden suchen. Skisportler, egal ob alpin oder nordisch, Skiwanderer, Leute mit dem besonderen Gespür für Schnee, die sich an der weißen Bergwelt niemals satt sehen können und die, gerade weil sie die Nähe zur Natur so lieben, gerne auch mit dem Reisemobil unterwegs sind. Richtiges Wintercamping also.

Brrrrrr - bei dem Gedanken daran braucht sich keiner jetzt zu schütteln. Denn die gute Nachricht ist: Kalt ist es nur draußen. Reisemobile bieten heutzutage hohen Wohnkomfort, egal ob Kastenwagen, teil- oder vollintegriertes Fahrzeug. Die schlechte Nachricht: Für winterfeste Modelle muss der Kunde schon etwas tiefer in die Tasche greifen, speziell wenn das rollende Eigenheim aus der Kooperation von Mercedes-Benz und Caravan-Hersteller Hymer stammt und der Sprinter als Basisfahrzeug mit dem zuschaltbaren Allradantrieb für allein 11.390 Aufpreis kombiniert ist. So nähert sich beispielsweise der Hymer ML-T 580, der in der Grundversion 66.490 Euro kostet, in der 4x4-Variante mit ein paar zusätzlichen Komfort-Extras schnell der 100.000-Euro-Grenze.

Doch der Reihe nach. Was heißt eigentlich wintertauglich? Oder winterfest? Im normalen Sprachgebrauch werden diese beiden Begriffe ja in etwa gleich verwendet. Bei den Caravanern sind diese Bezeichnungen jedoch DIN-Norm-geschützt und durch exakt vorgegebene Prüfverfahren klar abgegrenzt. So muss sich bei einem wintertauglichen Reisemobil ein auf 0 Grad heruntergekühltes Fahrzeug binnen zwei Stunden auf 20 Grad Innentemperatur erwärmen lassen und dieses Niveau auch halten. Bei einem winterfesten Wohnmobil gelten verschärfte Bedingungen mit der Aufheizung von minus 15 Grad bis plus 20 Grad.

Für mollige Wärme im Innern sorgen bei den Hymer-Reisemobilen entweder eine gasbetriebene Truma-Heizung mit Wasseraufbereitung und Umluft oder als Sonderausstattung für etwa 4.500 bis 6.000 Euro Aufpreis eine komfortablere Alde-Warmwasserheizung, die eine gleichmäßige und lautlose Wärmeverteilung ermöglicht. Zum Wärmeerhalt tragen zudem ein mit Polyurethan-Schaum gedämmter Aufbau, Fenster mit doppelter Acrylverglasung und die richtige Luftzirkulation bei.

Und natürlich zeigen sich auch in den gut geschützten Frisch- und Abwassertanks die Winterqualitäten eines Reisemobils. Isolierte Wannen, die von Warmluft durchströmt werden, verhindern hier ebenso ein Einfrieren wie bei den ebenfalls voll isolierten Zuleitungen. ,,Unsere Reisemobile sind allesamt winterfest", erklärt Hymer-Chef Bernhard Kibler.  

Zum gehobenen Wohnkomfort im Winter passt idealerweise auch der Allradantrieb, den Hymer ausschließlich bei dem teilintegrierten ML-T 580 und dem ebenfalls sieben Meter langen Integierten ML-I 580 anbietet. Letzterer kostet dann schon mindestens 90.000 Euro. Auch wenn der 4x4-Sprinter nun wirklich kein Offroader ist, erlaubt der zuschaltbare Allradantrieb durchaus Ausflüge auf unbefestigten Pfaden abseits asphaltierter Straßen. Eine vorn um elf und hinten um acht Zentimeter angehobene Karosserie ist dabei hilfreich, verleiht dem Reisemobil aber auch ein hochbeiniges, etwas SUV-igeres Aussehen.

Vor allem überzeugt das Konzept aber auf schneebedeckten und zum Teil vereisten Straßen, wie wir sie auf dem für den öffentlichen Verkehr bereits gesperrten, bis zu zehnprozentigen Anstieg hoch hinauf aufs Timmelsjoch erfahren konnten. Hervorragende Traktion auch auf spiegelglattem Untergrund hielten den Hymer ML-T 580 auch in den Spitzkehren sauber und ohne tänzelndes Heck in der Spur.

Keine Frage, optionaler Allradantrieb ist teuer. Wer sich aber für die Kombination Mercedes Sprinter und Hymer entscheidet, schreckt wohl auch vor diesen Kosten nicht zurück. Der 4x4-Anteil ist gerade beim teilintegrierten ML-T 580 mit rund 25 Prozent extrem hoch. Nach den generell seit 2009 stetig und steil steigenden Zulassungszahlen, die auch in diesem Jahr ein neues Rekordniveau erreichen, dürfte dabei auch der Trend zum Wintercamping eine Rolle spielen. 2015 zählte das Statistische Bundesamt auf Deutschlands Campingplätzen rund 1,3 Millionen Übernachtungen in den Wintermonaten. Das sind 63,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Lukas Kneisl, Juniorchef vom Campingplatz Sölden, bestätigt die wachsende Beliebtheit des Wintercampings: ,,Während hier in Österreich die Übernachtungszahlen im Sommer zuletzt leicht rückläufig waren, hatten wir in den vergangenen Wintern Jahr für Jahr ein Plus von rund fünf Prozent." Das zusätzliche Service-Angebot wie abgeschlossene, beheizte Sanitäranlagen oder Ski- und Trockenräume für die nassen Klamotten der Wintersportler machen sich da bezahlt. Und so wie in Sölden, wo es nur 200 Meter bis zur Gaislachkoglbahn sind, die bis zur Bergstation auf 3.056 Meter Höhe führt, haben viele Winterplätze zudem Standortvorteile.
Und wer selbst damit nicht zu locken ist, für den bleibt ja noch die Variante mit dem Überwintern in südlichen Gefilden.

Der Artikel "Panorama: Reisemobile im Schnee - Camping für Winterfreunde" wurde am 30.12.2016 in der Kategorie Reise von Michael Lennartz mit den Stichwörtern Panorama: Reisemobile im Schnee, Reise-Tipp, Caravan, Wohnwagen, Wohnmobil, Camper, Bahn veröffentlicht.

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