CAD GX6: Allrad-Riese zum Zwergen-Preis

2008-08-05 Mit dem CAD GX6 drängt im September ein neues China-Auto auf den deutschen Markt: ein fast fünf Meter langer und knapp 20 000 Euro teurer Geländewagen. Dabei stößt er auf kaum eine Konkurrenz, denn der klassische Allrader zum Arbeiten und Transportieren vom Schlage eines Opel Frontera oder Hyundai Galloper gibt es bis auf wenige Ausnahmen kaum noch. In diese freigewordene Nische dringt der GX6, der von Zhejiang Gonow gebaut wird. Vertrieben wird das Fahrzeug neben dem kleineren UFO und einem mit dem GX6 verwandten Pick-up ab Ende September über das rund 100 Händler umfassende Netz der China Automobile Deutschland (CAD). Wie viele Wagen nach Deutschland importiert werden sollen, dazu will das Unternehmen noch keine Angaben machen.

Äußerlich erinnert der GX6 stark an den Toyota Landcruiser. Doch bis zur Markteinführung will CAD daher noch einige Details ändern: Die in die Haube gezogenen Scheinwerfer sollen horizontal betonten Leuchten weichen, ein neuer Kühlergrill reicht dann tiefer herunter, und die Heckleuchten werden komplett schwarz eingefärbt. Die großen Trittbretter, das außen angebrachte verschalte Reserverad und die Dachreling betonen den kernigen Charakter des Fahrzeugs. Stolze 4,94 Meter Länge und 1,86 Meter Höhe misst die Karosserie. Der Kofferraum ist mit Hartplastik ausgekleidet. Der Innenraum ist insgesamt schlicht gehalten. Schmückende Verzierungen fehlen fast komplett, nur am Armaturenbrett gibt es großflächige silberfarbene Zierelemente. Zusammen mit der weißen Instrumentenbeleuchtung unterstreichen sie das kühle Ambiente, das im GX6 herrscht. Die Verarbeitung kann nicht ganz überzeugen, vor allem die Passgenauigkeit der einzelnen Teile könnte verbessert werden. Ein Modell für den raffinierten Autogeschmack ist der Chinese so auf jeden Fall nicht, für den potenziellen Kunden dürfte eher der Nutzwert im Vordergrund stehen.

Die technischen Daten verheißen dann auch eher einen klassischen Geländewagen: Der GX6 tritt mit einem hohen fünftürigen Aufbau auf Kastenrahmen sowie mit zuschaltbarem Allradantrieb inklusive Geländeuntersetzung an. Als Motorisierung wird in Deutschland zunächst ein 2,4-Liter-Benziner angeboten, der von einer Mitsubishi-Konstruktion abgeleitet ist. Mit 107 kW/145 PS sollen 165 km/h Spitze und ein Verbrauch von neun bis zwölf Litern je 100 Kilometer erzielt werden. Die Spritkosten lassen sich durch eine Flüssiggas-Anlage senken, die von CAD ab Werk für 2 000 Euro Aufpreis angeboten wird. Das gefahrene Modell hat allerdings mit einem recht hörbaren Dieselmotor auf sich aufmerksam gemacht, doch der kommt nun nicht in den Handel. Erst im Spätsommer soll der GX6 auch in Europa als Selbstzünder bestellbar sein - dann mit einem 2,4-Liter-Turbodiesel aus italienischer Produktion. Befestigte Straßen sind nicht das Lieblings-Terrain des GX6. Die gefühllose Lenkung und das etwas stampfige Fahrwerk machen wenig Spaß. Die klassische Bauart und der hohe Schwerpunkt lassen es zudem nicht angeraten erscheinen, die Grenzbereiche auf der Straße auszuloten. Besonders, da der Schleuderschutz ESP bislang fehlt. Die Serienversion soll ihn unter Umständen erhalten, heißt es bei CAD. ABS hingegen ist immer an Bord. Besser sieht es mit dem Fahrverhalten abseits befestigter Wege aus, wo der Allrader mit seiner Geländeuntersetzung und großer Achsverschränkung punkten kann.

Es ist ein Arbeitstier und nichts für den raffinierten Autogeschmack. Doch dieses Manko werden potenzielle Kunden im Hinblick auf den Einstiegspreis von rund 20 000 Euro und das große Platzangebot vielleicht verschmerzen können. Selbst mit Vollausstattung kommt der fast fünf Meter lange Koloss maximal auf 25 000 Euro. Dafür bekommt man anderswo gerade mal einen höher gelegten Kompaktwagen. Jens Meiners/mid

Technische Daten CAD GX6:

Fünftüriger Geländewagen mit zuschaltbarem Allradantrieb; Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4,97 Meter/1,78 Meter/1,84 Meter/2,74 Meter, Leergewicht 1 740 Kilogramm, max. zul. Gesamtgewicht 2 350 Kilogramm; 2,4-Liter-Ottomotor mit 107 kW/145 PS, Höchstgeschwindigkeit 165 km/h, Preis rund 20 000 Euro. mid/jm

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