10. April 2007

Special

Diesel oder Benziner: Wer ist der CO2-Musterknabe?

In der aktuellen Diskussion um den CO2-Ausstoß von Pkw geht so manches durcheinander. Für eine einwandfrei Bewertung müsste jedes Motoren- und Antriebskonzept getrennt voneinander betrachtet werden. Großen Einfluss hat außerdem der Fahrer selbst.

Der Dieselmotor gilt gemeinhin als besonders günstig im Hinblick auf seine CO2-Bilanz. Doch je Liter verbrauchtem Kraftstoff gehen beim Selbstzünder wegen der höheren Dichte des Dieselkraftstoffs rund elf Prozent mehr Kohlendioxid durch den Auspuff als beim Benziner. So stößt ein Dieselmotor, der im Durchschnitt 5,9 Liter Sprit je 100 Kilometer verbraucht, 158 Gramm CO2 pro Kilometer aus; ein Benziner mit dem gleichen Durchschnittsverbrauch emittiert lediglich 139 Gramm CO2 je Kilometer. Zudem verschlechtern der Ausstoß von Rußpartikeln sowie die höheren Stickoxid- und Kohlenwasserstoff-Werte die Umweltbilanz des Selbstzünders.

Dennoch kommt dem modernen Diesel wegen seines effizienten Umgangs mit dem Kraftstoff eine besondere Bedeutung beim Ziel der weiteren CO2-Reduzierung zu; bei zügigen und längeren Autobahnfahrten ist er die momentan klimafreundlichste Art der automobilen Fortbewegung. Mit Reinigungssystemen wie Partikelfilter und Stickoxid-Katalysator wird außerdem das Abgasverhalten verbessert; dies macht den Diesel in Zukunft aber eher noch teurer.

Eine ordentliche CO2-Bilanz kann der Benziner vor allem mit Unterstützung eines Elektromotors erreichen. Insbesondere im Stadtverkehr und bei mittleren Geschwindigkeiten spielt der Hybridantrieb mit Benzin- und Elektroaggregat seine Stärken aus. Die Antriebskombination eignet sich dazu, den Benziner beim Verbrauch und CO2-Ausstoß auf oder sogar unter das Niveau effizienter Dieselmotoren zu drücken - bei gleichzeitig besserer Schadstoffbilanz. So liegt das Toyota-Hybridfahrzeug Prius als vollwertiges Kompakt-Modell mit 4,3 Litern Benzinverbrauch und 104 Gramm CO2-Ausstoß auf dem Niveau des VW-Kleinwagens Polo Bluemotion, der 3,9 Liter Diesel konsumiert und 102 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer emittiert. Die Preise für den Hybridantrieb liegen jedoch zurzeit noch deutlich über dem Niveau eines vergleichbaren Dieselfahrzeugs.

Zweifel an der Haltbarkeit und Zuverlässigkeit des Antriebssystems haben jüngst die erfolgreichen 100 000-Kilometer-Dauertests des Prius in den Fachzeitschriften Auto Bild und auto motor und sport ausgeräumt. Für die Batterien hat der japanische Hersteller außerdem ein spezielles Recyclingverfahren entwickelt. Es muss allerdings nicht immer ein vollwertiges Hybridsystem sein: Einzelne Komponenten wie eine Start-Stopp-Automatik oder die Rückgewinnung der Bremsenergie zur Versorgung des Bordnetzes tragen ebenfalls erheblich zur Reduzierung von Verbrauch und CO2-Ausstoß bei, genauso wie moderne Einspritztechnologien. BMW beweist dies in der gerade überarbeiteten kompakten 1er-Baureihe.

Als Autofahrer sollte man sich aber nicht allein auf die Technik verlassen; durch eine ökonomische und vorausschauende Fahrweise und weitere Sparmaßnahmen lassen sich der CO2-Ausstoß und der Kraftstoffverbrauch um bis zu 30 Prozent senken. Denn beide in einem genormten Prüfverfahren ermittelten Werte sind untrennbar miteinander verbunden; steigt der eine, verschlechtert sich auch der andere. mh

Der Artikel "Diesel oder Benziner: Wer ist der CO2-Musterknabe?" wurde am 10.04.2007 in der Kategorie Specials von mit den Stichwörtern Diesel oder Benziner , Diskussion um den CO2, Ausstoß, Event, Messe, veröffentlicht.

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