24. Januar 2007

Fahrbericht

Toyota Auris: Goldene Zeiten vorausgesagt

Warum in aller Welt haben die Japaner nur diesen Namen aufgegeben, werden sich viele Freunde des Toyota Corolla fragen. Mit 32 Millionen verkauften Fahrzeugen ist der Kompaktwagen immerhin das meistverkaufte Automobil der Welt. Doch der neue Corolla heißt in der Schrägheckvariante Auris, ein vom lateinischen Wort Aurum für Gold abgeleitetes, durchaus wohlklingendes Kunstwort. Der Name ist Programm: Das ab 15 200 Euro erhältliche Modell soll für Toyota goldene Zeiten in der Kompaktklasse einläuten. Der Basis-Auris mit drei Türen feiert allerdings sein Debüt erst Anfang März auf dem Automobilsalon in Genf. Dann kommt der 700 Euro teurere Fünftürer in Deutschland gerade in den Handel.

Wie fast immer bei einem neuen Modell hat sich die in vielen Bereichen zum Branchenprimus entwickelte Automarke die besten Wettbewerber zum Vorbild genommen und um typische Toyota-Elemente erweitert. So trifft der Auris in Länge (4,22 Meter) und Breite (1,76 Meter) jeweils bis auf wenige Millimeter die Abmessungen des in dieser Fahrzeugklasse immer noch als Maßstab geltenden VW Golf. Und selbst das Kofferraumvolumen liegt mit 354 Litern fast punktgenau auf dessen Niveau. Gehörte der Corolla in seiner Klasse zu den knapper geschnittenen Fahrzeugen, setzt sich der Auris nun beim Platzangebot mit an die Spitze. Selbst hinten, wo es beim Vorgänger mehr als eng zuging, sitzt man jetzt für diese Klasse geradezu fürstlich.

Zu diesem Gefühl trägt auch der feine, mit hochwertigen Materialien glänzende Innenraum des Auris bei. Schalter und Hebel sind nahezu perfekt angeordnet und die schon aus anderen Modellen bekannten Rundinstrumente in augenfreundlicher Optitron-Technik lassen ebenfalls keine Wünsche offen. Im Vergleich zum immer etwas biederen Corolla setzt der Auris optisch deutlich stärker auf Dynamik. Trotzdem bleibt das Modell eine insgesamt eher unauffällige Erscheinung. Dies gilt vor allem für die wenig ausgeprägte Seitenlinie. Von hinten ist der Auris immerhin klar als Toyota zu erkennen, während die Vorderansicht mit den vielleicht etwas zu groß geratenen Scheinwerfern ganz klar die Schokoladenseite darstellt. Insgesamt bleibt der Hersteller also auch beim Auris einer eher vorsichtigen Linie treu, was ja auch dem Wettbewerber Golf immer gut bekommen ist.

Zum Antrieb stehen insgesamt vier Motoren zur Wahl: Als Basis bleibt der schon bisher verwendete 1,4-Liter-Antrieb mit 71 kW/97 PS erhalten, als zweiter Benziner kommt ein neu entwickelter 1,6-Liter-Motor mit 91 kW/124 PS hinzu. Der kann auf Anhieb durch ruhigen Lauf und guten Durchzug überzeugen, ist allerdings für Vielfahrer mit hohem Autobahnanteil sicher nicht die richtige Entscheidung. Dafür gibt es die Dieselmotoren, die an der Spitze der Antriebspalette stehen. Der 2,0-Liter-Selbstzünder leistet jetzt mit 93 kW/126 PS zehn Pferdestärken mehr als vorher. Neu im Angebot ist der bisher nur für den Corolla Verso und Avensis angebotene 2,2-Liter-D-CAT-Diesel mit 130 kW/177 PS. Der ist dank seiner Dynamik und Sparsamkeit natürlich die beste, mit mindestens 24 250 Euro bei kompletter Grundausstattung aber auch die teuerste Wahl.

Insgesamt stehen für den Auris vier Ausstattungsvarianten zur Verfügung, die sich allerdings nicht mit jedem Motor kombinieren lassen. Volumenmodell wird nach Unternehmensangaben in Deutschland der 1,6-Liter-Benziner in der Version Sol ab 18 600 Euro sein, der trotz wesentlich besserer Ausstattung im Vergleich zum alten Corolla nur 180 Euro teurer geworden ist. Für die Sicherheit gibt es neben den üblichen sechs Airbags einen siebten als Knieschutz sowie alle gängigen elektronischen Helfer inklusive Stabilitätsprogramm. Im Gesamtpaket ist der neue Auris dem alten Corolla hier ebenfalls deutlich überlegen.

Ein würdiger Nachfolger also für den alten Toyota-Bestseller. Und wirklich weg ist der Corolla ja auch nicht. Er wird als viertürige Stufenheckvariante weltweit immer noch in jährlicher Millionenauflage produziert und in mehr Ländern angeboten als der Auris. Nur eben nicht in Deutschland und einigen anderen mitteleuropäischen Ländern. Rund 29 000 Einheiten will Toyota hierzulande in diesem Jahr verkaufen, 2008 sollen es über 30 000 Fahrzeuge werden. Dies dürfte eine lösbare Aufgabe für den neuen Auris sein, denn das Goldstück von Toyota beweist mit seinem ersten Auftritt, dass in der Kompaktklasse nicht alles Golf sein muss, was glänzt. Peter Eck/mid

Technische Daten Toyota Auris:

Drei- oder fünftürige Schräghecklimousine der Kompaktklasse; 1,4-Liter-Benziner, 71 kW/97 PS, maximales Drehmoment 130 Nm bei 4 400 U/min, Höchstgeschwindigkeit 170 km/h, 0-100 km/h: 13 s, Durchschnittsverbrauch: 6,9 Liter; 1,6-Liter-Benziner, 91 kW/124 PS, 157 Nm bei 5 200 U/min, 190 km/h, 10,4 s, 7,1 Liter; 2,0-Liter-Dieselmotor, 93 kW/126 PS, 300 Nm zwischen 1 800 und 2 400 U/min,195 km/h, 10,3 s, 5,7 Liter; 2,2-Liter-Dieselmotor, 130 kW/177 PS, 400 Nm zwischen 2 000 und 2 600 U/min, 210 km/h, 8,1 s, 6,2 Liter; Preise ab 15 200 Euro (Dreitürer) und 15 900 Euro (Fünftürer). ec

Der Artikel "Toyota Auris: Goldene Zeiten vorausgesagt" wurde am 24.01.2007 in der Kategorie Fahrbericht von mit den Stichwörtern Toyota Auris, Test-Bericht, Pressevorstellung, Test, Bericht, Kurztest, Vorstellung veröffentlicht.

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