Transport

Übersee-Weine sind keine Umwelt-Sünde

23. Juni 2016, 12:14 Uhr
Lars Wallerang
Übersee-Weine sind keine Umwelt-Sünde
mid Groß-Gerau - Ein typischer Rheinfrachter, der unter anderem Wein aus Übersee nach Deutschland bringt, auf der Rückfahrt nach Rotterdam.. Foto: Elmar Schlich
Wer in Deutschland kalifornische Weine trinkt, muss kein schlechtes Öko-Gewissen haben. Denn der Transport verursacht laut einer Studie nur geringe Umwelt-Schäden. Der Brötchenkauf mit dem Auto setzt demnach mehr CO2 frei.

Wer in Deutschland kalifornische Weine trinkt, muss kein schlechtes Öko-Gewissen haben. Denn der Transport verursacht laut einer Studie nur geringe Umwelt-Schäden. Der Brötchenkauf mit dem Auto setzt demnach mehr CO2 frei. Das sagen jedenfalls Forscher der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), die mit Kollegen der San Francisco State University kooperieren.

So seien dem globalen Transport einer Flasche Zinfandel über 18.000 Kilometer vom Abfüller in Kalifornien bis zum Einzelhandel gerade einmal 200 Gramm Kohlendioxid zuzurechnen. Zum Vergleich: Pro Kopf und Jahr werden in deutschen Privathaushalten rund 4,4 Tonnen Kohlendioxid freigesetzt. 200 Gramm Kohlendioxid werden beispielsweise frei, wenn ein privater PKW eine Strecke von nur 1,4 Kilometern zurücklegt. Das könnte die Fahrt zum Briefkasten sein, der Schulweg der Kinder oder das sonntägliche Brötchenholen mit dem Auto.

Weite Transporte stehen in Deutschland im Ruf, besonders klimaschädlich zu sein. Aufgrund der Klimadebatte boomen im Lebensmittel-Einzelhandel sogenannte "Regionale Produkte". Kurze Wege suggerieren beim Kunden Klimafreundlichkeit. Andererseits sprechen Logistikunternehmen von großen Fortschritten in der Effizienz der globalen Transportketten, wobei diese für die Deckung des deutschen Bedarfs an Lebensmitteln auch zwingend gebraucht würden, sagen die Wissenschaftler.

Die Strecke, die kalifornischer Wein vom Erzeuger bis zum Weinhändler in Deutschland zurücklegt, beträgt 18.068 Kilometer. Dabei kommen verschiedene Transportmittel zum Einsatz, deren Kraftstoffverbrauch, Beladungsmengen und Leerfahrten beziehungsweise Auslastungsgrade in die Bilanz einfließen.

Die Ergebnisse entstammen einer Datenerhebung bei den Transport- und Handelsunternehmen. Öffentlich zugängliche Datenbanken zur CO2-Kalkulation wie etwa CarbonCalc (2015) und EcoTransitWorld (2015) kommen mit 216 Gramm bzw. 193 Gramm CO2 pro Flasche zu ähnlichen Ergebnissen, sodass die Forscher von durchschnittlich 200 Gramm Kohlendioxid pro Flasche für den globalen Transport ausgehen.

Der Artikel "Übersee-Weine sind keine Umwelt-Sünde" wurde am 23.06.2016 in der Kategorie New Mobility von Lars Wallerang mit den Stichwörtern Transport, Schifffahrt, Verbrauch, Umwelt, New Mobility, veröffentlicht.

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