News

Gebrauchtwagen-Check: VW Passat CC - Der schickere Dienstwagen

22. April 2015, 16:52 Uhr
Holger Holzer/SP-X
Mit dem Passat CC schließt VW seit 2008 die Lücke zum Oberklassemodell Phaeton. Die Langzeitqualität kann mit den Ansprüchen und dem schnittigen Äußeren aber nicht immer mithalten.

Wer den VW Passat zu spießig findet, hat seit 2008 im sportlich-eleganten Ableger CC eine Alternative. Das Konzept mit einem Mix aus Viertürer und Coupé haben sich die Wolfsburger vom Mercedes CLS abgeguckt, die Technik stammt aber von Passat-Limousine und Kombi. Und zeigt daher ähnliche Schwächen.

Karosserie und Innenraum: Als viertüriges Coupé ist der VW Passat CC (seit 2012 nur noch VW CC) das vielleicht schönste Modell der Marke, vor allem aus der Seitenansicht. Hier werden allerdings auch die Nachteile des Konzepts am deutlichsten: Weil das Dach zu Heck hin abfällt, wird es für die Köpfe großgewachsener Fondinsassen eng. Vorne hingegen ist reichlich Platz, auch weil der CC gegenüber dem Standard-Passat breitere und tiefer montierte Sessel anbietet. Zudem hat er leicht in der Breite zulegt. Der Kofferraum hingegen ist kleiner als in der Limousine, bietet mit 532 Litern aber immer noch viel Platz. Beim Cockpit hat sich VW ein Upgrade gegenüber den günstigeren Karosserieversionen gespart, es ist aber gewohnt sinnvoll und hochwertig eingerichtet. Bis auf die Sitzbezüge, die laut einiger Käuferbeschwerden zu schnell verschmutzen. Knistergeräusche aus dem Armaturenbrett lassen zudem auf nicht immer optimale Verarbeitung schließen.

Motoren: Beim Antrieb bedient sich der CC aus dem gut gefüllten Passat-Regal. Weil das Viertürer-Coupé in der Hierarchie weiter oben steht, fehlen aber die Einstiegsaggregate von Limousine und Kombi. Das Benzinerangebot startet daher mit einem 118 kW/160 PS starken 1,4-Liter-Turbo (seit 2012), geht über einen gleich starken 1,8-Liter- (2008 bis 2012) und einen 2,0-Liter-Turbo (147 kW/200 PS, seit 2010 155 kW/211 PS) bis zum 3,6-Liter-V6 mit 220 kW/300 PS, der serienmäßig an einen Allradantrieb und ein Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt ist. Alle anderen Benziner gibt es nur mit Frontantrieb. Das Dieselprogramm besteht ausschließlich aus 2,0-Liter-Vierzylindern, die ein Leistungsband von 103 kW/140 PS bis 130 kW/177 PS abdecken, alle Leistungsstufen sind auch als Allradler zu haben. Für die Kraftübertragung sorgt außer beim Top-Benziner eine manuelle Sechsgangschaltung, ein Doppelkupplungsgetriebe gibt es gegen Aufpreis, kurzzeitig war auch eine klassische Wandlerautomatik für den 200-PS-Benziner zu haben. Die Motorenauswahl hängt vom Tank-Budget ab: Am besten zum Charakter des CC passt der durstige V6, die Diesel unterscheiden sich beim Verbrauch kaum, lediglich die nur 2009 und 2010 angebotene Variante mit 105 kW/143 PS leistet sich einen Ausreißer nach oben und benötigt laut Norm mit 5,3 Litern rund einen halben Liter mehr als die anderen Selbstzünder.

Ausstattung und Sicherheit: Anders als beim Standard-Passat gibt es für den CC nicht die gewohnten Ausstattungslinien. Dafür ist bereits das Basismodell ordentlich bestückt und bietet unter anderem 17-Zoll-Räder, Sportsitze und seit 2012 auch Xenon-Scheinwerfer. Die restlichen Posten werden über Pakete oder einzeln dazu gebucht. Darunter auch zahlreiche moderne Assistenten wie Totwinkel-Warner oder Spurhaltehelfer. An Airbags sind serienmäßig sechs Stück an Bord, Seitenairbags für hinten kosten Aufpreis. Einen Crashtest hat der CC nicht absolviert, der grundlegend ähnliche Standard-Passat erreichte 2005 fünf Sterne.

Qualität: Auch wenn der CC der Edel-Passat sein soll - bei der Verarbeitungsqualität kann er nicht immer überzeugen. Das fängt beim Knister-Armaturenbrett an und hört beim Knarzen aus dem Dachhimmel nicht auf. Eine Problemquelle ist auch das optionale Glasschiebedach, das starke Windgeräusche verursachen und mit dem Rollo klappern kann. Eine Fehlkonstruktion sind die Türdichtungen, unter denen sich Wasser sammelt und für Rost sorgen kann. Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, zeigen auch mehrere Serviceaktionen. Unter anderem mussten die Steuergeräte des Doppelkupplungsgetriebes und der Servolenkung neu programmiert werden. Auch beim TÜV reicht es insgesamt nur für ein eher durchschnittliches Zeugnis. Häufig beanstandet werden die Bremsscheiben, glänzen können auch die Stoßdämpfer, Federn und Antriebswellen nicht. Dafür sind Rost und Ölverlust kein Thema. Älter Fahrzeuge schneiden bei der HU insgesamt etwas besser ab als jüngere Modelle.

Fazit: Wer eine edle Mittelklasselimousine jenseits von Audi A4, BMW 3er oder Mercedes C-Klasse sucht, ist beim VW Passat CC an der richtigen Adresse. Das Auto ist kein echter Exot, aber auch nicht an jeder Straßenecke zu sehen. Ein paar Macken muss man akzeptieren, insgesamt ist der CC aber solider als sein Stammvater Passat. Knapp 12.000 Euro muss man für ein Exemplar investieren.

Der Artikel "Gebrauchtwagen-Check: VW Passat CC - Der schickere Dienstwagen" wurde am 22.04.2015 in der Kategorie News von Holger Holzer/SP-X mit den Stichwörtern Gebrauchtwagen-Check: VW Passat CC, News, veröffentlicht.

Weitere Meldungen

19. April 2024

Neuer Elektro-Dacia Spring setzt ein ''Preis-Statement''

Auch er ist elektrisch und preisgünstig, der geliftete Dacia Spring. Dank Förderung war der Vorgänger zwar für die ...