Heckmotor: Renaissance bei VW
2007-12-21 Wegen ihres kritischen Fahrverhaltens waren Pkw mit Heckmotor Ende der 60er-Jahre ins Gerede gekommen. Bald darauf verschwand die platzsparende Bauweise daher fast komplett vom Markt. Nun plant Volkswagen eine Renaissance - mit moderner Sicherheitstechnik.
Die Wolfsburger haben bereits mit dem Heckmotor-Konzept im Käfer große Erfolge gefeiert. Auch die Zeitgenossen Fiat 500, der NSU Prinz und der Renault 4CV setzten bis in die 60er-Jahre auf das über oder hinter der Hinterachse platzierte Triebwerk. Generell neigen Heckmotorautos zu schwer beherrschbarem Ausbrechen und Übersteuern in der Kurve. Bei den kleinen und meist nur schwach motorisierten Fahrzeugen spielte das schwere Heck bei der Fahrdynamik nur eine geringe Rolle.
Problematisch wurde der Heckmotor mit steigender Leistung und wachsender Fahrzeuggröße. Denn beeindruckt von den Erfolgen des Käfers entwickelten in den 60er-Jahren besonders die US-Hersteller eigene Heckmotor-Modelle. Zu trauriger Berühmtheit ist vor allem das Mittelklassecoupé Chevrolet Corvair gekommen, der in eine ganze Reihe schwerer Unfälle verwickelt war. Denn die bis zu 104 kW/142 PS starke Stufenhecklimousine trägt ihren Sechszylinderboxermotor im Heck, was zu einem schwer handhabbaren Fahrverhalten führt. "Lebensgefährlich bei jeder Geschwindigkeit" urteilte US-Verbraucheranwalt Ralph Nader in seinem millionenfach verkauften Bestseller "Unsafe at any speed" über das Auto, das bald darauf vom Markt verschwand. Und mit ihm, zumindest in den USA, auch das Heckmotor-Konzept. Bis heute wurde es nicht wieder aufgenommen.
Das schlechte Image und das tatsächlich schwierigere Fahrverhalten ließen die Heckmotortechnik für Pkw bald im Rest der Welt ebenfalls an Popularität verlieren. Der Käfer fuhr zwar noch einige Jahre weiter, und auch Skoda setzte den Heckmotor bis Ende der 80er ein. Aktuell findet sich die Bauweise jedoch nur bei Sportwagen von Porsche und im zweisitzigen Kleinstwagen Smart Fortwo.
Bei seiner für Ende des Jahrzehnts geplanten Cityflitzer-Familie setzt Volkswagen jedoch wieder voll auf die Vorteile des Heckmotors, allerdings in Kombination mit neuen Sicherheitstechniken. Denn ein unten im Heck platzierter Motor schafft Platz: Die vordere Motorhaube entfällt, die Räder können an die äußersten Karosserieecken rücken, der Radstand wächst und mit ihm das Raumangebot. Genau richtig für ein preiswertes Stadtauto. Moderne Sicherheitssysteme wie der Schleuderschutz ESP sollen gleichzeitig das problematische Kurvenverhalten bändigen. VW will das Heck-Konzept im großen Stil einsetzen. Zwei Modelle, ein Dreitürer und ein Mini-Van wurden bereits als Studien vorgestellt, weitere Karosserievarianten werden folgen. Holger Holzer/mid mid/hh
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